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Umweltministerin auf Visite im Seenland

Svenja Schulze besuchte gestern den Großräschener und Sedlitzer See – und gab ein Versprechen ab.

Der Großräschener See entstand aus dem gefluteten einstigen Tagebau Meuro. Wie es heute dort aussieht, darüber informierte sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).
Der Großräschener See entstand aus dem gefluteten einstigen Tagebau Meuro. Wie es heute dort aussieht, darüber informierte sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). © Foto: Gernot Menzel

Großräschen. Zur Beruhigung: Die IBA-Terrassen befinden sich auf gewachsenem Grund“, meinte Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker gestern augenzwinkernd zu rund 25 Medienvertretern aus ganz Deutschland, die während einer zweitägigen Pressereise nach Brandenburg und Sachsen die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) begleiteten. 

Während der Sommertour besuchte die Politikerin Projekte und Unternehmen, die sich in besonderer Weise für die Bereiche Umwelt-, Natur- oder Klimaschutz einsetzen. Der Großräschener See war gestern nach einer Stippvisite beim Ruhlander Maschinenbauunternehmen WP-Systems, das Systemlösungen für die Wartung und den Rückbau von Windenergieanlagen entwickelt, die zweite Station. Ein Fokus der Reise lag auf Bergbausanierung und Strukturwandel. „Und Großräschen als Kleinstadt steht für den Strukturwandel exemplarisch“, sagte Thomas Zenker mit Verweis auf die heutige und die frühere Nachwende-Stimmung in seiner Stadt und tauchte mit den Anwesenden, von denen etliche sicher noch nie in der Lausitz waren, kurz in die Geschichte Großräschens ein, das mit seiner Brikettfabrik, der Ziegelproduktion, mit Maschinenbau und Mikroelektronik einst 10 000 Menschen Arbeit bot. Bis auf die Landwirtschaft sind heute alle Industrieunternehmen verschwunden, auch wenn es inzwischen wieder 3 000 Beschäftigte in mittelständischen Firmen in der Stadt gibt. Jedoch sei die Lohnlücke groß zwischen jenen, die noch im Bergbau beschäftigt sind, und jenen, die bei kleineren Firmen arbeiten. „Das wird eine weitere Herausforderung“, so Thomas Zenker.

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1990 hatte seine Stadt 14 000 Einwohner, heute sind es noch 9 000 – allerdings seit Jahren eine stabile Zahl. Neue Wohngebiete erfreuen sich des Zuspruchs junger Familien. Der See ist fast geflutet, wenn auch noch nicht für schiffbar erklärt. Der Hafen ist eingeweiht. Der Weinberg am Seeufer werfe 10 000 Flaschen Wein jährlich ab, das nahe Seehotel sei im Schnitt zu 70 Prozent ausgelastet. Mit 700 000 Übernachtungen im Jahr im Lausitzer Seenland nehme der Tourismus als ein Standbein Fahrt auf. Der Bürgermeister sprach aber auch von Abwanderung und einer hohen Arbeitslosenquote in Großräschen (und nicht nur dort) nach der Wende. „Das darf nicht noch mal passieren!“, mahnte er vor dem Hintergrund des anstehenden nächsten Strukturwandels in der Region. Die Menschen seien am wichtigsten. Die Internationale Bauausstellung, die – siehe IBA-Terrassen – in Großräschen auch bauliche Spuren hinterließ, habe den Menschen Mut gemacht, den Landschaftswandel als Chance zu begreifen. „Diese Ermutigung müssen wir für die Zukunft behalten.“ Viele junge Leute seien in Bezug auf den Strukturwandel zuversichtlich. „Aber wir brauchen Verlässlichkeit und Sicherheit“, betonte Thomas Zenker und sprach damit die Bundesumweltministerin direkt an.

Diese versprach, der Bund wolle erwähnte Verlässlichkeit und Sicherheit schaffen, „den Leuten vor Ort unter die Arme greifen“. Außerdem seien neben gut bezahlten Arbeitsplätzen auch engagierte, mutige Menschen vor Ort nötig. Menschen, meinte die Ministerin, wie Thomas Zenker der die Großräschener Seestraße schon so benennen ließ, als anstelle des heutigen Wassers lediglich eine Sandwüste mit Baggerspuren zu sehen war.

Svenja Schulze zählte abschließend Vorschläge auf, die ihr Ministerium für die Lausitz vorgesehen hat, etwa die weitere Förderung eines Kompetenzzentrums „Klimaschutz in energieintensiven Industrien“ in Cottbus oder die Einrichtung eines Entwicklungs- und Testzentrums für klimafreundliche elektrische Nutzfahrzeuge.

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