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Dippoldiswalde

Schwere Zeiten für die Uhrenfirmen

Gleich mehrere Glashütter Firmen müssen wegen des Coronavirus umstellen. Zwei beliebte und gut besuchte Produktmessen in der Schweiz wurden abgesagt.

Die Baselworld gilt weltweit als die größte Uhrenmesse.
Die Baselworld gilt weltweit als die größte Uhrenmesse. © Archivfoto: PR

Die Genfer Uhrenmesse ist für die Glashütter Luxusuhrenmanufaktur Lange seit Jahren das Schaufenster und Stimmungsbarometer für die folgenden Monate. Die Mitarbeiter von Lange stellen dort nicht nur neue Uhren vor, sondern treffen auch Uhrenliebhaber, Sammler und Experten. Konstrukteure und Marketingexperten bekommen ein Gefühl, wie gut die Neuheiten ankommen. Deshalb wird der Messeauftritt penibel geplant. 

So war es auch in diesem Jahr. Die Vorbereitungen für die Messe "Watches & Wonders", die bisher unter den Namen Genfer Uhrensalon stattfand, liefen bis vor wenigen Tagen auf Hochtouren. Nun kam das Aus. Der Veranstalter der Messe, die Fondation de la Haute Horlogerie, entschied, die Messe wegen der Verbreitung des Corona-Virus abzusagen. Man wolle die Gäste nicht den „potenziellen Risiken“, die es angesichts solcher internationalen Zusammenkünfte gibt, aussetzen. Denn die Gesundheit der Besucher wäre gefährdet. Bei Lange war man überrascht. Nun werden alternative Konzepte entwickelt, um die neu entwickelten Modelle auch ohne einen zentralen Messeauftritt der Öffentlichkeit vorzustellen, erklärt Unternehmssprecher Arnd Einhorn.

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Nicht die erste Absage

Auch die andere große Messe, die Baselworld, die unmittelbar nach der Uhrenschau in Genf geplant war, und auf der eine Reihe  von anderen Glashütter Uhrenhersteller ihre Neuheiten vorstellen wollten, wurde „aus Gründen der Gesundheitssicherheit“ vom Veranstalter abgesagt. Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, aber man habe keine andere Wahl gehabt, hieß es. Der Veranstalter fügte sich den Verboten von Großveranstaltungen, die die zuständigen Bundes- und Kantonsbehörden in der Schweiz erlassen haben. Nun müssen die Firmen wie die Tutima Uhrenfabrik und Nomos Glashütte umplanen. Beide hatten gegenüber der SZ angekündigt, nach Basel fahren zu wollen. Für Nomos sollte das eine "wichtige Gelegenheit" sein, dem Fachhandel und den Journalisten Neuheiten zu präsentieren. "Letztes Jahr haben wir so über 600 Gespräche geführt", sagt Unternehmenssprecher Florian M. Langenbucher. Aber auch unabhängig davon sei man laufend im Gespräch mit Händlern und Journalisten. "Das werden wir dieses Jahr sicherlich noch intensiver betreiben. Größere Veranstaltungen liegen erst einmal auf Eis, man wird sehen müssen, wie sich die Epidemie entwickelt", so Langenbucher. Alexander Philipp, bei Tutima für den Vertrieb verantwortlich, wirkt angesichts der Ausbreitung des Virus erleichtert und ratlos. "Es ist vielleicht besser so, dass die Messe verschoben wurde. Wir müssen nun aber überlegen, was jetzt wie passieren soll." 

Wie geht es den Uhrenfirmen?

Lange Uhren

Wilhelm Schmid, Geschäftsführer: "Wir schauen zuversichtlich auf die kommenden Monate. Wer heute sagt, er hätte eine genaue Vorstellung davon, wie das Ergebnis aussehen wird, den beneide ich – und hoffe, dass er nicht lügt. Ich habe lange in Südafrika gelebt und mir dort angewöhnt, grundsätzlich optimistisch zu sein und gleichzeitig vorsichtig. Weil beides hilft. Und so schaue ich auch auf das aktuelle Geschäftsjahr."

Nomos Glashütte

Florian M. Langenbucher, Unternehmenssprecher: "Auch bei uns ist die Lage gut – Nomos Glashütte verkauft auf stabilem Niveau, wächst aber nicht mehr so stark wie zwischen 2010 und 2017, in denen wir um bis zu 30 Prozent pro Jahr gewachsen sind. Wir konsolidieren und machen uns fit für den nächsten Wachstumsschub."

Mühle Glashütte

Holger Hillenbrand, Unternehmenssprecher:  "Das vergangene Jahr verlief für uns sehr erfolgreich. Als kleineres Familienunternehmen und unabhängige Uhrenmarke haben wir zum einen die Sympathie vieler Kunden auf unserer Seite – zum anderen können wir auf Veränderungen flexibel reagieren. Das Wichtigste ist jedoch eine gelungene Modellpolitik. Wir haben in den letzten Jahren einen sehr guten Weg gefunden und setzen auf qualitativ hochwertige Uhren, die mit interessanter Technologie, ansprechendem Design und einem guten Gegenwert punkten. Das lässt uns zuversichtlich in die Zukunft blicken."  

Tutima Uhrenfarbrik

Alexander Philipp, Leiter des Glashütter Betriebsteils von Tutima: "Der Erfolg übertrifft unsere Erwartungen. Mit unserer spannenden in Glashütte entwickelten Uhrenkollektion finden wir offene Türen weltweit."  

Grossmann-Uhren

Sandra Behrens, Unternehmenssprecherin: "Moritz Grossmann und auch andere vergleichbare Marken stehen vor der Herausforderung, die Kunden zielgerichtet am richtigen Ort und zur richtigen Zeit anzusprechen. Dabei setzen wir bei Moritz Grossmann neben dem klassischen Einzelhandel vermehrt auf Online- und Social-Media-Marketing und konnten hier bereits positive Entwicklungen verzeichnen. Als junge, unabhängige Uhrenmarke in der letzten Phase des Start-ups sind wir dabei, unser Vertriebsnetz stetig weiter auszubauen."

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Doch nicht nur Lange, Nomos, Mühle und Tutima müssen in diesem Jahr neue Wege gehen, um ihre Produkte der Öffentlichkeit vorzustellen. Ähnlich geht es auch dem zur Swatch Group gehörenden Hersteller Glashütte Original. Der Konzern wollte zusammen mit seinen Tochterfirmen Anfang März neue Uhren in Zürich auf der Messe "Time to Move" vorstellen. Anfang Februar wurde diese Schau wegen des Corona-Virus abgesagt.

Lange-Chef ist vorsichtig und optimistisch

Wilhelm Schmid, Geschäftsführer der Lange Uhren GmbH, schaut trotz der schlechten Nachrichten zuversichtlich auf die kommenden Monate. Langfristig bleibe im Spiel, wer Produkte bester Qualität liefert, sein Team gut aufstellt, die Kosten im Griff behält und weiß, was die Kunden erwarten. "Generell gibt es auf der Welt immer mehr Menschen mit Vermögen, die ihre Persönlichkeit ausdrücken wollen, und so lange die ganz besondere Uhr dafür eine beliebte Option ist, hat unsere Branche vernünftige Zukunftschancen." 

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