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Pirna

Umfrage soll Streit um Saunapark klären

In Weißig bei Struppen wollen Investoren ein Spa eröffnen. Anwohner sind skeptisch. Sie sollen gehört werden - vor einer wichtigen Entscheidung.

Nur 120 Einwohner groß: Weißig bei Struppen.
Nur 120 Einwohner groß: Weißig bei Struppen. © Archiv Marko Förster

In Weißig bei Struppen gibt es derzeit nur ein Thema. Nein, nicht den Coronavirus. Die Anwohner beschäftigt ein ganz anderes Reizwort. Es geht um einen Saunapark mit Hotel, den zwei Investoren am Ortseingang planen. Auf einem Grundstück, auf dem sich unter anderem ein ehemaliger Kuhstall befindet, soll das Spa mit elf Innen- und Außensaunen gebaut werden.

Dagegen hat sich Widerstand gebildet. Nicht gegen das Saunadorf an sich. Anwohner befürchten, dass durch das Großprojekt wertvoller Wohnraum verloren geht. Sie wollen die Fläche lieber als Wohnbaustandort entwickeln, um junge Familien anzulocken.

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Wohnen oder Saunieren? Vor diese Frage steht nun der Gemeinderat in Struppen. Denn dieser arbeitet an einem neuen Bebauungsplan für den Ortsteil Weißig. Seit zehn Jahren gibt es regelmäßig neue Entwürfe. Bis zu einem gültigen B-Plan hat es die Kommune jedoch nie geschafft. Das soll sich jetzt ändern. In Entwurf Nummer zehn sollte die Fläche, auf der der Saunapark entstehen soll, nicht mehr als allgemeines Wohngebiet gelten, sondern zu einem Sondergebiet Tourismus umgewidmet werden. Nach zwei Einwohnerversammlungen in Weißig, in denen hitzig diskutiert wurde, steht das nun in Frage.

Bürgermeister Rainer Schuhmann (CDU) hatte bei der letzten Versammlung in Weißig angekündigt, eine Bürgerumfrage starten zu wollen. Sein Vorschlag: Jeder Wahlberechtigte sollte per Kreuz für oder gegen den Saunapark abstimmen, wurde jedoch abgewählt. Die Fragestellung sei falsch, argumentierten die Weißiger. Bei der Befragung soll es dennoch bleiben, um sich ein genaues Stimmungsbild machen zu können. Das kündigte Schuhmann in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend an. Mit welchen konkreten Fragen, das wollen die Gemeinderäte festlegen. "Für die genaue Formulierung könnten wir Befürworter und Kritiker mit ranholen", sagte Schuhmann. 

Ihm sei es wichtig, dass das Dorf nicht gespalten wird. "Das hat niemand vor", äußerte er. Der Gemeinderat werde immer zum Wohle der Einwohner entscheiden. Das sei seine Aufgabe. Einige Weißiger, die am Dienstag zur Sitzung nach Struppen gekommen waren, befürchten, dass die Kommune aufseiten des Investors ist. Auch, weil kein Weißiger im Rat vertreten ist. Schuhmann versuchte diese Sorgen zu zerstreuen.

Rückendeckung bekam er dabei vom Gemeinderat Volker Schwarz (CDU). "Niemand von uns wird diesbezüglich unter Druck gesetzt", sagte er. Obwohl er bei den zwei Versammlungen zum Saunapark nicht dabei war, wisse er, welche Tragweite das Projekt angenommen hat. "Weißiger haben uns ihre Sorgen mitgeteilt. Diese kann man nicht übergehen, sondern muss sie ernst nehmen", meine Schwarz. Bevor die Gemeinderäte entscheiden, wie es mit dem B-Plan konkret weiter geht, müsse man sich mit Experten an einen Tisch setzen. 

Das Beste für Weißig suchen

Das hat auch Ratschef Schuhmann vor. Denn geklärt werden muss die Frage, welche Baugebietstypen für Weißig das Beste wären. Im Flächennutzungsplan ist der Ortsteil als Dorfgebiet ausgewiesen. In den letzten Entwürfen des B-Plans sollte ein Großteil des Gebietes jedoch als allgemeines Wohngebiet eingestuft werden. Ein großer Unterschied. Den sprach Ivo Teichmann, AfD-Landtagsabgeordneter, bereits bei der letzten Einwohnerversammlung an. Er selbst hat zwar kein Grundstück in Weißig, wollte aber als "Verwaltungsprofi", wie sich Teichmann beschrieb, Schützenhilfe bieten. Damit trat er eine neue Diskussion los. 

Denn vielen Weißigern war bis dahin nicht bewusst, wie sich die einzelnen Baugebietstypen unterschieden. In einem allgemeinen Wohngebiet ist beispielsweise kein landwirtschaftlicher Betrieb zulässig. Pferde zu halten, sei da nicht möglich. Teichmann zeigte auf, dass ein Dorfgebiet den Einwohnern einen größeren Rahmen an Möglichkeiten biete. 

Bauland für Familien oder ein Saunapark? Weißig ist gespalten.
Bauland für Familien oder ein Saunapark? Weißig ist gespalten. © Daniel Förster

Bürgermeister Schuhmann versprach, dieses Thema noch einmal mit der zuständigen Bauplanerin zu besprechen. Man müsse das Für und Wider eines Dorfgebietes und eines allgemeinen Wohngebietes herausarbeiten. Das soll die Grundlage für die weiteren Entscheidungen sein. Ob Wohngebiet, Dorfgebiet oder etwas ganz anderes, dabei sollen auch die Weißiger mitreden können - mithilfe der Bürgerbefragung.

Bis die Umfrage steht und ausgewertet ist, das wird wohl mehrere Wochen dauern. Angesichts der zehn Jahre, die bereits an dem B-Plan geschraubt wird, sei das verschmerzbar. Vom letzten Entwurf bis heute sind allein vier Jahre vergangen. Dieser wurde 2015 beschlossen, vom Landratsamt aber nicht genehmigt - wegen Formfehler. "Dass danach nichts mehr passiert ist, das ist unser Fehler", sagte Gemeinderat Michael Walther (Linke). Aber auch die Weißiger hätten keinen Druck bei der Gemeinde gemacht. Diesen Vorwurf müssten sie sich gefallen lassen. Deshalb die lange Pause. 

Eine Zwangspause müssen auch die Investoren des Saunadorfes, Natascha Klimek und ihr Mann Dirk Huxol, einlegen. Denn solange kein B-Plan beschlossen und genehmigt ist, liegt ihr Projekt auf Eis.

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