merken
PLUS Dippoldiswalde

Neue Uhren trotz Corona-Krise

Die Hersteller in Glashütte schätzen die Lage auf dem Markt sehr unterschiedlich ein. Eines haben aber alle gemeinsam.

In Glashütte lebt die Zeit. Und Glashütte lebt von der Zeit, sprich der Uhrenindustrie. Die hat es zurzeit nicht leicht.
In Glashütte lebt die Zeit. Und Glashütte lebt von der Zeit, sprich der Uhrenindustrie. Die hat es zurzeit nicht leicht. © Egbert Kamprath

Der Lockdown traf viele Glashütter Uhrenhersteller hart. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten in vielen Ländern quasi über Nacht auch die Uhrengeschäfte schließen. Große Messen und Präsentationen wie die Basel World und die Messe "Watches and Wonders" sowie die Produktschau der Swatch Group, zu der die Glashütter Unternehmen Glashütte Original und die Union Uhrenfabrik gehören, wurden abgesagt. 

Diese Absagen und Schließungen trafen die Branche, in der der Verkauf von und die Beratung zu Produkten von Angesicht zu Angesicht wichtig ist, sehr hart. Denn potenzielle Käufer schätzen es, die Uhr von allen Seiten zu inspizieren, sich die Feinheiten vorstellen zu lassen und das Meisterwerk in die Hand nehmen und anlegen zu können. Das alles war nicht mehr möglich. Die Nachfrage nach schönen Uhren ließ nach. Das bestätigte der Chef von Lange Uhren, Wilhelm Schmid, kürzlich in einem Gespräch mit der Sächsischen Zeitung. Der Unternehmenslenker wollte dabei keine Prognose zum künftigen Absatz abgeben. Zu ungewiss sei die Lage. Einer der wenigen Lichtblicke sei, dass die Nachfrage nach Uhren in China wieder anzieht. Die Sächsische  Zeitung fragte bei den anderen Uhrenherstellern nach, wie das Jahr angelaufen ist, was sie sich noch erhoffen und wie sie ihre Uhren präsentieren. 

Anzeige
Schlossherr gesucht!
Schlossherr gesucht!

Herbst-Auktionen mit außergewöhnlichen Immobilien aus Ostsachsen

Nomos: Das Online-Geschäft läuft gut

"Wir befinden uns in der Krise", sagt Nomos-Glashütte-Sprecher Florian M. Langenbucher. Seit Mitte März spielte das Thema Uhr für die meisten Kunden eine untergeordnete Rolle. Und das sei in Glashütte aber auch in der Schweiz spürbar. "Die Uhrenbranche leidet kollektiv unter vergleichbaren Rückgängen", so der Sprecher. Das Online-Geschäft von Nomos Glashütte läuft dagegen  "sehr stabil". Es gebe noch mehr Lichtblicke. "Insbesondere in Asien, wo die Epidemie ihren Anfang nahm, haben die Menschen wieder Lust auf gute Uhren". Auch in Italien geht es wieder los. "Wir sind optimistisch, doch insgesamt müssen wir realistisch sein. Bis wir wieder in einen Zustand Vor-Corona zurückkehren, wird es dauern", so Langenbucher. Denn Einkaufen mit Maske und Sicherheitsabstand sei nicht ganz so schön. Dennoch laufe das Marketing weiter. Gegenwärtig werde die neue limitierte Edition Ahoi für Ärzte ohne Grenzen beworben. Es gibt zwei Modelle, von deren Erlös je 250 Euro an die nobelpreisgekrönte Organisation geht. Größere Präsentation sind in Planung, werden aber noch nicht publik gemacht.

Nomos brachte das Sondermodell Ahoi Datum für Ärzte ohne Grenzen auf den Markt. Die Uhr kostet 3.780 Euro. 250 Euro gehen pro verkauftem Exemplar an die Hilfsorganisation.
Nomos brachte das Sondermodell Ahoi Datum für Ärzte ohne Grenzen auf den Markt. Die Uhr kostet 3.780 Euro. 250 Euro gehen pro verkauftem Exemplar an die Hilfsorganisation. ©  PR

