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Und Geld stinkt doch!

Vor Schreck ganz starr steht der Onkel von Jörg Wohlfeil. Plötzlich ist die Schäferhündin an seinem Auto, bellt wie wild. Der Zollbeamte Wohlfeil sieht gleich, warum die Hündin Nelly förmlich aus dem Häuschen ist.

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Von Carla Mattern

Vor Schreck ganz starr steht der Onkel von Jörg Wohlfeil. Plötzlich ist die Schäferhündin an seinem Auto, bellt wie wild. Der Zollbeamte Wohlfeil sieht gleich, warum die Hündin Nelly förmlich aus dem Häuschen ist. Sie hat einige Geldscheine gerochen, die auf dem Autositz liegen. Die Zöllnerin auf vier Pfoten macht sich bemerkbar, weil sie genau dafür gerade sechs Wochen lang ausgebildet worden war. Hermine von der Medine, wie die aus Bayern stammende reinrassige Deutsche Schäferhündin offiziell in den Papieren heißt, ist Sachsens erster Geldspürhund.

Die unverhoffte Generalprobe am Auto des Hundeführer-Onkels sagt viel über die knapp Dreijährige. Sehr gelehrig, mutig und strebsam sei sie, beschreibt Hundelehrwart Emil Sutter das Tier. Der 49-Jährige arbeitet seit 22 Jahren beim Zoll als Hundeausbilder. Im Zollkommissariat Ebersbach an der sächsisch-tschechischen Grenze ist Sutter für 26 Hunde zuständig. 54 Diensthunde unterstützen im Bereich des Hauptzollamtes Löbau, zu dem Ebersbach gehört, die Arbeit der Beamten. Die meisten sind Schutzhunde, gehen an der so genannten grünen Grenze Streife.

Die Scheine riechen nach Papier und Druckerfarbe

Nelly zählt zu den spezialisierten Tieren, ist aber auch als Schutzhund ausgebildet. Der Beute- und Spieltrieb muss besonders ausgeprägt sein bei Hunden, die für das Aufspüren von Rauschgift, Tabak, Sprengstoff oder eben Geld trainiert werden. Das geht immer nach dem selben Prinzip: Die noch jungen Tiere werden an ein Spielzeug gewöhnt, das einen besonderen Geruch hat. Hundeführer Jörg Wohlfeil hat dafür ein stabiles Plaste-röhrchen, das durchlöchert ist. Drin stecken einige Euroscheine. Nelly lernte, nach dem Geruch zu suchen. Für sie war das ein Spiel, das immer mit lobenden Worten oder einer Belohnung endete. Selbst in dem Ebersbacher Übungsraum, in dem es nach Gummi, altem Schmieröl und Benzin stinkt, findet die Hundedame den Packen Geldscheine. 68 000 echte, aber zerlöcherte und damit wertlose Euro sind es, die sie im täglichen Training aufspürt. Und die haben tatsächlich einen ganz besonderen Geruch, nach Druckerfarbe und Papier. Von wegen: Geld stinkt nicht!

Noch sind Jörg Wohlfeil und seine vierbeinige Partnerin nicht zu einem echten Einsatz geholt worden. Rund um die Uhr kann die Leitstelle rufen, an einen Grenzübergang, zur Autobahn, als Unterstützung für einen Polizeieinsatz. Dass die Hündin ihr Handwerk versteht, hat sie ja bewiesen. An der Hundeschule im bayerischen Neuendettelsau wird schon überlegt, auch Schweizer Franken und Britische Pfund zu besorgen. Denn die riechen wieder anders als die Euros.

Ob Nelly auch bei Falschgeld anschlagen wird? Jörg Wohlfeil wird es herausfinden. Er und Nelly werden in elf Monaten in einer Mobilen Kontrollgruppe eingesetzt sein. Für viele andere Zöllner aus dem Löbauer Bereich steht noch nicht fest, wie es beruflich weitergeht. Denn wenn die Tschechen und Polen zur EU gehören, fallen die Zollkontrollen an den Übergängen und der grünen Grenze weg.