SZ +
Merken

Umgebinde zum Selbermachen

Feinster Karton und Leim sind die Baustoffe, aus denen Bernd Ritter aus Bischofswerda einzigartige Umgebindehäuser empor wachsen lässt. Seine Idee findet vor allem bei Modellbahnliebhabern großen Anklang.

Teilen
Folgen

Von Helga Koch

Feinster Karton und Leim sind die Baustoffe, aus denen Bernd Ritter aus Bischofswerda einzigartige Umgebindehäuser empor wachsen lässt. Seine Idee findet vor allem bei Modellbahnliebhabern großen Anklang. Die Umgebindehäuser im Maßstab 1 : 100 passen sowohl für Anlagen mit der Spurweite HO als auch für TT. Die Bastelsätze für die beiden verschieden großen Häuschen hat der 61-Jährige selbst entwickelt.

„Ich habe mich schon immer für Umgebindehäuser interessiert. Früher schon bin ich viel in der Lausitz gewesen, weil meine Eltern von hier stammten.“ Dem Modellbau hatte sich der gebürtige Dresdner schon in jungen Jahren, noch vor seinem Gießereitechnik-Studium, verschrieben.

Um die Bastelsätze zu entwickeln, hat Bernd Ritter viel Zeit investiert. „Ich habe schon viele Umgebindehäuser in der Lausitz vermessen und abgezeichnet. Ich zeichne auch heute noch alles mit der Hand.“ Während seiner Tätigkeit in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hat der Bischofswerdaer ein vier Quadratmeter großes Modell der Dippoldiswalder Gerberei aus der Zeit um 1900 gebaut. Später hat er das Sanierungsgebiet von Bischofswerda nachzubauen begonnen, ohne allerdings das aufwendige Projekt in zwei Jahren ABM-Zeit schaffen zu können. In seinem Arbeitszimmer steht außerdem ein Modell, das einen Gebäudekomplex des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dresdner Neumarkts zeigt. Rund 700 Arbeitsstunden hat Bernd Ritter allein dafür investiert. Auch für die „Lehmbude“ in Weifa hat er ein Umgebindehaus-Modell gebaut.

Zu seinen Bastelbögen liefert der Bischofswerdaer eine umfangreiche Anleitung mit, die kleine und große Bastler zum Ziel kommen lässt. „Man braucht eine gute Schere oder ein Skalpell, ein gescheites Plastelineal, ein Holzbrett oder eine spezielle Schneidunterlage. So was gibt‘s komplett im Baumarkt oder in Geschäften für Künstlerbedarf zu kaufen. Cutter-Messer eignen sich nicht, weil die Klingen zu leicht wegbrechen.

Zum Falzen benutze ich eine stumpfe Nähnadel“, erklärt Bernd Ritter. Ein bisschen Erfahrung beim Basteln sollten Kinder allerdings mitbringen, bevor sie sich an ein solches Umgebindehaus wagen. Wer will, kann sogar die 313 Fensterscheiben ausschneiden und mit Transparentpapier hinterkleben, um dann das Innere zu beleuchten. „Wer fleißig und ein geübter Bastler ist, schafft so ein Haus vielleicht in zwei, drei Tagen – man arbeitet ja nicht hintereinander weg. Kinder brauchen sicher 15, 20 Stunden“, schätzt der Experte. Seine Bastelvorlagen sind in mehreren Modellbahngeschäften in Dresden und Radebeul und bei ihm zu Hause in der Schmiedegasse 1 in Bischofswerda erhältlich. Das kleinere Haus ist im Bahnhof Dresden-Neustadt bei der Firma Schubert ausgestellt, das größere in der Autoausstellung in der ersten Etage der Dresdner Markthalle zu sehen.