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Umgebindehaus-Besitzer öffnen am 31. Mai ihre Türen

Historie

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Viele Jahrhunderte hindurch prägte der bäuerliche Häuserbau den Anblick der Landschaft, wobei die lokal vorhandenen Baustoffe Holz, Lehm und Stein Verwendung fanden und die Gestaltung der Gebäude durch ihren Verwendungszweck bestimmt wurde.

Eine Besonderheit der hiesigen Gegend wie auch der Oberlausitz ist das sogenannte Umgebinde, das hier bis ins 19. Jahrhundert hinein die ausschließliche Bauweise war. Es umschließt die aus Balken gefügte, einen isolierten „Kasten“ bildende Wohnstube im Erdgeschoss und „bindet“ sie sozusagen in ein Holzwerk aus Säulen und Stützen ein, das das darüber liegende, aus Fachwerk bestehende Geschoss trägt. Die Umgebindebauweise wirft immer wieder die Frage nach ihrer Entstehung auf. Weit verbreitet ist die Ansicht, dass das Betreiben des Webstuhls in der Balkenstube, die der Wohn- und Arbeitsraum der Familie war, der Grund für die Umgebindekonstruktion war, die durch das Isolieren der Stube das übrige Haus vor den Erschütterungen des Webstuhls schützen sollte. Als Grund muss wohl das Kombinieren der Blockbauweise der Stube mit dem Fachwerk des Obergeschosses und das unterschiedliche Verhalten der Werkstoffe wie Dehnen und Schrumpfen des Holzes angesehen werden. Ursprünglich war in der hiesigen waldreichen Gegend das Bauen der Häuser aus Baumstämmen selbstverständlich. Das Aufsetzen des Obergeschosses war dann mit verschiedenen Aspekten der Stabilität des Hauses verbunden.

Sandstein hält Einzug

Auch im Wohnhause befanden sich gewöhnlich Ställe, die von der Wohnseite durch den in der Mitte des Hauses liegenden Hausflur getrennt, beziehungsweise von ihm aus zugänglich waren. Die Stallseite wurde aus praktischen Gründen von Stein aufgemauert. Der Hausflur wies zum Unterschied von der gedielten Stube einen Estrich aus gestampftem Lehm auf, in dem sich aber durch das Umherlaufen Gruben bildeten, die der „Klöber“ von Zeit zu Zeit mit Lehm wieder ausfüllen und glätten musste. In der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, gegen Ende des 17. Jahrhunderts, setzten sich Modernisierungen im Häuserbau durch. Statt des Estrichs wurden im Hausflur, wenn man sich’s leisten konnte, Sandsteinplatten von einem halben Meter im Geviert und einer Stärke von einer Handbreite verlegt. Überhaupt wurde um diese Zeit in hiesiger Gegend der Sandstein verstärkt als Baumaterial entdeckt und die Steinbrüche im Elbtal erlebten Hochkonjunktur. Behauene Sandsteine eigneten sich sehr gut zum Aufmauern von Häuserwänden. Auch Zaunsäulen aus Sandstein traten jetzt an die Stelle der leicht verrottenden Eichenholzpfosten. Die Verwendung des Sandsteins für den Häuserbau bewirkte wahrscheinlich besonders in der Sächsischen Schweiz, wo dieses Baumaterial reichlich vorhanden ist, bei Neubauten allmählich einen Rückgang des Umgebindes, das bisher die aus-schließliche Bauweise war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzten sich weitgehend gebrannte Lehmziegeln statt Sandstein als Baumaterial durch.

Quelle: Gemeindeakten