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Ein Künstler und sein Kletterfels

Johannes Oehme war nicht nur ein beliebter Kunstmaler. Ihm gehörte auch ein Kletterfelsen in Struppen.

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Von Heinz Gliniorz

Viele Künstler sind bekannt für ihre Verbundenheit zur Region. Canaletto, der in Pirna malte, Goethe, der durch den Plauenschen Grund wandelte. Zu diesen Künstlern gehört auch der in Dresden geborene Johannes Arthur Oehme. Er studierte in seiner Heimatstadt die Malkunst und war bei seinen Kommilitonen, aber auch bei den Dozenten sehr beliebt. Im Alter von 23 Jahren nahm er bereits mit seinen eindrucksvollen Bildern an mehreren Ausstellungen teil. Als Naturliebhaber zog es Hanns Oehme, wie er nun in Künstlerkreisen genannt wurde, in die Sächsische Schweiz. Von dem Geld seiner ersten Bilderschau kaufte er ein Grundstück eines alten Steinbruchs im Struppengrund. In den Malpausen durchstreifte Oehme sein Grundstück und fand Abwechslung in der Besteigung eines alten, stehengebliebenen Sandsteintorsos. Später gesellte sich Alfred Heinrich vom Klub Falkoniertürmer zu den Besteigern des Gipfels. Heinrich war in Struppen zu Hause und somit kurzer Hand bei Oehme im Grundstück.

Zu dieser Zeit war der Kletterfelsen als Edelfalkenturm unter den Bergsteigern bekannt, aber im Kletterführer noch nicht zu finden. Erst in der Ausgabe im Jahre 1953 wurde dieser Gipfel als Struppengrundkegel genannt. Die daran bekannten Kletterwege fanden allerdings noch keinen Eingang in diese für alle Bergsteiger unentbehrliche Kletterfibel.

Pioniere sorgen für Rampenlicht

Inzwischen hat Hanns Oehme einen kleinen Landstrich mit dem Struppengrundkegel seinem Bergfreund Alfred Heinrich verkauft. Oehme selbst nahm Einzug in das von ihm erbaute Wohnhaus und beschäftigte sich nun intensiv mit der Kakteenzucht, die ihm hohe internationale Anerkennung brachte. Gemeinsam mit seinem Sohn Christian war Ohme aber noch über Jahre auf dem Struppengrundkegel zu sehen. Der furchtbare Krieg zerschlug das treue Band der Bergsteiger. Christian Oehme ist 1941 mit 18 Jahren im Feldzug gegen Russland gefallen und sein Vater Hanns Oehme gilt seit 1944 im gleichen Land als vermisst.

Der über Jahre etwas stiefmütterlich behandelte Kletterfelsen stand mit den Aktivitäten der Pioniere der sozialistischen Sportbewegung im sogenannten Rampenlicht. Der Bergsteiger und Erstbesteiger zahlreicher Klettergipfel im Elbsandsteingebirge und Mitglied der Klettervereinigung Bergtürmer 1947 Helmut Marx legte am 30. Juli 1949, nachdem er den Gipfel über den ziemlich schweren Alten Weg erreichte, das erste Gipfelbuch auf den Struppengrundkegel. Von diesem Vorgang erfuhr natürlich auch der Grundstücksbesitzer Alfred Heinrich, und so konnte er sich ebenfalls mit seinen Seilpartnern am 31. Oktober 1949 auf dem Gipfel in das aufgelegte Buch eintragen. Er vermerkte an diesem Tag: „Sämtliche Wege wurden schon seit 1920 durchstiegen, nachweislich durch meinen Augenschein im Auf und Ab, außer der Ostkante, durch Willy Pilz Ebenheit. Irgendwer schlug in meiner Abwesenheit den Ring, der wieder entfernt wird, da er zwecklos ist“. Diese Eintragung war Anlass intensiver Recherchen der Mitarbeiter des Gipfelbuchausschusses.

Es konnte erarbeitet werden, dass der Struppengrundkegel, damals noch als Edelfalkenturm bekannt, bereits am 4. August 1920 von den beiden „Mönchen“ Richard Kutsche und Richard Pötzsch erstbestiegen wurde. Ein Namensvetter von Oehme, der mit seinen Erstbegehungen weithin bekannt gewordene Helmut Oehme aus Pirna-Copitz, konnte anhand seines Fahrtenbuches drei Erstbegehungen aus dem Jahre 1928 am Struppengrundkegel nachweisen. Die hohe Zahl der in den letzen Jahren registrierten neuen Aufstiege zum Gipfel des Struppengrundkegel wird im Kletterführer Sächsische Schweiz, Band Gebiet der Steine, ausreichend beschrieben.