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Überraschendes Ende im Herzdamen-Prozess

Als „Larissa Laurenzi“ stahl eine 46-Jährige einem Kraftfahrer erst das Herz und dann das Ersparte. Nun muss sie hinter Gitter – aber nicht so lange, wie gedacht.

Von Christoph Scharf

Wenn kriminelle Energie auf grenzenlose Gutgläubigkeit trifft, kann das nicht gut ausgehen. Und so gab es bei einem Prozess, der gestern vor dem Bautzener Schöffengericht zu Ende ging, keine Gewinner. Eine Familie aus einem Dorf bei Kamenz verlor über Nacht alle Ersparnisse. Eine gebürtige Dresdnerin muss nun für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter.

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Dem Urteil war eine fast unglaubliche Geschichte vorangegangen. Ein 41-jähriger Junggeselle sucht per Kontaktanzeige eine Frau fürs Leben. Es meldet sich eine Larissa Laurenzi, die angeblich über italienische Wurzeln und eine dicke Erbschaft verfügt, aber wegen eines Wasserschadens gerade über keine Wohnung. Der Kraftfahrer lässt sie bei sich und seinen Eltern einziehen. Der breite westsächsische Akzent macht ihn genauso wenig stutzig wie die abenteuerliche Lebensgeschichte der Frau, die ihre Eltern bei einem Unfall verloren haben soll und angibt, bei der Kripo zu arbeiten.

Fast ein Jahr lang lebt die angebliche Larissa bei ihrem neuen Geliebten. Sie kümmert sich um den pflegebedürftigen Vater und kommt für sämtliche Einkäufe, Tankkosten oder Autoreparaturen auf. Das ist für sie kein Problem: Hat sie doch schon nach Kurzem EC-Karte samt Pin ihres Verehrers in der Tasche. Der stellt keine Fragen und will auch keine Kontoauszüge sehen. „Ich habe ihr doch vertraut.“

Und auch die Eltern des Kraftfahrers hören auf die neue Mitbewohnerin. Sie gibt den Tipp, wegen der Bankenkrise sämtliche Ersparnisse bei der Sparkasse abzuheben. Sonst käme Kanzlerin Merkel und buche das Geld für die Griechenlandrettung persönlich vom Konto ab. Die Rentner schenken ihr Vertrauen –  und heben mehrere 10 000 Euro ab, die sie fortan in einer verschlossenen Schreibtisch-Schublade in einem Umschlag lagern. Doch die hilfreiche Schwiegertochter in spe weiß, wo der Schlüssel liegt. Bald ist sie weg. Das Bündel mit den Geldscheinen ebenfalls.

Vor Gericht räumt die 44-Jährige ein, insgesamt 57 000 Euro geklaut und damit eigene Spielschulden bezahlt zu haben. Die bestohlene Familie behauptet allerdings, fast 100 000 Euro an die falsche Larissa eingebüßt zu haben. Das Gericht lässt die genaue Höhe bei den Banken nachermitteln, was einen zusätzlichen Prozesstag kostet. Schließlich kommt raus: Auf dem Sparbuch befanden sich niemals 100 000 Euro, so dass die Angaben der mehrfach vorbestraften Angeklagten wohl eher der Wahrheit nahekommen. Deshalb fällt das Urteil auch wesentlich milder aus, als ursprünglich angekündigt. „Ohne die Naivität der Geschädigten hätte die Sache nie geklappt“, sagt Richter Dr. Dirk Hertle.