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Umzug für die Edelkrebse

Die hartschaligen Delikatessen von der Teichwirtschaft Tharandt finden ein neues Zuhause im Schlossteich Grillenburg – bis zum Verzehr.

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Von Lisa Fritsche

Besucher des Schlossteichs in Grillenburg können die neuesten Schützlinge der Teichwirtschaft Tharandt entdecken. In dieser Woche wurden rund 500 Edelkrebse aus der Zuchtanlage in das Gewässer umgesiedelt. Besonders am Ufer sind die schwarzen, braunen und blauen Gliederfüßler nun zu finden. „Die Krebse müssen sich erst sortieren“, erklärt Rico Voss von der Teichwirtschaft Tharandt, während die ersten 80 Tiere ihren Weg in die freie Wildbahn suchen. Mit ihrem Geruchssinn und den Fühlern tasten sie sich langsam vor. „Die gehen dort hin, wo es ihnen gefällt“, sagt Voss unbesorgt. Auch im Seerenteich, ebenfalls im Grillenburger Wald, setzt er regelmäßig Krebse aus.

Die Vorbereitungen für die Auswilderung begannen bereits vor drei Wochen. Mit sieben anderen Fischereibegeisterten sammelte er die Edelkrebse aus dem Tharandter Zuchtbecken, in dem sich die Krebse gut verstecken können. „Da musste jeder Stein einzeln umgedreht werden“, sagt Voss. In mühevoller Handarbeit sortierten sie dann die Krebse nach ihrem Alter. Kein einfaches Unterfangen, denn die Krebse wehren sich nach Kräften mit ihren spitzen Scheren. „Geblutet hat es noch nicht“, bestätigt Voss und lacht.

Die besonders „aggressiven“ zwei- bis dreijährigen Krebse wurden schließlich in die Freiheit entlassen. „Die Kleineren würden gefressen werden“, erklärt der Experte. Deshalb dürfen diese noch einen Sommer in der Zuchtanlage verweilen.

„Der Krebs ist ein Aufräumer“

Seit acht Jahren beschäftigt sich Voss mit der Zucht von Edelkrebsen. Eine artgerechte Haltung sei ihm dabei besonders wichtig. Seine Tiere stammen aus Aquakulturen in Franken, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen oder aus der eigenen Nachzucht. „Für mich ist es eher ein Hobby“, sagt der 34-Jährige. Die Gäste der Teichwirtschaft oder Schulklassen sind ebenfalls von den Tieren begeistert. „Da hören auch die Kinder gut zu“, bestätigt Voss. Für ihn sei es beruhigend die Flusskrebse zu beobachten. „Mir gefällt aber auch, dass sie so gut schmecken“, gibt Voss zu.

Bedroht ist die Tierart besonders von den amerikanischen Flusskrebsarten, die mit ihrer Ansiedlung die Krebspest in die heimischen Gewässer brachte. „Wir möchten mit unserer Zucht die Art erhalten“, bestätigt der Tharandter. Von Krankheiten sei der Bestand bislang verschont geblieben. Einige Krebse seien allerdings bereits aus der Anlage entwischt und hätten sich an der Weißeritz niedergelassen.

Die Wiederansiedlung war auch im Grillenburger Schlossteich nötig, wo sich kaum noch Krebse befanden. Der beständige pH-Wert und die zahlreichen Versteckmöglichkeiten bieten für die neuen Bewohner ideale Lebensbedingungen. „Der Krebs ist sonst ein anspruchsloses Tier“, erklärt Voss. Mit einer Größe von bis zu 20 Zentimetern und einem Gewicht von 350 Gramm können Edelkrebse bis zu 20 Jahre alt werden. Kleinere Exemplare begnügen sich zunächst mit Zooplankton und Algen. Bei den ausgewachsenen Krebsen stehen auch Forellenfutter, tote Frösche und Fische auf dem Speiseplan.

„Der Krebs ist ein Aufräumer“, sagt Voss. Deshalb erfreue er sich auch bei privaten Teichbesitzern wachsender Beliebtheit. Interessenten können noch bis Ende Mai den Krebsverkauf der Teichwirtschaft Tharandt in der Pienner Straße 68 nutzen. Die nächste Chance bietet sich dann erst wieder mit den Herbstkrebsen im November, wenn der Grillenburger Schlossteich abgefischt wird.