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Lenker der Uhrenfirma Union geht

Zwölf Jahre stand Adrian Bosshard an der Spitze der Firma. Nun übernimmt der Schweizer ein anderes Unternehmen.

Adrian Bosshard, Geschäftsführer der Union Uhrenfabrik, vor dem Firmengebäude in Glashütte.
Adrian Bosshard, Geschäftsführer der Union Uhrenfabrik, vor dem Firmengebäude in Glashütte. © Egbert Kamprath

Die Union Uhrenfabrik verliert ihren Chef. Das gab die Swatch Group bekannt, zu der der Hersteller gehört. Demnach wird Adrian Bosshard (58) die Geschäftsführung Ende Juni abgeben, um mit Rado eine andere Tochterfirma der Swatch Group zu leiten. 

Neuer Chef von Union wird Franz Linder, der bereits die Tochterfirma Mido leitet. Er tritt sein Amt am 1. Juli an. Gründe für die Personalwechsel nannte der Konzern nicht.

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Neben diesem Wechsel bei Union gab es in der Konzernleitung und der erweiterten Konzernleitung  weitere Veränderungen. Davon ist aber das zweite Glashütter Unternehmen des Uhrenkonzerns, die Manufaktur Glashütte Original, nicht betroffen. 

Die Entwicklung der Union Uhrenfabrik war auch schon Thema einer Sonderausstellung im Deutschen Uhrenmuseum Glashütte. Dort stellten Adrian Bosshard und Uhrmachermeister Tobias Hamann (re.) historische und neue Uhren des Unternehmens vor.
Die Entwicklung der Union Uhrenfabrik war auch schon Thema einer Sonderausstellung im Deutschen Uhrenmuseum Glashütte. Dort stellten Adrian Bosshard und Uhrmachermeister Tobias Hamann (re.) historische und neue Uhren des Unternehmens vor. © Frank Baldauf

Bosshard war in den letzten Jahren das Gesicht von Union. Der Schweizer, 58 Jahre alt, ist kein gelernter Uhrmacher, er kam über einen Umweg ins Geschäft mit den feinen Uhren. Bosshard, der Automechaniker ist, machte in den 1980er- und 1990er-Jahren  Karriere als Motorradrennfahrer und Motocrossfahrer. Er gewann mehrere Schweizer Meisterschaften. 1996 trat er bei der Swatch-Tochter Certina als Außendienstmitarbeiter ein. Später bildete er sich auf den Gebieten Marketing und Betriebswirtschaft weiter. 2006 übernahm Bosshard, der Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch spricht, das Projekt Union. Das Ziel: die Marke sollte neu aufgebaut und in den Markt eingeführt werden. 2008 wurde er von der Konzernleitung zum Präsidenten von Union ernannt. Diesen Posten hatte er nun zwölf Jahre inne. Das Unternehmen leitete er zum Großteil von der Schweiz aus, die Geschäfte vor Ort führte Frank Kittel. Der Vertrieb und das Marketing wurden und werden von der Deutschlandzentrale der Swatch-Group im hessischen Eschborn geführt.

Mitarbeiterzahl verdreifacht

Von Anfang an unterschied sich die Union Uhrenfabrik von Glashütte Original. Im Vergleich zur Manufaktur baute Union vergleichsweise preiswertere Uhren, diese kosten zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Damit wolle man auch dem Anspruch des Kaufmanns Johannes Dürrstein gerecht werden, der die Glashütter Uhrenfabrik Union 1893 gründete, erklärte Bosshard in einem SZ-Gespräch. Dürrsteins Credo war, Uhren zu montieren, "die alles haben, was sie präzise und schön macht, aber nichts, was sie teurer macht", zitierte Bosshard den Gründer. Die Strategie dahinter: Union kauft einzelne Komponenten aus der Schweiz. Diese werden von den Uhrmachern in Glashütte bearbeitet, veredelt und zu kompletten Uhrwerken montiert und reguliert. "Da wir keine Großserienfertigung haben, wird fast jeder Arbeitsschritt in Handarbeit ausgeführt", erklärte Bosshard in einem Interview. Damit schafft es auch Union, die Glashütter Regel zu erfüllen. Die schreibt vor, wer die Herkunftsbezeichnung Glashütte aufs Ziffernblatt bringen darf. Das ist nun erlaubt, wenn mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung am Uhrwerk in Glashütte erfolgt. Union schaffte nach Aussagen von Bosshard 70 Prozent.

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Unter Bosshards Regie änderte sich auch die Philosophie der Marke. Anfang trat Union so gut wie nie aus dem Schatten von Glashütte Original, in den letzten Jahren machte sie sich als Sponsor und Unterstützer von Oldtimer-Ausfahrten wie der Sachsen-Classic von sich reden. Der Schweizer sorgte auch mit dafür, dass die Union Uhrenfabrik präsenter in Glashütte wurde. Bis 2012 agierte das Unternehmen in der Emil-Lange-Straße, in einem eher unscheinbaren Gebäude, gelegen an einer kleinen Anwohnerstraße. 2012 zog Union in einen Neubau, der an Dresdner Straße steht. Sie wurde Teil der Uhrenmeile. Das Gebäude wird auch von der Manufaktur Glashütte Original genutzt. Die Firma, die mit 15 Mitarbeitern startete, hat nunmehr an die 50 Mitarbeiter. 

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