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Überraschung auf dem Konto

Die Stadt hat kürzlich Geldsummen von Konten doppelt abgebucht. Das hat auch etwas Gutes.

Von Carina Brestrich

So mancher dürfte vorige Woche beim Blick auf seine Kontoauszüge überrascht gewesen sein: Gleich zweimal hatte die Stadtverwaltung Löbau bestimmte Lastschriften wie Gewerbesteuerzahlungen vom Konto eingezogen. Ein großes Versehen, wie die Stadt daraufhin sofort vermeldete, als ihr der Fehler aufgefallen war. Schuld an der Aufregung war ein Testlauf zur Vorbereitung auf das neue Sepa-Verfahren. Dieses startet am 1. Februar und vereinheitlicht den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Europa. Erst mal aber hat es den Zahlungsverkehr der Stadtverwaltung gehörig durcheinandergebracht.

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Denn eigentlich diente der Testlauf zur Vorbereitung auf die Sepa-Umstellung – eben um Fehler zu vermeiden, wenn es ernst wird. Laut Stadtverwaltung aber beruht der fehlgeschlagene Test auf einer falschen Anleitung durch den Kundenbetreuer des von der Stadt beauftragten Kreditinstituts. Dadurch sei eine Testdatei ungeprüft in das laufende Buchungssystem gelangt. „Allerdings ist es aus technischen Gründen derzeit nicht möglich, dies rückgängig zu machen“, erklärt Eva Mentele, Sprecherin der Stadt. Um welches Institut es sich handelt, ist nicht bekannt.

Und trotzdem ist nun alles wieder im Lot. Denn zum Glück war der Fehler aufgefallen, bevor die Abbuchungen überhaupt vollzogen waren, erklärt Frau Mentele: „Der Abbuchungstermin für die doppelten Lastschriften war der 26. November.“ Um aber zu vermeiden, dass Abbuchungen ins Leere gehen oder Gebühren für Rücklastschriften entstehen, wurden den Zahlungspflichtigen bereits am 25. November, also einen Tag zuvor, die zu viel abgebuchten Beträge überwiesen. „Der Fehler konnte so unter Mithilfe unseres beauftragten Kreditinstitutes korrigiert werden“, sagt Eva Mentele. Die Betroffenen wiederum müssen selbst nichts unternehmen, so die Stadtsprecherin: „Wir bitten allerdings um Verständnis und entschuldigen uns für die entstandene Aufregung.“

Obwohl die Generalprobe schief ging, zeigt der Fall der Stadtverwaltung, dass Testläufe vor dem Sepa-Start im Februar 2014 absolut notwendig sind, erklärt Adrian Reinke, Sprecher der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien. Denn damit kann geprüft werden, ob die Softwaresysteme auch tatsächlich funktionieren. Dass es dabei eventuell zu Fehlern kommen kann, dafür bittet auch er um Verständnis. „Die Umstellung auf das neue Sepa-System stellt die Kommunen, Unternehmen und Vereine vor eine große Herausforderung“, sagt Reinke. Denn während Privatleute mit dem neuen Verfahren in der Regel keinen Aufwand haben, müssen in den Buchhaltungen der Firmen, Vereine, Städte und Gemeinden zahlreiche Datensätze umgewandelt werden, erklärt Adrian Reinke.

Generell aber seien vor allem größere Unternehmen und Kommunen gut vorbereitet. „Sie haben schon früh damit begonnen, sich auf den Wechsel einzustellen“, sagt Adrian Reinke. Im Gegensatz zu kleineren Firmen und Vereinen. Viele von ihnen haben sich bisher noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt, so der Sparkassen-Sprecher: „Deshalb gehen unsere Berater jetzt aktiv auf diejenigen zu.“ So hoffe man, das große Aufschrecken kurz vor dem 1. Februar vermeiden zu können. Schließlich könnte es für diejenigen, die sich verspäten, gefährlich werden. „Wer nicht rechtzeitig umstellt, könnte Probleme mit der Zahlungsfähigkeit bekommen“, sagt Adrian Reinke. So müssen die Vereine und Firmen unter anderem eine sogenannte Gläubiger-Identifikationsnummer bei der Bundesbank beantragen. Außerdem müssen die Kontonummern und Bankleitzahlen von Mitgliedern oder Geschäftspartnern in eine Iban-Nummer umgerechnet werden. Passiert all dies nicht rechtzeitig, werden keine Lastschriften, wie Mitgliedsbeiträge, mehr eingezogen.