merken
PLUS Görlitz

Umsteigen leicht gemacht

Im Görlitzer Bahnhof soll eine Fahrradstation entstehen mit Schließfächern, Lade- und Reparaturmöglichkeit. Es gibt eine Hürde.

Ein alltägliches Bild: Abgestellte Fahrräder am Görlitzer Bahnhof. Künftig soll es drinnen im Gebäude deutlich mehr Komfort geben.
Ein alltägliches Bild: Abgestellte Fahrräder am Görlitzer Bahnhof. Künftig soll es drinnen im Gebäude deutlich mehr Komfort geben. © Archivfoto: Pawel Sosnowski

Bilder oder Entwurfsskizzen will die Stadt noch nicht rausrücken. Die Bahn auch nicht und ebenso wenig das Planungsbüro. Schließlich sei noch nichts sicher, sagt Bahn-Sprecher Jörg Bönisch: „Wenn alle Abstimmungen gelaufen sind und die Finanzierung gesichert ist, also der Förderbescheid vorliegt, werden wir uns gemeinsam mit der Stadt zu den Details äußern.“ Vergleichbare, bereits fertiggestellte Anlagen in anderen Städten gebe es nicht.

Der Förderbescheid ist die letzte große Hürde, die das Projekt „Fahrradstation im Bahnhof Görlitz“ noch nehmen muss. Wenn das geschafft ist, kann es losgehen. Die Station soll im Personentunnel entstehen, also zwischen dem Empfangsgebäude und den Bahnsteigen 7 und 8. Dort ist viel Platz, schließlich ist der frühere Aufgang zu den Gleisen 5 und 6 zugemauert. Nach Auskunft der Stadt ist eine Abstellanlage für rund 40 Fahrräder geplant, außerdem Schließfächer, einige von ihnen mit Lademöglichkeit für E-Bikes. Darüber hinaus soll es Sitzmöglichkeiten, Informationstafeln und eine sogenannte Do-it-yourself-Reparaturstation geben, an der Fahrradfahrer ihre Vehikel also selbst reparieren können.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

„Ein ansprechendes und farbiges Design sowie die helle Ausleuchtung sollen auf das Angebot aufmerksam machen und zugleich den Tunnel in diesem Abschnitt aufwerten“, schreibt Amtsleiter Hartmut Wilke in der Beschlussvorlage. Ziel sei es, mit der wetterunabhängigen, modernen und komfortablen Anlage Bahn und Fahrrad in Kombination als umweltfreundliche und optimale Verkehrsmittel herauszustellen. Die Stadt hofft, damit auch neue Nutzer auf diese Kombination aufmerksam zu machen, etwa Berufspendler, Schüler und Touristen. Zudem sei der Bau der Fahrradstation ein Beitrag zur Senkung von verkehrsbedingten CO2-Emissionen.

Das Ganze hat rein gar nichts mit der geplanten Sanierung der Bahnsteighallen oder anderen Bauarbeiten am Bahnhof zu tun. Stattdessen ging die Initiative von der Stadtverwaltung aus. „Am Anfang stand die Idee, etwas für Fahrradfahrer zu bauen“, erklärt Baubürgermeister Michael Wieler. Die Stadt will das Gebiet vom Bahnhof in Richtung Westen in den nächsten Jahren gründlich aufwerten. „Brautwiesenbogen“ heißt das Projekt, das mit Geldern der Europäischen Union aus dem Efre-Programm bezuschusst wird. Es soll das ganze Viertel lebenswerter machen. Eine von vielen Komponenten ist die Fahrradstation. „Darüber haben wir mit der Bahn geredet“, sagt Wieler. Innerhalb dieser Gespräche seien beide Seiten zu dem Schluss gekommen, dass ein Standort innerhalb des Bahnhofes sinnvoll wäre. „Die Bahn war aufgeschlossen, das war eine gute Partnerschaft“, lobt der Bürgermeister.

Hätte die Bahn nicht mitgespielt, so wäre die Stadt auf die Suche nach einem anderen Standort gegangen. Als der Ort klar war, hat die Stadt Fördermittel im Brautwiesenbogen beantragt. Sie rechnet mit Baukosten von 123 000 Euro und hofft auf eine 80-Prozent-Förderung. So bliebe ein Eigenanteil von knapp 25 000 Euro an der Kommune hängen. Dieser ist gesichert. Die Stadträte im Technischen Ausschuss haben sich kürzlich in einem einstimmigen Beschluss hinter das Projekt gestellt. Nun hoffen sie auf eine Bewilligung der Gelder. Der Förderantrag liegt der SAB bereits vor.

Bauherr ist nach Auskunft von Wieler aber nicht die Stadt, sondern die Bahntochter DB Station & Service AG: „Wenn die Zustimmung der SAB vorliegt, werden wir mit der DB einen Vertrag abschließen.“ Er gehe von einem Bau im Jahr 2020 aus. Wann genau, sei noch offen: „Das wollen wir im Gespräch mit der Bahn klären.“

Konrad Krause, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen freut sich über die neuen Abstellmöglichkeiten. „Immer mehr Menschen wollen Fahrrad und Bahn kombinieren.“ Gut sei auch, dass Radfahrer am Bahnhof künftig ihre E-Bikes laden können. Pedelecs würden sich immer größerer Beliebtheit erfreuen: „Inzwischen gibt es in der Bundesrepublik mehr als vier Millionen elektrisch unterstützte Fahrräder.“

Die Fahrradständer reichen aber nach Ansicht von Krause nicht aus, auch nicht in Kombination mit den 80 Stellplätzen draußen. Der ADFC empfiehlt, dass auf jeden siebten Fahrgast eine überdachte und diebstahlsichere Abstellmöglichkeit kommt. „Gemessen daran, dass am Görlitzer Bahnhof täglich eine vierstellige Zahl an Personen ein- und aussteigt, können 40 zusätzliche Abstellplätze nur ein Zwischenschritt sein“, so Krause. Wenn Berufspendlern eine Alternative zum Stau geboten werden solle, dann sei das zweifellos die Eisenbahn. Bessere Angebote sorgen hier für mehr Nachfrage, glaubt er.

Mehr Lokales:

Görlitz

Niesky

Mehr zum Thema Görlitz