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Und es gibt ihn doch

Als keiner mehr damit rechnete, kam der Winter. Es war ein kurzer Auftritt, aber vielleicht nicht einmal der letzte.

Von Mandy Schaks

Wer gestern Morgen im oberen Osterzgebirge aus dem Fenster blickte, staunte nicht schlecht: Da stand plötzlich der Winter vor der Tür und das nach dem frühlingshaften Wetter der letzten Tage! Innerhalb von Stunden hatte es einen Temperatursturz gegeben. Die Quecksilbersäule sackte an der Wetterwarte in Zinnwald um rund 15 Grad Celsius und blieb erst unter der Null-Grad-Marke stehen. Das reichte, um den Niederschlag erstarren zu lassen. Genau 5.22 Uhr setzte der Schneefall ein, sodass am Vormittag Zinnwald einen Zentimeter dick überzuckert war.

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Einer der Wenigen, die das nicht überrascht hat, ist Norbert Märcz. Der Wetterbeobachter hatte es genau so kommen sehen und den Winter noch nicht abschreiben wollen. Denn seit 43 Jahren wird in Zinnwald das Wetter aufgezeichnet. Aus dieser Statistik weiß er, dass der Winter auf dem Kamm nicht vorbei, wenn es die Meteorologen sagen.

Sie rechnen die kalte Jahreszeit vom 1. Dezember bis 1. Februar. Danach fiel im Osterzgebirge die Bilanz nüchtern aus: Es war ein grüner Winter. Doch Norbert Märcz unkte trotz offiziellen Frühjahrsbeginns: „Wir können im Gebirge noch nicht völlig auf Sommerbetrieb umstellen.“ Denn vom September bis zum Mai müsse man erfahrungsgemäß in Zinnwald immer mal mit einer Schneedecke rechnen.

Das war selbst nach dem bislang letzten völlig verkorksten Winter im Jahr 1989/90 so. Norbert Märcz hat herausgefunden, dass es damals am 12. April noch einmal schüttete und der Schnee zwei Zentimeter hoch lag.

1987 kam der Winter sogar noch einmal am 21. Mai zurück. Es gab nicht nur ein paar Schneeschauer, sondern eine geschlossene Schneedecke. Dabei muss die weiße Schicht mindestens einen Zentimeter dick sein. Das war damals kein Problem, auch nicht 2008. Da hatte sich der Winter eigentlich schon Mitte Januar verabschiedet, und der Februar glänzte mit frühlingshaften Temperaturen. Die Quecksilbersäule kletterte schon auf fast 14 Grad Celsius. Dann schlug das Wetter urplötzlich um. Der Winter kehrte ab der zweiten Märzhälfte mit einem Paukenschlag zurück. Bis zum 26. März gingen die Temperaturen auf minus sieben Grad zurück, und es fielen 51 Zentimeter Schnee.

„Von daher könnte also noch eine ganze Menge passieren“, sagt Norbert Märcz und lacht. Gestern waren noch einige Schauer unterwegs. Aber der Schnee blieb nicht liegen. Es taute. Treten die Prognosen ein, könnte es zum Wochenende hin ein bisschen trockener werden. Doch Entwarnung bedeutet das noch nicht. „Um den 15. April herum könnte noch mal was kommen“, sagt Wetterbeobachter Märcz. Und fügt verschmitzt hinzu: „Das ist noch sehr unsicher.“