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Überraschende Entdeckungen beim Abriss

Beim Aufbau des Reaktors in Rossendorf wurden 1957 Guss-Stahlplatten zum Strahlenschutz eingesetzt, die nicht auf dem Bauplan verzeichnet sind.

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Von Kay Haufe

Zwei Meter hoch, 90 Zentimeter breit und 20 Zentimeter stark sind die Stahlplatten, die vor wenigen Wochen im Betonmantel des ehemaligen Rossendorfer Reaktors zum Vorschein kamen. „Wir waren völlig überrascht von den sieben Teilen, weil sie nicht auf den Original-Bauplänen eingezeichnet waren,“, sagt Udo Helwig, der Direktor des Vereins für Kernverfahrenstechnik und Analytik Rossendorf e.V. (VKTA).

Seit April vergangenen Jahres wird der Reaktormantel stückweise von Mitarbeitern einer Spezialfirma abgetragen. Mittlerweile sind sie im Bereich der aktivierten Zone angekommen, in deren Mitte einst die Brennelemente angeordnet waren. „Beim Rückbau haben wir uns natürlich streng an den Bauplänen orientiert. Offenbar gab es bei den Verantwortlichen damals doch Bedenken, dass das Schutzschild in diesen Bereichen nicht ausreichend war und es wurden die Stahlplatten eingefügt. Das ist bemerkenswert, wenn man die Materialknappheit dieser Zeit bedenkt“, sagt Helwig. Sein Verein hat jetzt Kontakt zu einem damaligen Mitarbeiter aufgenommen, der am Aufbau beteiligt war. „Von ihm erhoffen wir uns einige Erklärungen für die Teile“, so Helwig.

Bis 2011 soll der gesamte Reaktorbau abgerissen sein. Der abgetragene Beton wird geschreddert, in den Laboren des Vereins analysiert, dekontaminiert oder zwischengelagert.

„Wir müssen immer mit unvorhergesehenen Dingen rechnen, denn bis jetzt hat niemand Erfahrung im Abriss dieses russischen Reaktorbaus gesammelt“, so Helwig. Neben dem Reaktormantel wird die spezielle Kanalisation ausgebaut, über die radioaktive Abwässer flossen.