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„Umweltschutz ist mir eine Herzenssache“

Felix Knothe aus Lichtenberg hat erforscht, was bei der Renaturierung belasteter Böden wichtig ist. Preisgekrönt.

Von Annett Kschieschan

Umweltschutz geht jeden an – diese Botschaft ist nicht neu. Aber selbst zum Forscher in Sachen Nachhaltigkeit werden – das tun nur die wenigsten. Der Abiturient Felix Knothe (18) aus Lichtenberg hat sich getraut. Beim Wettbewerb „Jugend forscht“ wurde er jetzt mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Sein Thema: „Bioindikation bei der Renaturierung von schwermetallbelasteten Böden“. Warum das spannend und wichtig ist, hat er der SZ erzählt.

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Felix, wie kommt man als Jugendlicher dazu, sich mit der Renaturierung schwermetallbelasteter Böden zu beschäftigen?

Für mich spielt Umweltschutz schon seit geraumer Zeit eine große Rolle – bedingt dadurch, dass das die einzige Lösung ist, um unseren Planeten zu erhalten. Die Idee zum Projekt kam, als ich eine Reportage über das Biosphere-2-Projekt in den USA im Fernsehen sah. Dabei wurde in Arizona ein abgeschlossenes Ökosystem geschaffen, um beispielsweise die Marsmission der Nasa zu simulieren. Aber nach zwei Jahren bzw. sechs Monaten – im zweiten Versuch – starb ein Großteil des Ökosystems. Ich wollte anfangs den Versuch im kleinen Maßstab wiederholen und untersuchen, ob ich die gleichen Ergebnisse bekomme. Zu dieser Zeit – etwa im Frühling/Sommer 2012 – studierte meine Cousine angewandte Naturwissenschaften an der TU Freiberg. Sie gab die Idee an Professor Dr. Hermann Heilmeier, Leiter der Arbeitsgruppe Biologie/Ökologie, weiter. Er war von der Idee sehr begeistert. Deshalb haben wir uns getroffen, um darüber zu sprechen.

Wie ging es dann weiter?

Wir haben schnell gemerkt, dass das Projekt viel zu komplex ist, weil viel zu viele unbekannte Variablen hineinspielen. So hätte man Ergebnisse gewonnen, die man nicht hätte interpretieren können. Deshalb haben wir uns nur auf ein Ökosystem festgelegt, den Boden, da sich die TU Freiberg sehr intensiv damit auseinandersetzt. Damit war das Ökosystem klar. Nun mussten noch Faktoren bzw. Variablen von mir selber bestimmt werden, damit ich Ergebnisse bekommen konnte, die man interpretieren kann. Ich wählte Schwermetalle aus, weil hier in Sachsen durch den Bergbau flächenhafte Kontaminationen auftreten, die eine Gefahr für die Landwirtschaft und damit für uns sind. Dann wählte ich als weitere Variable noch Nährstoffe – Kohlenstoff und Stickstoff – aus, um damit einen möglichen positiven Effekt zu finden. Trotz der Schwermetallkontamination.

Klingt ein bisschen kompliziert. Wie wurde daraus ein richtiges Projekt für „Jugend forscht“?

In Sachsen ist es ja so, dass man in der elften Klasse eine Fach- und Belegarbeit schreiben muss, die als Klausurnote zählt. Ist das Thema aber komplex oder man möchte sich damit intensiv befassen, kann man eine Besondere Lernleistung machen, welche eine mündliche Abiturprüfung ersetzt. Zudem werden an unserer Schule, dem Humboldt-Gymnasium Radeberg, eigentlich immer alle Besonderen Lernleistungen und zum Teil Fach- und Belegarbeiten mit einem Thema der Naturwissenschaften zu „Jugend forscht“ eingereicht.

Wer hat dich bei der Umsetzung unterstützt und wie lange hat es gedauert, bis alles fertig war?

Unterstützt haben mich meine betreuende Lehrerin Frau Weiß sowie Professor Dr. Hermann Heilmeier von der TU Freiberg, der mir bei der Planung und Ausarbeitung stets zur Seite stand. Des Weiteren unterstützte mich der Diplom-Chemiker Kurt Herklotz von der TU Freiberg bei der Laborarbeit. Im Sommer und Frühling 2012 begann die Planung und Vorbereitung, und ich habe einige Utensilien gekauft. Im August 2012 wurden dann die Proben entnommen und im Oktober 2013 begann schließlich der eigentliche Versuch. Bis zum März/April habe ich die Proben jeden Monat hinsichtlich sogenannter abiotischer Parameter – also pH-Wert, Leitfähigkeit, Trockenmasse, organische Substanz und so weiter – und biotischer Parameter untersucht. Danach folgte etwa bis Januar 2013 die schriftliche Ausarbeitung, also die Auswertung der vielen Daten und die Erstellung einer Animation. Alles hat also ungefähr 21 Monate gedauert.

Hattest du dafür mit einem Preis geliebäugelt?

Nein, überhaupt nicht. Als ich die ganzen anderen Projekte beim Bundeswettbewerb sah, dachte ich mir, dass ich keinen Preis bekommen würde. Deshalb war die Überraschung enorm, als ich bei der Sonderpreisverleihung auf die Bühne durfte und so einen genialen Preis bekam. Aber ich muss auch sagen, es war schon eine enorme Ehre, schon einfach beim Bundeswettbewerb teilzunehmen.

Wie haben deine Familie und Freunde auf den Preis reagiert?

Sie waren überglücklich und enorm stolz auf mich. Daran konnte man sehr gut sehen, dass sich der enorme Arbeitsaufwand der letzten zwei Jahre mehr als gelohnt hatte.

Wie geht es nun weiter für dich? Möchtest du weiter forschen?

Leider ist jetzt in der Schule keine Zeit mehr, um an dem Projekt weiterzuarbeiten. Da ich ja mit dem Abitur fertig bin, deshalb muss das erst einmal auf Eis gelegt werden. Im Oktober werde ich für ein halbes Jahr nach Neuseeland gehen – über ein Work-and-Travel-Programm – einfach um meine Englischkenntnisse aufzubessern. Danach wollte ich eigentlich etwas in Richtung Ökologie studieren, also zum Beispiel Umweltmikrobiologie, da dies genau das ist was, ich in meinem Projekt gemacht habe. Das Problem ist aber, dass diese Studiengänge meist keine Zukunftschancen haben, also viele Studenten arbeitslos sind. Das ist extrem schade. Deshalb werde ich das wahrscheinlich nicht studieren und in die Ingenieurrichtung studieren – vielleicht Maschinenbau, E-Technik oder Bauingenieurwesen.