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Umstrittene Pläne für ein Gewerbegebiet

An der Fichtestraße plant die Stadt mit einem Investor ein Gewerbegebiet auszuweisen – sehr zum Ärger einiger Anlieger.

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Von Anja Beutler

Rund um die Fichtestraße in Löbau herrscht gepflegtes Durcheinander: Wohnhäuser und Gewerbeeinheiten wie beispielsweise einen Baustoffhandel und den Fahrzeugbauer Guggenmos gibt es hier ebenso wie die Weiten eines Solarfeldes, die teilweise genutzten Gebäude der alten Gummifabrik und –am Rand des Gebietes, zur Breitscheidstraße hin –auch ein Pflegeheim von „Pflege mit Herz“. Der Stadt war dieses wirre Durcheinander schon lange ein Dorn im Auge.

Zu einer Ordnung der Verhältnisse – ob es sich nun um ein Wohn- oder ein Gewerbegebiet handelt – hat sich die Verwaltung erst entschlossen als der Solar-Investor Thomas Kasselmann auf den Plan trat. Nachdem Kasselmann seine Anlage fertiggestellt hatte, entbrannte zwischen ihm und den Stadtwerken ein Streit darüber, in welcher Höhe er die sogenannte Ökostromanlage erhalten kann. Eine Rolle dabei spielte zunächst, dass es für die Fläche, auf der das Solarfeld steht, keinen gültigen Bebauungsplan gibt. Im Sommer 2011 sei das Problem aufgetaucht, hatte Löbaus OB Dietmar Buchholz einst bestätigt. Im November 2011 fasste der Rat den ersten Beschluss, eine entsprechende Planung zu erstellen, die Kasselmann bezahlt..

Doch jetzt, da es konkret wird und die Planung noch bis zum 12. November im Technischen Rathaus öffentlich ausliegt, regt sich Unmut. Vor allem die Erben der alten Gummifabrik, sehen sich mit dem jetzigen Entwurf stark benachteiligt. Demnach soll die Fläche, die nach wie vor der Familie Kniepert gehört, ein eingeschränktes Gewerbegebiet werden.

Für Stephan Kniepert bringt das nur Nachteile, denn die Auflagen widersprächen den Plänen von ihm und seinem Bruder: „Weder das Wohnen noch die Nutzung der ehemaligen Fabrikgebäude für Lagerzwecke ist dann noch möglich“, sagt Stephan Kniepert. Und genau das sei die Hauptnutzung derzeit, die weiter ausgebaut werden soll, sagt der Löbauer, der mittlerweile im Rhein-Main-Gebiet lebt. Er versteht nicht, warum fast nur sein Grundstück als eingeschränktes Gewerbegebiet ausgewiesen werden soll. Nachbarflächen sind hingegen weiter als Mischgebiet gekennzeichnet – und das, obwohl es da gar keine Wohnbebauung gibt.

In Gesprächen mit der Stadt, so bestätigt Kniepert, habe er den Oberbürgermeister als sehr aufgeschlossen und hilfsbereit erlebt. Es werde keine Probleme geben, habe er ihm versprochen. Kniepert hofft darauf, dass Buchholz sein Versprechen hält. Er fragt sich allerdings, warum nicht einfach alles beim Alten bleiben kann. Das wäre für seine Planungen und seine bisherigen Mieter von Vorteil. Was auch Knieperts Nachbarn, die BHG Malschwitz Kopfschmerzen bereitet, ist die Frage, ob die Stadt die bisherige private Verladestraße Knieperts als öffentliche Durchgangsstraße vorsieht. Bislang hatten sich Stadt und Kniepert darüber nicht einigen können. Im Erläuterungstext zum aktuell ausliegenden Planungsentwurf, ist dazu nichts Konkretes gesagt. Für die BHG wäre das möglicherweise ein Grund für einen Umzug, hieß es auf Nachfrage.

Auf Nachfragen zu diesem Thema reagiert Oberbürgermeister Buchholz derzeit nicht. Und auch Investor Kasselmann war gestern nicht zu erreichen. Ob er die Festlegung des Gebietes als Gewerbegebiet überhaupt noch braucht, steht dahin: Erst jetzt entschied das Oberlandesgericht Dresden, dass die Stadtwerke Löbau ihm 80000 Euro plus Steuern für die Zeit vom 27. Februar bis 29. Mai 2012 zu zahlen haben, und ab Juni 2012 eine monatliche Abschlagszahlung von 17000 Euro plus Steuern für den Solarpark zu leisten ist.