Söhnle: Jubiläumsfeier im Pandemiejahr

Seit 20 Jahren gibt es das Bruno Söhnle Uhrenatelier in Glashütte. Anlässlich dieses Jubiläums hat die Firma Anfang des Jahres ein limitiertes Uhrenset auf den Markt gebracht und es auf der Uhrenmesse Inhorgenta in München vorgestellt. Die Uhren haben großen Anklang gefunden, sagt Geschäftsführerin Stephanie Söhnle. Die Zeitmesser waren sofort ausverkauft. Der Lockdown Mitte März hat die Firma offenbar nicht so hart getroffen. "Trotz der weltweit schwierigen Situation sind wir weiterhin zufrieden", so Söhnle. Die Lage man Markt sei nicht schlecht. Wie sie sich entwickelt, werde sich in den nächsten Monaten zeigen. Söhnle plant ab Mitte September die jährlichen Hotelausstellungen, auf denen Uhrenliebhaber die Uhren in "angenehmer Atmosphäre" anschauen können. Die Tour wird in 20 verschiedenen Städten stattfinden.

Das Modell Rondo Quadrat wurde zum 20-jährigen Bestehen der Firma Bruno Söhnle aufgelegt. Es wurde zur Messe in München vorgestellt.
Das Modell Rondo Quadrat wurde zum 20-jährigen Bestehen der Firma Bruno Söhnle aufgelegt. Es wurde zur Messe in München vorgestellt. © Bruno Söhnle Uhrenatelier

Tutima: Die Geschäfte laufen positiv

In der Uhrenfabrik Tutima gibt man sich sehr zuversichtlich und optimistisch. "Die Situation entwickelt sich für Tutima Glashütte positiv", sagt Betriebsleiter Alexander Philipp. Nicht nur in Deutschland, auch in einigen wichtigen Auslandsmärkten liefen die Geschäfte wieder gut. "Die Leute suchen in diesen Zeiten besonders nach qualitativ hochwertigen Objekten", so der Niederlassungsleiter. Das komme seiner Firma, die in diesem Jahr mehrere Neuheiten wie das Modell Grand Flieger Airport vorgestellt hat, zugute. 

Die Uhrenfabrik Tutima stellte in diesem Jahr das Modell Grand Flieger Airport mit Keramiklünette in Classic Blue vor. Die Uhr kostet 1.900 Euro.
Die Uhrenfabrik Tutima stellte in diesem Jahr das Modell Grand Flieger Airport mit Keramiklünette in Classic Blue vor. Die Uhr kostet 1.900 Euro. © PR

Mühle: Es wird zurückhaltend geplant

Mühle hatte Glück. Das Unternehmen konnte seine neuen Uhren noch vor dem Lockdown auf der Uhrenmesse Inhorgenta in München vorstellen. "Danach kam ja recht schnell der Lockdown, sodass die Geschäfte geschlossen waren", sagt Geschäftsführer Thilo Mühle. Der Absatz nahm rapide ab. Sein Unternehmen plant gerade sehr zurückhaltend. "Um von einer Erholung zu sprechen, ist es halt viel zu früh", so Mühle. Er habe von Umfragen gelesen, dass 95 Prozent der Bürger trotz Mehrwertsteuersenkung nicht mehr als in den Vorjahren konsumieren wollen. 

Das Familienunternehmen Mühle stellte zu Beginn des Jahres auf der Uhrenmesse in München das Modell Panova Grau vor. Es kostet 1.000 Euro.
Das Familienunternehmen Mühle stellte zu Beginn des Jahres auf der Uhrenmesse in München das Modell Panova Grau vor. Es kostet 1.000 Euro. © MühleUhr

Wempe Chronometerwerke: Neue Linie vorgestellt

Zur aktuellen Situation in der Branche möchte sich die Firma Wempe, die in Glashütte Uhren baut, und diese europaweit über ihre Filialen verkauft, nicht äußern. Erst im November könne man etwas zur Lage am Markt sagen, erklärt Firmensprecherin Nadja Weisweiler. Wempe hat in diesem Jahr mit der Iron Walker Glashütte seine dritte Uhrenlinie vorgestellt, unter anderen in sozialen Netzwerken und persönlich auf Einzelterminen in den Niederlassungen. Es wurden auch zwei Kurzfilme dazu gedreht. In Glashütte selbst wird es in diesem Jahr keine größere Präsentation geben.

