SZ +
Merken

Umbau zu Asylheim

Die Behörde Remonteplatz 10 wird bis Dezember für knapp 100 Flüchtlinge ausgebaut.

Teilen
Folgen
© Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Wenn mehr Männer im neuen Großenhainer Asylheim ankommen als geschätzt, hat Frank Däweritz damit kein Problem. Der Amtsleiter für Hochbau und Liegenschaften beim Landkreis Meißen ist dafür zuständig, dass der Remonteplatz 10 zur neuen Gemeinschaftsunterkunft umgebaut wird. Und mehr Männer als Frauen bedeutet baulich schlimmstenfalls zu wenige Urinale und dafür mehr Toiletten – umgedreht wäre das schon schwieriger.

So banal kann Flüchtlingspolitik auch sein, zumindest dann, wenn man ein Haus für 98 Personen umbauen soll, ohne zu wissen, ob Männer, Frauen, Familien oder Alleinstehende ankommen werden. Doch genau das ist der Job von Frank Däweritz. Das Geld dafür bekommt er letztlich vom Freistaat, denn der hat den Landkreisen Investitionspauschalen zugeteilt. 650 000 Euro soll der Ausbau des Objektes Remonteplatz 10 kosten und ist damit der derzeit teuerste Bau des Kreises zur Unterbringung von Asylsuchenden. Obwohl, auch das betont der Bauleiter ausdrücklich, vieles, z. B. die neue Brandmeldeanlage oder der zweite Fluchweg hätten ohnehin kommen müssen, auch für ein Behördengebäude. Die gesetzlichen Bestimmungen sind so.

Zuletzt saß das Umweltamt hier

Die Haustechnik ist von 1996, da gibt es längst neue Gesetze. Aber, ein Asylheim zählt natürlich in Sachen Sicherheit unter die Kategorie Sonderbauten wie Schulen, Altenheime oder Kindergärten. Zuletzt saßen in dem schönen klassischen Bau die obersten Förster des Landkreises, und zwar als Teil des Kreisumweltamtes. Auch das Jugendamt hatte hier seine Büroräume und zuvor – daran werden sich wohl viele Großenhainer erinnern – die Kfz-Zulassungsstelle von Großenhain um deren Erhalt es viel Proteste gegeben hatte. Im März 2004 demonstrierten hier 20 Autohäuser gegen die Schließung der Kfz-Stelle. Dass der Kreis überhaupt auf den Dreh gekommen ist, seine eigene Immobilie herzugeben, hat zwei Gründe: Einmal hatte die Stadt im Hintergrund Druck gemacht, dass der Standort Kupferberg ausläuft und Zabeltitz erst gar keiner wird. Zum anderen wollte der Landkreis nicht neben den Umbaukosten von 650 000 Euro auch noch jährlich Miete von 150 000 Euro zahlen – und diese Summe wäre bei einem Umbau des früheren Arbeitsamtes am Alberttreff fällig geworden. Nun entstehen also im ersten Behördengebäude von der Albertstraße aus gesehen, Ein- bis Fünf-Raum-Wohnungen. Da halten sich die Baufirmen an die vorgegebenen Grundrisse. Auch die größte Neuinvestition – der Einbau von Gemeinschaftsküchen und Sanitäranlagen – orientiert sich an den Möglichkeiten des Gebäudes. Die Nasszellen befinden sich über alle Etagen hinweg ausschließlich im Mittelteil des Gebäudes. Außerdem gibt es einen Wäsche- und Bügelraum, einen Arzt- und Krankenraum, einen Gemeinschaftsraum sowie einen Schulungsraum für offizielle Veranstaltungen. Die soziale Betreuung übernimmt die Diakonie. Ob das gleichzeitig mit dem Status „Betreiber“ zusammenfällt, ist noch nicht einmal geklärt, so Landkreissprecherin Kerstin Thöns. Nur der Übergabetermin steht: der 2. Dezember.

Doch auch dann wird nicht umgehend eingezogen, sondern erst einmal eingerichtet. Bett, Tisch, Stuhl, Schrank usw. – das übliche Programm. Demnächst werden dafür Ausschreibungsunterlagen erstellt. Die Ankömmlinge bekommen im Übrigen als Einzelpersonen im Monat 140 Euro Taschengeld und 212 Euro Grundbetrag. Zwei Erwachsene, die zusammenleben, erhalten laut Pressesprecherin Kerstin Thöns 252  Euro Taschengeld und 424  Euro für Lebenshaltungskosten. Sie müssen allerdings nicht für Krankenkasse, Rentenkasse oder Ähnliches aufkommen.