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Umziehen in Dresden in Zeiten von Corona

Wie organisiert man einen Umzug, wenn das Leben fast still steht? Die alleinerziehende Mutter Antje Bauch hat es in Dresden getestet - und ist stolz.

Ihr Umzug in Zeiten von Corona war für Antje Bauch ein besonderes Abenteuer.
Ihr Umzug in Zeiten von Corona war für Antje Bauch ein besonderes Abenteuer. © René Meinig

Dresden. Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Zufällig entdeckte Antje Bauch auf einem Kleinanzeigenportal im Internet ihre Traumküche in Pastell aus den 50er-Jahren.  Noch bevor ihr Umzug in Dresden über die Bühne ging, wurde das gute Stück für kleines Geld abgeholt. "Keine einzige der Schütten war angebrochen", freut sich die 29-Jährige über den Coup, durch den ihre Lust auf den Umzug und ihre neue Wohnung noch einmal beträchtlich wuchs. 

Gesucht hatte sie schon seit Ende vergangenen Jahres, als von Corona noch keine Rede war. Nun jedoch fiel ihr Umzugstermin genau in eine Zeit, in der auch in Dresden weite Teile des öffentlichen Lebens fast still standen. "Da habe ich mich natürlich schon gefragt, wie ich das hinbekommen soll." Eine Verschiebung des Umzugs kam für sie allerdings nicht infrage.

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Zwar ist ihre neue Wohnung unweit des Albertplatzes nur wenige Hundert Meter von ihrer alten entfernt, doch fühle sie sich hier "wie in einer anderen Welt". Im Haus auf der Alaunstraße hatte sie zuvor rund zehn Jahre ihren Lebensmittelpunkt, doch die Verwaltung habe sich zuletzt kaum noch um das Gebäude gekümmert. Drogendealer unter der Kellertreppe hätten für sie das Fass zum Überlaufen gebracht. "Das konnte ich meiner sechsjährigen Tochter einfach nicht mehr zumuten", sagt sie.

Nach einigen Wochen vergeblicher Versuche fand Antje Bauch über Kontakte ihre neue Bleibe - wieder eine Drei-Zimmer-Wohnung - und arbeitete seitdem auf ihren Umzug Anfang Mai hin.

Da die Dresdner Ämter zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus geschlossen waren, konnte sie ihre geplanten Behördengänge, zum Beispiel die Ummeldung beim Einwohnermeldeamt, zunächst einmal getrost verschieben.

Blieb der Umzug selbst. "Über Kleinanzeigen habe ich so einige Schätze ergattern können, unter anderem einen fantastischen Frisiertisch", sagt sie. Allerdings wuchsen mit jedem neuen Möbelstück auch die Fragezeichen in ihrem Kopf, auf welche Weise das alles in den fünften Stock kommen sollte.

Laut sächsischer Corona-Schutz-Verordnung dürfen Umzüge derzeit von Unternehmen oder in Eigenleistung durchgeführt werden. Lebens- und Ehepartner und die zum eigenen Hausstand gehörenden Personen dürfen helfen, genauso wie Verwandte, Freunde oder Bekannte. Dabei ist die Zahl der zusätzlichen Helfer allerdings auf zwei begrenzt.

Ein Umzugsunternehmen kam für Antje Bauch finanziell nicht infrage. Damit war die alleinerziehende Mutter auf ihre Freunde angewiesen. Die zusätzliche Herausforderung dabei: "Eigentlich wollte ich für den Umzug Urlaub nehmen und dachte, mein Kind sei in der Kita", sagt sie. Doch auch hier machte ihr das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. 

Als Angestellte beim Verband der Körperbehinderten ist sie derzeit zwar in Kurzarbeit, doch auch ihre Tochter ist rund um die Uhr mit bei ihr zu Hause - und war als Tragehilfe leider nur bedingt geeignet. Eine ihrer potenziellen Helferinnen machte sich daher am Umzugstag stattdessen gemeinsam mit dem Kind auf ins Wildgehege nach Moritzburg. 

Per Lift schwebten die Möbel innerhalb weniger Stunden nach oben in den fünften Stock.
Per Lift schwebten die Möbel innerhalb weniger Stunden nach oben in den fünften Stock. © privat

Dann konnte es losgehen. Morgens 9 Uhr fiel in der Neustadt der Startschuss. "Wir hatten zwei Transporter zur Verfügung und ich habe einen Kreisverkehr organisiert, in den zwei Helferteams eingebunden waren, die keinen Kontakt zueinander hatten", sagt Antje Bauch ein bisschen stolz. 

Zunächst habe ein Team in der alten Wohnung ein Auto beladen. Vor dem neuen Wohnhaus wartete unterdessen schon ein Umzugslift, den die 29-Jährige für vier Stunden gebucht hatte. Da der Lift nicht auf der Straße stand, musste sie die Aktion glücklicherweise auch nicht anmelden. "Das wäre wahrscheinlich in Corona-Zeiten auch wieder schwierig geworden."

Wie sich herausstellte, war der Lift jeden Cent wert. "Das alles durch das enge Treppenhaus zu bugsieren, das wäre die Hölle gewesen", sagt sie. So konnten Schränke, Geschirrkartons und Riesenkuschelteddy ganz spielerisch nach oben schweben und über den Balkon in die Wohnung gehoben werden.

Ab und zu schickte sie dafür zur großen Freude der Helfer einen Teller Schnittchen auf die Reise nach unten. Die gemeinsame Umzugsparty am Abend fiel dann allerdings deutlich kleiner aus, als gedacht. Nur mit ihrem Lebenspartner, dem Töchterchen und ihrem Bruder konnte sie auf die neue Wohnung anstoßen.

Auch wenn jetzt noch jede Menge Kartons auf das Auspacken warten, ist Antje Bauch die größte Last bereits los. "Ich denke, wir haben das angesichts der Umstände ganz gut gemeistert", sagt sie. Noch einmal wolle sie aber so schnell nicht umziehen.

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