Das Modell Wempe Iron Walker Automatik ist eine Taucheruhr mit Datumsfunktion. Es kostet 2.900 Euro.
Das Modell Wempe Iron Walker Automatik ist eine Taucheruhr mit Datumsfunktion. Es kostet 2.900 Euro. © Wempe

Glashütte Original: Uhren über Social Media-Kanäle lanciert

Auch die Luxusuhrenmanufaktur Glashütte Original möchte sich nicht zur aktuellen Lage äußern. Auf Anfrage gab es dieses schriftliche Statement: "In der Tat waren die letzten Monate sehr ungewöhnlich und auch wir mussten uns an die veränderte Situation anpassen." Deutlicher wurde der Chef des Swatch-Konzerns, zu dem Glashütte Original gehört. Nick Hayek erklärte einem Bericht der Wirtschaftswoche zufolge, dass die Coronakrise dafür gesorgt habe, dass der Konzern ein Verlust von 308 Millionen Franken im ersten Halbjahr einfuhr. Der Umsatz brach zwischen Januar bis Juni um 46,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken ein. Um gegenzusteuern habe der Konzern seinen Personalbestand in den letzten sechs Monaten um 6,5 Prozent auf rund 33.700 Mitarbeiter reduziert, rund 260 Geschäfte wurden für immer geschlossen. In den Bereichen Einkauf, Produktion, Marketing und Mieten wurden die Kosten gesenkt. In wie weit Glashütte Original davon betroffen wurde, wurde nicht bekannt. Hayek erklärte, dass sich die Umsatz- und Ertragslage in den kommenden Monaten verbessern werde. Das hofft man auch bei Glashütte Original. Das Unternehmen hat in diesem Jahr weitere neuen Uhren auf den Markt gebracht. Diese wurden "sukzessiv über mehrere Monate vorgestellt und nicht – wie in den letzten Jahren – alle zusammen während einer Messe oder größeren Events", heißt es. Die Uhren über Social Media-Kanäle lanciert. Zu den Neuheiten gehört das Modell PanoMaticLunar in Tannengrün. 

Der Uhrenhersteller Glashütte Original hat in diesem Jahr unter anderem das Modell PanoMaticLunar in Tannengrün vorgestellt. Aktuell kostet es 9.160 Euro.
Der Uhrenhersteller Glashütte Original hat in diesem Jahr unter anderem das Modell PanoMaticLunar in Tannengrün vorgestellt. Aktuell kostet es 9.160 Euro. © Glashütte Original

Grossmann: Wachsende Nachfrage in Japan

Trotz der Corona-Krise gibt es ein Interesse an Luxusuhren, sagt Sandra Behrens, Sprecherin von Moritz Grossmann. Die Branche stehe vor der Herausforderung, die Kunden zielgerichtet am richtigen Ort und zur richtigen Zeit anzusprechen. Grossmann setzt neben dem klassischen Einzelhandel vermehrt auf Online- und Social-Media-Marketing. "Wir konnten hier bereits positive Entwicklungen verzeichnen. Als junge, unabhängige Uhrenmarke in der letzten Phase Start-up sind wir dabei, unser Vertriebsnetz stetig weiter auszubauen." Der asiatische Markt entwickelt sich aufgrund der aktuellen Situation in Hongkong zurückhaltend. Eine wachsende Nachfrage nach Luxusuhren gebe es aber in Japan und im Mittleren Osten, so Behrens. In Europa und in Nordamerika gebe es weniger Nachfrage, in Europa insbesondere durch die Schutzmaßnahmen rund um Covid-19. Grossmann hat bisher keine neuen Uhren vorgestellt. "Wir planen dies für die zweite Jahreshälfte." Wenn es die aktuelle Situation erlaubt, werden diese vor Ort präsentiert - wenn nicht, geschieht das online. 

Weiterführende Artikel

"In China zieht die Nachfrage an"

"In China zieht die Nachfrage an"

Wilhelm Schmid, Geschäftsführer der Lange Uhren GmbH, über Corona, Homeoffice und die neue Art, Uhren zu präsentieren.

Fazit: Trotz der Krise bringen die Hersteller neue Uhren auf den Markt und gehen bei der Vermarktung teils neue, digitale Wege. Eine Hoffnung liegt auf der steigenden Nachfrage insbesondere in Asien.

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde und Glashütte lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde