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Umgeknickte Bäume fordern die Feuerwehr

Xaver hatte es im Kreis Meißen vor allem auf Bäume abgesehen. Auch ein großes Werk beschädigte der Sturm schwer.

© dpa

Von P. Anderson, P. Redlich, C. Karlshaus und J. Ostrowski

Während Riesa mit dem Schrecken davon gekommen ist, hat der Orkan Xaver den Süden des Landkreises Meißen hart getroffen. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde das Nossener Schollglaswerk: Der Orkan riss Teile des Flachdaches von der riesigen Halle ab. Kräftige Windböen trugen den Belag auf die nur unweit entfernt verlaufende Bundesstraße 101. Die Verbindung zur A 14 musste kurzzeitig gesperrt werden.

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Nach Auskunft der Zentrale des Unternehmens wird in den Vormittagsstunden sofort daran gegangen, die Reste des Hallendachs zu sichern. Ausläufer von Xaver sollen keine Chance erhalten, das Werksgebäude stärker zu beschädigen.

Nähere Details zu dem Unfall will der Betrieb nicht veröffentlichen. Unklar ist, bis zu welchem Grad die Produktion an dem Standort weiterläuft. Für Schollglas ist der Schaden ein Rückschlag auf dem Weg zur Sanierung speziell des Werkes im Gewerbegebiet Heynitz-Lehden. Ende vergangenen Jahre war es hier zu tiefen Einschnitten für die Belegschaft gekommen. In einem neuen Vertrag wurde der Lohn für zwei Jahre auf das Niveau von 2011 zurückgefahren, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Im Gegenzug sagte Schollglas zu, in die Betriebe Nossen und Lommatzsch 1,2 Million Euro zu investieren.

Ein Klo auf Rundflug

Neben Nossen wird aus Roßwein ein zweiter schwerer Sturmschaden gemeldet. Dies deutet darauf hin, dass der Klosterbezirk und das Vorerzgebirgsland von dem Orkan besonders stark betroffen waren. In Roßwein legen heftige Böen auf dem Weihnachtsmarkt den Baum um. Zu Schaden kommt jedoch niemand.

Nördlich des Klosterbezirks rücken die Feuerwehren in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag vor allem wegen umgefallener Bäume aus. Nach Aussagen der Gemeindeverwaltung Käbschütztal fallen in Niederjahna zwei Stämme über die Straße. Die Feuerwehr aus Löthain rückt aus, kommt aber über Oberjahna nicht hinaus, da dort ein weiterer Baum quer liegt. Die Kameraden aus Krögis eilen zu Hilfe. In Lommatzsch wird die Feuerwehr laut Bürgermeisterin Anita Maaß wegen des gleichen Problems alarmiert.

Auch dem Riesaer SZ-Fotograf Lutz Weidler steckte gestern der Schock noch in den Knochen. Zu Hause in Käbschütztal riss der Orkan auf seinem Grundstück das gesamte Aluminiumdach der sechsmal drei Meter großen Hundehütte ab. Teile davon zerschlugen die Heckscheibe seines abgestellten Skodas. Auch das Blech nahm Schaden. „Alles reparieren zu lassen, kostet mehrere Tausend Euro“, sagte er gestern.

Die Kreisstadt Meißen scheint durch ihre geschützte Lage im Elbtal vor Ärgerem bewahrt worden zu sein. Das gilt auch für Riesa. Hier hatten die Retter lediglich zwei Einsätze, bei denen zwei Bäume von der Fahrbahn geräumt werden mussten. „Ansonsten blieb bei uns alles ruhig“, sagte Feuerwehrchef Egbert Rohloff.

Und auch dessen Großenhainer Kollegen seien zwar in Bereitschaft gewesen, hätten jedoch nicht eingreifen müssen, heißt es aus dem Feuerwehrgerätehaus auf der Großenhainer Straße. Steffen Sang, Bürgermeister von Niederau (parteilos), bestätigt diese Einschätzung. Aus seiner Gemeinde seien ihm keine Vorkommnisse bekannt, sagte er. Der Wind habe Spitzengeschwindigkeiten von 90 Kilometern pro Stunde erreicht. Einen ungewöhnlichen Sturmeinsatz gab es hingegen für die Nünchritzer Wehr: Am Donnerstagabend gegen 20 Uhr wurde sie auf die Karl-Marx-Straße gerufen. Dort mussten sie ein mobiles Toilettenhäuschen von der Fahrbahn entfernen, dass durch die Sturmböen von einer angrenzenden Baustelle auf die Straße geweht wurde. Personen wurden nicht verletzt, heißt es von der Feuerwehr.