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Wie lief der Luxusuhren-Diebstahl?

Eineinhalb Jahre nach dem spektakulären Fall im Glashütter Uhrenmuseum steht ein Thüringer vor Gericht. Eigentlich sollte die Verhandlung am Mittwoch stattfinden.

Das Uhrenmuseum Glashütte wurde bestohlen. Wie es dazu kam, wird jetzt vor Gericht verhandelt.
Das Uhrenmuseum Glashütte wurde bestohlen. Wie es dazu kam, wird jetzt vor Gericht verhandelt. © Rene Gaens

Ein spektakulärer Kriminalfall aus der Uhrenbranche sollte in dieser Woche gelöst werden. Am Mittwoch sollte sich vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde ein 46-Jähriger aus Gotha verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am 18. Februar 2019 vier Uhren im Wert von insgesamt 345.200 Euro aus dem Deutschen Uhrenmuseum Glashütte gestohlen zu haben. 

Am Dienstagabend wurde die Verhandlung überraschend abgesagt. "Der Verteidiger hat sich krank gemeldet", informierte Amtsgerichtsdirektor Rainer Aradei-Odenkirchen. Einen neuen Termin gibt es noch nicht.

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Dem Angeklagten aus Thüringen wird vorgeworfen, dass er an jenem Tag, es war ein Montag, zwischen 14.55 und 15.45 Uhr eine Vitrine geöffnet haben soll. Offenbar verwendete er dazu einen nachgemachten Schlüssel. Danach habe er vier Uhren entwendet, sagt Volker Reichel, stellvertretender Direktor am Amtsgericht Dippoldiswalde. Dabei handelte es sich um Uhren der Firma Tutima, unter anderem um die Modelle Tutima Hommage Minutenrepetition, Patria und Saxon One Chronograph. Diese soll der Täter mit nach Hause genommen haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 46-Jährige einen Helfer gehabt haben muss. "Er ist aber nicht bekannt", so Reichel. Das Amtsgericht Dippoldiswalde will nun herausfinden, wie es zu dem Diebstahl gekommen ist. Dazu habe man zehn Zeugen geladen, darunter sind unter anderem der Museumsleiter Reinhard Reichel und der Betriebsleiter der Firma Tutima, Alexander Philipp. Vorsorglich wurde ein zweiter Verhandlungstag anberaumt. 

Mit der Hommage Minutenrepetition stellte Tutima im Mai 2011 seine erste in Glashütte hergestellte Uhr vor. Damals kostete dieser Zeitmesser 168.000 Euro.
Mit der Hommage Minutenrepetition stellte Tutima im Mai 2011 seine erste in Glashütte hergestellte Uhr vor. Damals kostete dieser Zeitmesser 168.000 Euro. ©  PR

Der Diebstahl sorgte seinerzeit für Aufsehen. Auch wenn die Mitteilung der Polizei  kurz war und erst zwei Tage nach dem Vorfall kam. Damals hieß es, dass am 18. Februar 2019  zwischen 12.15 und 17.15 Uhr drei Uhren gestohlen wurden. Die Beamten machten zunächst keine Angaben zum Wert der verschwundenen Zeitmesser und zur Höhe des Sachschadens. Es gab auch keine Beschreibung des Diebesguts. Dadurch sollte die  Fahndung nicht  gefährdet werden, erklärte eine Museumssprecherin. 

Nach der Erstveröffentlichung durch die Polizei gab es keine weiteren Informationen, weder zu den Uhren noch zum möglichen Tathergang. Da das Museum hauptsächlich historische Uhren zeigt, gingen Beobachter davon aus, dass einige dieser Exemplare  gestohlen wurden. Dem ist aber nicht so. Bei den Tutima-Uhren handelt es sich um Zeitmesser, die in den letzten Jahren hergestellt wurden. Diese wurden in einem Raum  gezeigt, in dem alle zurzeit tätigen Uhrenhersteller eine oder mehrere Exemplare zeigen können. Der Raum befindet sich am Ende des Rundganges.

Eine der gestohlen Uhren soll ein Modell Saxon One Chronograph sein. Im Bild ist die Ausführung Royal Blue zu sehen. Diese Uhr wurde 2017 vorgestellt. Sie kostete damals 4.900 Euro.
Eine der gestohlen Uhren soll ein Modell Saxon One Chronograph sein. Im Bild ist die Ausführung Royal Blue zu sehen. Diese Uhr wurde 2017 vorgestellt. Sie kostete damals 4.900 Euro. © PR

Außenstehende waren auch überrascht, dass die Polizei den Tatzeitraum nicht genauer eingrenzen konnte. Für Insider indes war das wenig überraschend: Das Museum ist sehr verwinkelt, besteht aus mehreren kleinen und größeren Räumen. Eine Museumsaufsicht, wie man sie aus anderen großen Museen wie die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden kennt, gibt es im Uhrenmuseum nicht.

Das Museumspersonal gibt hier hin und wieder Führungen. Ständig besetzt ist nur die Kasse am Eingang, wo Tickets und Souvenirs verkauft werden. Die Bilder der Überwachungskameras werden hier nicht auf Monitore eingespielt. Sie laufen in der Meldezentrale der Firma Tyco ein. Das Unternehmen schirmt das Museum nach außen ab und schützt die Objekte in der Ausstellung.

Einzelne Melder sichern Fenster, Türen, Wände, Räume und verschiedene Vitrinen oder Standuhren. Die Sicherheitsfirma ging damals davon aus, dass Uhrendiebe mit diesen Vorkehrungen keine Chance haben. Aber offenbar hatte jener Thüringer ein Hintertürchen gefunden. Welches, das wird möglicherweise in der Verhandlung geklärt. 

Die Stiftung, die das Museum in Glashütte betreibt, hatte nach dem Diebstahl angekündigt, die Sicherheitsmaßnahme zu überprüfen. Eine erneute Prüfung gab es nach dem Diebstahl im Historischen Grünen Gewölbe, der sich Ende 2019 ereignete.

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