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Uhrenstadt hat fehlende Brücken vergessen

Glashütte. Wanderfreunde haben es im Prießnitztal nun besonders schwer. Sie müssen Umwege laufen.

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Von Maik Brückner

Heinz Bernard und Dieter Mende stehen am dicht bewachsenen Ufer der Prießnitz und trauern alten Zeiten nach. Ein Überqueren des Bächleins ist für die beiden nicht so ohne weiteres möglich. Vor drei Jahren war das noch anders. Da gab es hier gleich nach dem Ortseingangsschild aus Richtung Johnsbach eine kleine Brücke. „Im Volksmund hieß sie Rollenbrücke“, erinnert sich Heinz Bernard. Viele Wanderer, die von Kohl‘s Ruhe zum Bretthäusl bei Johnsbach wanderten, überquerten an dieser Stelle die Prießnitz. Seit knapp drei Jahren ist das unmöglich. Denn als das kleine Gebirgsbächlein im August 2002 zu einem reißenden Fluss wurde und mit voller Wucht auf Glashütte zuströmte, zog es auch das kleine Bauwerk weg. Heute erinnern nur noch die befestigten Ufermauern an beiden Seiten an die frühere Brücke. Und das ärgert die beiden Glashütter, die selbst gern auf Schusters Rappen die Gegend rund um Glashütte erkunden. Wollen sie das Bächlein nun trockenen Fußes überqueren, müssen sie einen Umweg in Kauf nehmen, um flussaufwärts über einen Notbehelfssteg die Uferseite zu wechseln. Führt die Prießnitz aber viel Wasser, wird‘s kompliziert.

Diesen Zustand will Dieter Mende, vielen auch als Heimatforscher bekannt, nicht länger hinnehmen: „Es sind noch Flutgelder da. Der Minister hat doch angeordnet, dass damit alle Flutschäden beseitigt werden sollen.“ Das gelte auch für die im August 2002 weggespülte Wanderbrücke über das Obere Hahnbächel, das jetzt nur geübte Wanderer überqueren können. Mende fragt sich, wann die Stadt endlich etwas unternehmen will.

Im Rathaus weiß man zumindestens von der fehlenden Brücke am Ortseingang. „Stadtrat Eckhart Meinhold hat uns bereits im Mai oder Juni 2003 darauf hingewiesen“, erinnert sich Glashüttes Bürgermeister Frank Reichel (CDU). Er muss einräumen, dass die Stadt und wohl auch die Ortschaftsräte bei der Fülle der Flutschäden diese Brücke zunächst übersehen haben. Als der Schaden dann gemeldet wurde, war es zu spät. Als nicht erkennbaren Flutschaden hätte man sie nicht deklarieren können, dazu war ihre Zerstörung beziehungsweise ihr Fehlen doch viel zu offensichtlich, so Reichel.

Der Rathauschef hat inzwischen mit den Mitarbeitern im Bauamt und dem Stadtrat entschieden, wieder eine Brücke über die Prießnitz zu legen. „Es wird eine einfache sein, auf der nur Fußgänger aber keine Autos mehr rüberkommen.“ Gebaut wird allerdings nicht mehr in diesem Jahr, so Reichel. Zu der anderen fehlenden Brücke über das Obere Hahnebächel konnte der Rathauschef noch nichts sagen. „Wir wollen das erst einmal mit Herrn Mende prüfen.“