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Umweltschule bangt um Zukunft

Noch immer fehlt der Klotzscher Grundschule die Genehmigung der Bildungsagentur. Außerdem läuft ein Gerichtsverfahren.

© Norbert Millauer

Von Kathrin Kupka-Hahn

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Wie es im September weitergehen soll, weiß Schulleiterin Julia Pörschke nicht. Noch immer fehlt für die Natur- und Umweltschule die Genehmigung durch die Sächsische Bildungsagentur (SBA). Doch die Schulleiterin lässt sich ihre Sorgen nicht anmerken. Konzentriert sitzt sie mit Lewin und Teja im Wald.

Die beiden Achtjährigen haben große Stücken Baumrinde entdeckt, deren Eigenschaften nun näher untersucht werden. „Die Rinde stammt von einer Kiefer“, stellen die Kinder beim Blick in den Naturführer fest. Ihre Diagnose können sie mit weiteren Fundstücken untermauern – mit einem Zweig und mehreren Zapfen. Schließlich liegen diese überall am Waldboden verstreut. Auch größere Äste befinden sich darunter. „Vor ein paar Tagen waren hier im Stadtwald an der Schule Harvester unterwegs und haben Bäume gefällt“, erklärt Julia Pörschke. Harvester sind spezielle Holzernte-Maschinen. Für viele Kinder der Natur- und Umweltschule war ihr Einsatz ein beeindruckendes Ereignis. Manche waren traurig darüber, dass „ihre“ Bäume verschwanden, andere interessierten sich dafür, weshalb. „Der Förster hat uns das dann sehr gut erklärt“, so die Schulleiterin. Regelmäßig ist er Gast in der Natur- und Umweltschule, unternimmt mit den Lerngruppen Spaziergänge und zeigt Neues im Wald. „In den vergangenen vier Jahren ist eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Förster entstanden“, sagt Julia Pörschke.

So lange gibt es die Grundschule schon. Sie hat ihren Sitz am Manfred-von-Ardenne-Ring 20 und wird vom Verbund sozialpädagogischer Projekte (VSP) getragen. Derzeit werden 41 Kinder in zwei Lerngruppen an der Ganztagesschule unterrichtet. Vier Lehrer und sieben Sozialpädagogen kümmern sich um den Unterricht und die Betreuung am Nachmittag.

Nicht so gut läuft hingegen die Zusammenarbeit mit der Sächsischen Bildungsagentur (SBA). Seit Gründung der Schule im Sommer 2011 kämpfen Pädagogen und Eltern um deren Anerkennung. Doch die Bildungsagentur verweigert diese bis heute. „Bislang ist es dem Träger VSP nicht gelungen, das Schulkonzept so auszugestalten, dass die Sächsische Bildungsagentur in der Umsetzung ein besonderes pädagogisches Interesse am Betrieb der Grundschule bestätigen konnte“, begründet Sprecherin Katrin Reis. Demzufolge habe noch keine endgültige Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb der Grundschule erteilt werden können. Die Gründe seien dem Schulträger bekannt.

Julia Pörschke kann darüber nur den Kopf schütteln. „Wir werden von der SBA auch dieses Schuljahr wieder nur geduldet“, sagt sie. Und das sei mit allerhand Auflagen verbunden. So sollen unter anderem Leistungsbewertungen erbracht, zusätzliche Versicherungen abgeschlossen und Baugenehmigungen für die Sitzgelegenheiten im Wald vorgelegt werden. Für die Schulleiterin und ihre Kollegen grenzt das an Schikane. „Inzwischen haben wir die Bildungsagentur verklagt, da wir im vergangenen Jahr die geforderten Auflagen erfüllt und Nachweise erbracht haben“, so Julia Pörschke. Doch die SBA gibt nicht nach. Ein von der Natur- und Umweltschule angestrebter Vergleich scheiterte. Weshalb, dazu will sich Sprecherin Katrin Reis nicht näher äußern. „Angesichts des laufenden Genehmigungsverfahrens ist es uns nicht möglich, detaillierte Auskünfte zum derzeitigen Bearbeitungsstand zu erteilen“, begründet sie. Auch Julia Pörschke und ihre Mitstreiter leiden unter der mangelnden Kommunikation mit der Bildungsagentur. Seit September haben bereits mehrere Kontrollen und Konsultationen von SBA-Mitarbeitern an der Schule stattgefunden. „Doch mit uns redet niemand über die Ergebnisse“, sagt die Schulleiterin.

Für sie und ihre Mitstreiter wird es langsam eng. Denn die Zukunft der Natur- und Umweltschule steht auf dem Spiel. „Unser Finanzplan ist an eine Genehmigung der SBA gekoppelt“, erklärt Birgit Claus vom Förderverein. In den vergangenen vier Jahren wurde der Betrieb der Natur- und Umweltschule über ein Elterndarlehen, das Schulgeld und einen Bankkredit finanziert. Doch das reicht ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr aus. „Wir sind auf Fördergelder angewiesen“, so Birgit Claus. Doch die bekommt die Schule nur, wenn sie von der SBA die Genehmigung erhält.

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