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"Um Sorgen der kleinen Leute kümmern"

Nachdem zuletzt zwei Männer in Stauchitz das Bürgermeisteramt ausübten, bewerben sich dieses Mal auch drei Frauen dafür. Eine davon ist Britt Kniesel.

Britt Kniesel ist eine von drei Frauen, die Bürgermeisterin von Stauchitz werden wollen. Die promovierte Forstwirtin wohnt in Plotitz, lebt seit 25 Jahren in Sachsen.
Britt Kniesel ist eine von drei Frauen, die Bürgermeisterin von Stauchitz werden wollen. Die promovierte Forstwirtin wohnt in Plotitz, lebt seit 25 Jahren in Sachsen. © Sebastian Schultz

Stauchitz. Am 20. September wird in Stauchitz ein neuer Bürgermeister gewählt. Die SZ stellt die sieben Kandidaten vor, die sich um die Nachfolge von Amtsinhaber Frank Seifert (parteilos) bewerben. Eine davon ist die 39-jährige promovierte Diplom-Forstwirtin Britt Kniesel. Sie wurde in Göttingen geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 25 Jahren wohnt sie in Sachsen, hat in Dresden ihr Abitur gemacht und an der Technischen Universität studiert, wo sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist. Sie wohnt mit ihrer Familie in Plotitz.

Frau Dr. Kniesel, welches sind Ihre Beweggründe, für das Bürgermeisteramt in Stauchitz zu kandidieren?

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Zwei Patienten, ein Beatmungsgerät
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Und nun? Mit Covid-19 kam die Thematik der Triage, dem Sichten und Klassifizieren von Patienten, erneut auf. Ein Interview mit Medizinrechtsexperte Prof. Dr. Erik Hahn.

Ich habe in der Gemeinde seit langem eine neue Heimat gefunden, habe die Menschen hier schätzen gelernt. Es herrscht viel Leben in Stauchitz, die Leute sind sehr offen, es gibt zahlreiche Vereine. Ich möchte dazu beitragen, dies zu erhalten und weiterzuentwickeln, ein offenes Ohr für die Probleme der Bürger haben und versuchen, diese zu lösen.

Welche kommunalpolitischen Erfahrungen können Sie einbringen?

In der TU Dresden bin ich Mitglied im Fachausschuss. Ich bin es gewöhnt, mich schnell einzuarbeiten und Probleme zu lösen. Der Job als Bürgermeisterin ist sehr vielfältig, das reizt mich daran.

Was gab den Ausschlag, als Bürgermeisterin zu kandidieren?

Den Anstoß gab mir mein Schwiegervater, der ja viele Jahre Gemeinderat war.

Welche vordringlichen Aufgaben müssen Ihrer Meinung nach in der Gemeinde gelöst werden?

Zunächst ist es ganz wichtig, den Alltag unter den Coronabedingungen zu meistern und zu gestalten, nicht nachlässig zu werden. Wir müssen den seit Beginn des neuen Schuljahres regulären Betrieb in den Schulen beibehalten.

Welche Ziele würden sie als Erstes verwirklichen wollen, wenn Sie gewählt würden?

Zunächst möchte ich nichts Neues anfangen, sondern erst einmal begonnene Projekte beenden, mich vor allem um die kleinen Sorgen der Leute kümmern. Durch meine wissenschaftliche Tätigkeit bin ich es auch gewöhnt, Fördergelder zu beantragen. Diese Erfahrungen möchte ich im Sinne der Gemeinde nutzen.

Was halten Sie davon, in Stauchitz eine neue Kindereinrichtung zu bauen und im Gegenzug die beiden jetzigen in Staucha und Stauchitz zu schließen?

Ein Neubau ist aus meiner Sicht weder sinnvoll noch nötig. Eine zentrale Kindertagesstätte würde für viele die Anfahrtswege verlängern. Corona hat doch gezeigt, dass eine Zentralisierung nicht sinnvoll ist. Käme es in einer Einrichtung zu einem Ausbruch der Krankheit, könnte immer noch die andere geöffnet bleiben. Die jetzt vorhandenen Gebäude samt der zugehörigen Gärten sind wunderbar. Die Stauchaer Einrichtung sollte mit Fördermitteln weiter saniert werden. Ich bezweifle, dass wir für einen Neubau Fördergelder bekommen würden.

Hat die kleine Gemeinde Stauchitz langfristig eine Überlebenschance oder streben Sie eine Fusion an? Wenn ja, mit wem?

Die Gemeinde kann selbstständig bleiben. Es läuft doch sehr gut, Stauchitz gedeiht weiter, junge Leute ziehen her. Die wollen kurze Wege haben, auch in die Verwaltung. In einer kleinen Verwaltung kann man interne Probleme auch besser lösen. Für eine Fusion mit einer anderen Gemeinde oder mit einer Stadt sehe ich überhaupt keinen Bedarf.

Aber eine Zusammenarbeit wie mit Hirschstein beim Bau eines gemeinsamen Feuerwehrhauses können Sie sich vorstellen?

Der Bau des gemeinsamen Feuerwehrhauses ist eine tolle Sache. Ich finde es prima, dass man über den eigenen Tellerrand hinausschaut. Das sollten wir mit anderen Projekten fortführen.

Wie wollen Sie die zwei Lager in der Gemeindeverwaltung einen?

Mein Vorteil ist, dass ich neutral bin, auf keiner Seite stehe. Ich denke, dadurch kann ein Neustart gelingen. Ich möchte alle Mitarbeiter persönlich kennenlernen, mit ihnen Gespräche führen. Um die vorhandenen Probleme zu lösen, setze ich auf strukturierte Mediation.

Glauben Sie, dass in absehbarer Zeit die B 169 weitergebaut wird und damit die Orte entlastet werden?

Das sollten wir realistisch sehen, wir haben da als Gemeinde nicht viele Möglichkeiten. Was wir machen können, ist die Zusammenarbeit mit dem Vereinigten Wirtschaftsforum anzustreben und die Bürgerinitiative für den Bau der Straße wieder zu beleben. Ich wohne direkt an der B 169 in Plotitz, wünsche mir den Weiterbau.

Wie kann es gelingen, junge Leute in die Gemeinde zu bringen?

Da müssen wir gar nicht so viel tun, sondern vor allem das Bestehende erhalten. Mit zwei Kindereinrichtungen mit Integrationsstatus, einer Grundschule, einer Oberschule, mehreren Ärzten, guter Verkehrsanbindung, vieler Radwege, zahlreiche Vereine und auch Einkaufsmöglichkeiten bieten wir vieles, was sich junge Familien wünschen. Dazu kommt die günstige Lage im Dreieck zwischen Dresden, Leipzig und Chemnitz und kurze Wege in Kleinstädte wie Riesa, Oschatz, Lommatzsch oder auch Meißen.

Bürgermeisterinnen gibt es nur wenige Im Landkreis. Haben es Frauen in diesem Amt schwerer als Männer?

Schwer zu sagen. Vielleicht kann eine Frau auch Ruhe in die Verwaltung bringen. Sicher, Respekt muss man sich erarbeiten, vor allem, wenn man wie ich noch relativ jung ist. Doch wenn man ein gewisses Auftreten hat, hören einem die Leute auch zu.

Welche Chancen rechnen sie sich bei der Bürgermeisterwahl aus?

Da bin ich realistisch. Bei sieben Kandidaten wird es mit Sicherheit einen zweiten Wahlgang geben. Dort rechne ich mir durchaus gute Chancen aus.

Das Gespräch führte Jürgen Müller

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