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Umzugsprämien getestet

Wohnungsunternehmen versuchen mit Aktionen, neue Mieter zu gewinnen. Die Erfolgsquote ist unterschiedlich.

© Lutz Weidler/Archiv

Von Eric Weser

Gröditz. Ein Kurzurlaub als Bonus für den Wohnungswechsel. Oder eine Prämie für denjenigen, der einen neuen Mieter bringt. Es sind solche Angebote, mit denen Wohnungsunternehmen der Region Menschen zum Umziehen bewegen und so ihr Geschäft beleben wollen. Zum Beispiel in Gröditz. Dort wirbt die Kommunale Wohnungsgesellschaft (KWG) mit einem 150-Euro-Reisegutschein für Neumieter ab 60 Jahren. Die Konkurrenz von der Gröditzer Wohnungsgenossenschaft geben bei der Mieter-werben-Mieter-Aktion bis zu 500 Euro aus. Aber: Bringen die Marketing-Aktionen auch etwas? – Genossenschafts-Chef Jürgen Bitriol sagt: „Ja, auf jeden Fall.“ Gerade die Mieter-werben-Mieter-Aktion werde „laufend in Anspruch genommen“. Im noch jungen Jahr 2016 sei davon bisher viermal Gebrauch gemacht worden, zeigt die Statistik. Und auch beim Etagen-Bonus – einem Angebot, bei dem bis zu 60 Prozent Mieterlass winken, wenn eine Wohnung im 4. und 5. Obergeschoss gewählt wird – gebe es im Januar bereits zwei Fälle zu verzeichnen, so Bitriol. Oft handle es sich um junge Leute. Das Leerstandsproblem werde durch die Aktion zwar abgemildert, aber nicht gelöst. Derzeit ist knapp jede fünfte der über 1 600 Wohnungen des Unternehmens in Gröditz und Prösen frei.

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Etagen-Bonus oder Reisegutschein

Mit 16 Prozent etwas weniger Leerstand hat die KWG derzeit zu verzeichnen – bei 850 Wohnungen insgesamt. Ähnlich wie bei Wohnungsgenossenschaft gibt es einen Etagen-Bonus für die treppenläufig erreichbaren Geschosse 5 und 6 in Form eines dreimonatigen Grundmiete-Erlasses. Wer KWG-Neumieter wird und älter als 60 ist, kann einen Reisegutschein abstauben. KWG-Geschäftsführerin Petra Hönicke nennt keine konkreten Zahlen, was den Erfolg dieser seit Jahren bestehenden Marketing-Instrumente angeht. Ihr Urteil über deren Durchschlagskraft fällt aber verhalten aus. Die Erfolge seien insgesamt „sehr überschaubar“.

Bei der Gröditzer Wohnbau, der zweiten großen Genossenschaft mit Wohnungen in Gröditz und Pulsen, laufen derzeit gar keine Marketing-Aktionen, sagt Vorstand Andreas Gottschling. Es habe aber schon welche gegeben – ohne, dass sie den gewünschten Erfolg gebracht hätten, sagt er. Den Wettbewerb um die Mieter hält Gottschling angesichts der Marktsituation für fragwürdig. „Gröditz ist eben eine kleine Stadt, es gibt wenig Arbeitsplätze.“ Die Einwohner würden älter, die Einwohnerzahl insgesamt sinke. „Wir tauschen uns die Mieter gegenseitig aus, übertrieben gesagt.“

Kalte Wände in Plattenbauten

Das sei aber nicht das Ziel der Genossenschaft, die bei ihren 760 Wohnungen in Gröditz und Pulsen aktuell etwa 18 Prozent Leerstand zu verzeichnen hat. – Beim Mieterverein Meißen und Umgebung kann man dem Wettbewerb der Wohnungsfirmen derweil etwas abgewinnen. Das schaffe mehr Markt, findet Vorstandsmitglied Irene Seifert. Gerade für jüngere Leute, die sich sonst vielleicht keine Wohnung nehmen würden, sei das von Vorteil. „Wir beobachten auch, dass jüngere Leute Wohnungen in einem oberen Geschoss nehmen. Für die ist das Treppensteigen nicht so problematisch“, sagt Irene Seifert. Gerade bei den hochgeschossigen Plattenbauten sei es sinnvoll, dafür zu sorgen, dass die Wohnungen gefüllt sind. „Das kommt allen Mieten zugute“, so Irene Seifert weiter. „Gerade in Plattenbauten gibt es ja ein Riesenproblem, wenn einzelne Wohnungen leer stehen. Denn die Wände von der einen Wohnung zur anderen sind oft schlecht gedämmt, und die Bewohner wundern sich, wie hoch die Heizkosten sind.“ – Die Wohnungsfirmen werden wohl also weiter um die vorhandenen umzugswilligen Mieter buhlen.