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Und immer wieder klappt der Enkeltrick

Oma soll fürs neue Auto zahlen. So fangen die meisten Enkeltrick-Fälle an. Der liebe Enkel sitzt im Autohaus und braucht dringend Geld für die Anzahlung. An sein eigenes kommt er nicht heran, weil es festgeschrieben ist.

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Von Daniela Pfeiffer & Frank Oehl

Oma soll fürs neue Auto zahlen. So fangen die meisten Enkeltrick-Fälle an. Der liebe Enkel sitzt im Autohaus und braucht dringend Geld für die Anzahlung. An sein eigenes kommt er nicht heran, weil es festgeschrieben ist. Leider kann er Omas Tausender auch gerade nicht persönlich abholen und schickt einen Freund. Der begleitet die Seniorin sogar zur Bank und nimmt das Geld in Empfang. Das sieht die alte Dame nie wieder.

20000Euro keine Seltenheit

So und ähnlich spielen sich die Betrügereien, die fast ausnahmslos an älteren Menschen probiert werden, ab. Das bestätigt Uwe Horbaschk, Pressesprecher der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien. „Der Enkeltrick ist leider ein Langzeitthema: alt, aber dennoch aktuell.“ Zwar ist die Anzahl der erfolgreichen Versuche zurückgegangen, trotzdem machen die Täter einen Reibach, wenn es doch wieder mal gelingt. „Dann geht es nämlich um Summen zwischen 10000 und 20000 Euro“, sagt Horbaschk. Im Bereich der PD seien bis Juli 17Fälle angezeigt worden. Davon klappten nur zwei, allerdings mit einem Schaden von 18600 Euro.

„Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist, denn viele Rentner schämen sich und zeigen die Täter nicht an“, sagt Horbaschk. „Andere wollen nicht, dass ihre Finanzen aufgedeckt werden.“ Dass die geglückten Versuche dennoch zurückgehen, sei nicht zuletzt der Aufklärungsarbeit der Polizei zu verdanken. Flyer, die an Einrichtungen und Institutionen verteilt werden, aber auch Vorträge trügen dazu bei. Auch Roland Fleischer, der jetzt nach Bautzen gewechselte Polizeirevierleiter in Kamenz, führt sie zum Thema durch. „Man kann gar nicht genug aufklären.“ Umso erschütterter reagierte er kürzlich auf einen Fall in Kamenz. Ein „guter Bekannter“ hatte es geschafft, einem 80-jährigen Rentner aus Kamenz über einen „guten Freund“ 3000 Euro für eine Schadensregulierung bei einem Unfall abzuluchsen, der nie stattgefunden hatte (die SZ berichtete). „Das Geld war weg und wird nie wieder auftauchen“, so Fleischer. Aufklären wird er also weiter.

Sparkasse hat wachsames Auge

Ein Vorgehen, das Uwe Horbaschk durchaus bestätigen kann. „In größeren Städten ist es natürlich einfacher, auf dem Dorf kennt jeder jeden, da ist das Entdeckungsrisiko zu hoch. Außerdem wohnen in Städten überdurchschnittlich viele Senioren. Deshalb haben wir hier auch die meisten Versuche.“

Inzwischen kooperiert die Polizei deshalb auch mit der Sparkasse. „Das war übrigens das einzige Geldinstitut, das dazu bereit war“, betont Uwe Horbaschk. Sparkassensprecherin Katrin Sumpf erklärt, wie Mitarbeiter eventuell Schlimmeres verhindern können: „Wir informieren sie ständig über die Praktiken der Täter, denn die wechseln ja ziemlich oft“, sagt sie.

„Außerdem versuchen wir in Kundengesprächen zusätzliche Informationen zu bekommen, sobald wir merken, dass sich ein Kunde untypisch verhält.“ Gerade in kleineren Filialen falle es auf, wenn etwa eine ältere Dame plötzlich 10000Euro in bar abhebe.