SZ +
Merken

Überraschender Besuch der Weißkittel

Schutz. Inspekteure beäugen Bratwürste und Käse, inspizieren Regale und Kühlzellen. Die SZ begleitete Mitarbeiter der Lebensmittelkontrolle.

Teilen
Folgen

Von Annett Heyse

In der Küche des Altenpflegeheimes Bodelschwingh in Freital brodelt es acht Uhr morgens schon in den Kochtöpfen. Kassler mit Gemüse und Klößen steht heute auf dem Speiseplan. Das Küchenpersonal ist voll beschäftigt, als die Tür aufgeht. In weißem Kittel und mit Haube auf den Kopf steht Martina Dittrich da. „Lebensmittelkontrolle“, sagt sie.

Küchenchefin Elke Sommer schaut gelassen zu, wie die Hygieneinspektorin ihre Prüfmaterialien hervorholt. „Bei uns ist noch nie etwas Gravierendes vorgekommen.“ Martina Dittrich lässt sich wahllos Suppenkellen, Tassen, Besteck und Transportbehälter bringen. An jedes Arbeitsgerät hält sie ein Taststäbchen, auf dem Nährböden sind. Mikroorganismen, die in jedem Fall vorhanden sind, springen über. Die Proben werden in die Landesuntersuchungsanstalt geschickt, ausgebrütet und anschließend wird die Konzentration der Keime ausgezählt. Ist diese zu hoch, läuten bei der Hygieneinspektorin die Alarmglocken. Verwarn- oder Bußgelder wären die Folge, in jedem Fall aber eine Nachkontrolle. Martina Dittrich ist aber noch lange nicht fertig. Kühlzellen, Lagerräume, Küchenschränke – alles wird auf Ordnung und Sauberkeit überprüft. Sogar die Umkleideräume und Personaltoiletten nimmt sie sich vor. Mit dem Zeigenfinger wischt Martina Dittrich über Regale. Alles sauber. „Gut so.“

Ist alles frisch?

In Dippoldiswalde steht Kollege Stefan Henker, ebenfalls Lebensmittelkontrolleur des Weißeritzkreises, im Rewe-Markt von Familie Rottgardt. Er hält sein Infrarotthermometer in die Kühltruhe mit den Steaks. „2,8 Grad – das ist völlig in Ordnung.“ Zuvor hat er schon die Gemüseabteilung inspiziert. „Ich kontrolliere, ob die Ware frisch ist und keine verfaulten Früchte dazwischenliegen“, erläutert er.

Dann nimmt sich der Hygieneinspekteur die Molkereiabteilung vor. Besonderes Augenmerk legt Stefan Henker auf die Lagertemperaturen. „Das ist das Wichtigste. Vor allem in den Kühlregalen.“ Stichprobenartig schaut er auf Quarkbecher und Käseverpackungen. Kontrolliert wird, ob das Verfallsdatum noch nicht überschritten ist. Aber auch, ob Herkunft, Lagertemperatur sowie Zusatzstoffe angegeben und Inhaltsangaben einigermaßen vollständig sind. „Wo Apfel-Zwiebel-Leberwurst draufsteht, muss auch welche drin sein“, sagt er. Natürlich könne das nur ein Labor wirklich zweifelsfrei klären. „Deshalb nehme ich per Zufallsprinzip Waren aus dem Regal und sende sie ein.“ Heute wird es ein Päckchen Hackfleisch sein. Rund 500 Proben werden bei den 4 000 jährlichen Kontrollen genommen. Etwa sechs Prozent sin nicht in Ordnung. Das liegt im bundesweiten Durchschnitt.

Nächster Einsatzort: Die Fleischerei Ulrich Loose im Dippser Stadtzentrum. Diese Branche ist eine Angelegenheit für Tierärztin Maren Rinke. Zuerst lässt sie sich Produktionsräume und Maschinen zeigen. Mit Wattestäbchen nimmt sie Proben an Arbeitsgeräten und Wänden. Bei Fleischern wird vor allem auf Salmonellen geprüft. Wichtig, so erklärt sie, sei auch die Selbstkontrolle der Hersteller und Händler. Täglich müssen Betriebe die Temperaturen der Kühlzellen und Lagerräume im Auge behalten und diese dokumentieren. Maren Rinke lässt sich die Bücher bei jedem Besuch vorlegen. „In der gesamten Lebensmittelbranche läuft das so.“ Im Laden bemängelt sie die künstliche Gemüse-Garnierung auf dem Fleisch. „Da könnten Keime eingetragen werden.“ Ansonsten sei alles tipp-topp. Zwei Bratwürste packt Maren Rinke in die mitgebrachte Kühltasche, die sollen im Labor untersucht werden.

Zehn Tage später liegen die Ergebnisse vor: Keine Beanstandungen der Proben. Ebenfalls in Ordnung waren die Stichproben aus dem Supermarkt und aus dem Pflegeheim.