merken
PLUS

Umbau mit Umwegen

Wer aus Richtung Norden in Weißenberg auf die Autobahn will, fährt künftig weiter. Andere profitieren davon.

Von Alexander Kempf

Hohendubraus Bürgermeister Hans Hermann Zschieschank schätzt, dass täglich bis zu 40 Autos von Hohendubrau in Richtung Bautzen pendeln. Dank der Autobahnanschlussstelle Weißenberg sind sie schnell am Ziel. Noch. Denn in den nächsten Jahren könnte sich ihr Weg zur Arbeit verlängern. „Die Abfahrt nach Bautzen wird nicht so wie jetzt erhalten bleiben“, sagt der Bürgermeister. Denn im Zuge des Neubaus der Bundesstraße 178 soll auch die Autobahnanschlussstelle verändert werden. Die Planungen sehen derzeit eine sogenannte „Trompete“ vor. Vergleichbar mit der Autobahnanschlussstelle Görlitz laufen dann alle Spuren südlich der Autobahn zusammen.

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Für Pendler aus Gebelzig, Weigersdorf oder Mücka ist das keine gute Nachricht. Denn ihnen entstehen durch den Umbau unangenehme Umwege. „Für uns ist das ein Problem“, räumt Hohendubraus Bürgermeister Hans Hermann Zschieschank ein. Er schätzt, dass die Pendler durch die Trompete pro Fahrt etwa zweieinhalb Kilometer mehr fahren müssen. Das sind fünf Kilometer am Tag, 25 in der Woche und über 1000 im Jahr. Privatfahrten sind bei der Rechnung noch gar nicht berücksichtigt. Hohendubraus Bürgermeister kann nachvollziehen, dass sich Pendler über die Pläne ärgern. „Was kriegen sie denn zurück? Gar nichts“, sagt er. Außerdem koste der unfreiwillige Umweg nicht nur Geld, sondern auch Zeit.

Am 23. Juni gibt es zu dem geplanten Umbau einen Erörterungstermin in Löbau. Zu dem sind laut Hans Hermann Zschieschank aber nur geladene Gäste zugelassen. Tatsächlich hat die Gemeinde Hohendubrau selbst nur über Umwege von dem Vorhaben erfahren, räumt der Bürgermeister ein. Der Hinweis, dass das Vorhaben auch Hohendubrau betrifft, sei nicht aus dem eigenen Bauamt, sondern der Nachbargemeinde gekommen. In Weißenberg haben die Pläne bereits ausgelegen. Hohendubrau aber stört sich daran zunächst nicht. „Wir haben uns das nicht so genau angeguckt und erst später begriffen, was das eigentlich für uns bedeutet“, sagt Hans Hermann Zschieschank.

Aber auch außerhalb von Hohendubrau gibt es laut Verkehrsministerium „zahlreiche Einwände“ gegen das Vorhaben. Daher seien Planänderungen erforderlich geworden. Konkreter wird das Ministerium nicht. Laut Planungen aus dem Jahr 2012 rechnet es mit Gesamtkosten von 41,4 Millionen Euro für die rund 5,9 Kilometer Strecke von der A4 bis zur Staatsstraße 112 in Nostitz.

Mit dem Neubau der Bundesstraße sollen Zittau und das Dreiländereck besser an den Fernverkehr angebunden und die Ortsdurchfahrten entlang der Trasse entlastet werden. Im Mai vergangenen Jahres bezeichnet Staatssekretär Roland Werner (FDP) vom Wirtschaftsministerium die B 178 nach der Autobahn 72 zwischen Chemnitz und Leipzig als das wichtigste Straßenbauprojekt in Sachsen. Tatsächlich erstreckt sich der Ausbau aber schon über Jahre. Der Abschnitt zwischen der A4 und Nostitz ist erst die vorletzte Etappe.

Ob und wie die Anschlussstelle Weißenberg umgebaut wird, steht bis zum Sommer also noch in den Sternen. Hohendubraus Bürgermeister Hans Hermann Zschieschank hat schon von Bürgern gehört, die gegen das Vorhaben klagen wollen. Notfalls sogar bis vor das Bundesverwaltungsgericht.