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Ultrahocherhitzte Emotionen in Ullersdorf

In der Debatte um eine engere Verzahnung mit Dresden flogen die verbalen Fetzen. Nicht immer zielgenau.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Es sollte ums Brückenbauen gehen. Das zumindest hatten die Organisatoren der Debatte um ein engeres Zusammengehen zwischen Dresden und seinem Umland Mittwochabend in der Ullersdorfer Schmiedeschänke verkündet. Dass sie aber in ihren Einladungen gleich eine Ortseingangsschild-Montage von Ullersdorf präsentiert hatten, die den Radeberger Ortsteil zum Stadtteil von Dresden machte, hatte im Vorfeld für reichlich Aufregung gesorgt.

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„Aber es gibt nicht nur die Option Eingemeindung, sondern auch eine engere Kooperation“, machte Joachim Brockpähler deutlich, der gemeinsam mit dem Dresdner Stadtrat Jan Kaboth den Abend organisiert hatte. Er wohnt im benachbarten Schönfeld-Weißig, ist dort Ortschaftsrat und kandidiert jetzt auf der Liste „Bündnis Freie Bürger“ für Dresdens Stadtrat. Dieses Bündnis tourt derzeit mit Diskussionsabenden wahlkämpfend durch Dresdens Osten – und war nun auch in Ullersdorf. „Wir sind jedenfalls nicht gekommen, um die Ullersdorfer aufzufordern, für die Eingemeindung nach Dresden zu kämpfen“, schob er hinterher. Und doch schwebte das Thema natürlich im Raum.

Es gebe jedenfalls jede Menge Schnittpunkte und gemeinsame Ärgernisse, „wie das Verkehrschaos am Ullersdorfer Platz“, machte dann Jan Kaboth klar. Um gleich mal dem nicht anwesenden Radeberger OB Gerhard Lemm (SPD) kräftig die Leviten zu lesen. Lemm sitze zwar in Gremien, die eine Zusammenarbeit zwischen Dresden und dem Umland voranbringen sollen, aber wirklich viel passiere da nicht – zumindest nicht in Sachen öffentlicher Kommunikation. Und dass Lemm nun auch noch im Vorfeld der Mittwoch-Debatte gegenüber der SZ erklärt hatte, bei einer Eingemeindung Ullersdorfs nach Dresden sei wohl mit Sicherheit die Grundschule im Ort endgültig futsch, empfand Jan Kaboth „als unglaubliche Frechheit, denn immerhin wollte Herr Lemm ja bis vor Kurzem noch die Ullersdorfer Grundschule schließen und nach Großerkmannsdorf umziehen lassen“. Das stieß bei den gut 20 Zuhörern durchaus auf offene Ohren – das Verhältnis zum OB ist bekanntermaßen seit der Schuldiskussion samt erfolgreicher Klage Ullersdorfs gegen Radeberg angespannt. Und dennoch war es ausgerechnet Ullersdorfs Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth (CDU), der nicht wirklich als bester Freund Lemms bekannt ist, der den OB gegen zahlreiche Angriffe verteidigte. „Sie haben hier eine Menge erzählt, was einfach nicht stimmt“, machte Wieth zum Beispiel seinem Ärger Luft, dass Jan Kaboth erklärte, weder Wieth noch Lemm hätten sich in letzter Zeit ernsthaft über eine bessere Verkehrsanbindung Ullersdorfs an Dresden bemüht. Erst recht nicht für eine aus Sicht von Brockpähler und Kaboth durchaus machbare Straßenbahnanbindung. „Wir haben immer wieder mit den Verkehrsbetrieben verhandelt, auch über die Straßenbahn – aber es ist einfach kein Geld für solche Projekte da“, unterstrich Wieth. Und war sauer über den Vorwurf, Ullersdorf würde sich schließlich auch nicht an der Finanzierung des Projekts beteiligen wollen. „Über Mittel müssten wir doch erst reden, wenn überhaupt der Wille aus Dresden für eine solche Strecke da wäre – aber Sie setzen sich hierher, wecken Erwartungen und haben überhaupt keine politische Macht, solche Dinge überhaupt umzusetzen!“

So richtig klappte das mit dem Brückenbauen also nicht. Vor allem, weil an vielen Stellen deutlich wurde, dass den beiden Dresdnern hier und da die notwendigen Kenntnisse über Zusammenhänge im Raum Radeberg fehlten. So schlug Jan Kaboth einem Ullersdorfer beispielsweise vor, er möge sich mit seiner dringenden Bitte um die noch fehlende Radwegbrücke an der Ullersdorfer Mühle an den Petitionsausschuss des Radeberger Stadtrats wenden. Zum einen gibt es diesen Ausschuss gar nicht, zum anderen liegt die Brückenfläche auf Dresdner Gebiet. Radeberg ist also der falsche Adressat. Und auch mit Vorwürfen, die Ullersdorfer wollen zwar eine bessere Verkehrsanbindung, aber würden auf der anderen Seite höhere Gebühren nach einer Eingemeindung nach Dresden scheuen, sorgen nicht für wirklichen Brückenbau.

Dennoch zeigte sich Joachim Brockpähler letztlich zufrieden: „Wir haben eine Diskussion begonnen – das ist doch schon mal ein erster, wichtiger Schritt.“ Und auch Wieth sagte zu, den Abend in der nächsten Ortschaftsratssitzung auszuwerten. Ob diese Auswertung auch so euphorisch ausfallen wird, muss sich dann zeigen …