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Übers Pegida-Stöckchen gestolpert

Viele Meißner sind unzufrieden mit der Absage eines Pegida-Bürgerforums durch Martin Dulig. Ein CDU-Stadtrat organisierte eine Alternative.

Von Ulf Mallek

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Vor dem verschlossenen Meißner Rathaus stand gestern Abend eine kleine Gruppe diskutierfreudiger Einwohner mit Landrat Arndt Steinbach und Ex-Pegida-Organisator Thomas Tallacker. Sie hat sich von der überraschenden Absage des Bürgerforums „Vier Monate Pegida – was nun?“ durch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) und die Evangelische Akademie nicht abschrecken lassen. Sie wollen reden und sich streiten. Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) hat Sicherheitsbedenken, hieß es.

Deshalb bot CDU-Stadtrat Jörg Schlechte seinen Gastronomie-Ausschank in der Burgstraße als Ausweichtagungsort an. Auch Politikprofessor Werner Patzelt wurde  erwartet,  kam  aber  nicht.  Er hat gerade eine neue Pegida-Studie online gestellt. Danach liegen die Teilnehmer an Pegida-Demonstrationen in ihren politischen Ansichten teilweise recht weit auseinander. Zwei Drittel sehen sich genau in der Mitte der Gesellschaft, ein gutes Viertel rechts davon und der Rest links. Eins aber eint sie alle: das Misstrauen in die etablierten Parteien.

Angst vor der eigenen Courage?

Martin Dulig tat nach der Ansicht vieler Kritiker seiner Entscheidung zur Absage des Forums eine Menge, um dieses Misstrauen noch zu verstärken. So schreibt SZ-Leser Dietmar Bazant aus Coswig in seiner E-Mail: „Dulig wollte nicht über das Pegida-Stöckchen springen, nun ist er aber drüber gestolpert. Man stelle sich vor, es gibt ein Treffen zum Ukraine-Konflikt und Steinmeier kommt nicht, weil sich der Herr Lawrow angemeldet hat.“

Joachim Möhler, ein Protest-Organisator aus Perba fragt sich: „Wurde er zurückgepfiffen oder hat er Angst vor der eigenen Courage?“ Sabine Meyer teilt über die SZ-Facebook-Seite mit: „Ach, Herr Dulig. Da haben Sie gerade einen tollen Aufsatz geschrieben – Keine Angst vor Pegida – und nun das.“ Ingo Klutz aus Meißen: „Ich dachte immer miteinander reden ist konstruktiver als übereinander. Aber wenn sich jemand bereits vorm Dialog ein Urteil gebildet hat, dann ist das Gespräch eh zwecklos.“ Auch auf der Fanseite von Martin Dulig, auf der sich eigentlich seine Anhänger tummeln, überwiegt die Kritik. Stellvertretend für viele Peter Schulz: „Vielleicht sollte er mal darüber nachdenken, dass es sich trotzdem lohnt, sich mal mit den Menschen zu unterhalten. Es sind vielleicht auch SPD-Wähler dabei. Aber es wird bei der nächsten Wahl ja keine SPD mehr in der Regierung geben, wenn die Politiker so arrogant und realitätsfremd agieren.“ Und Uwe Thomas: „Herr Dulig ist kein wirklicher Demokrat. Noch vor Kurzem hat er jeden an seinen Küchentisch gelassen. Hauptsache, es brachte Stimmen.“

Martin Dulig teilte gestern mit, dass er zu seinem Wort stehe. „Mit den OrganisatorInnen der demokratie- und fremdenfeindlichen Pegida-Demonstrationen setze ich mich nicht an einen Tisch. Ich stehe nicht für die Öffentlichkeitsarbeit von Pegida oder ihren Nachfolgern zur Verfügung.“

Den auch kontroversen Dialog mit den Bürgern suche er aber weiter. Am 10. März stehe er beim Dialogforum „Miteinander in Sachsen“ zur Verfügung.

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