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„Und plötzlich brannte es nebenan lichterloh“

Löste eine Unachtsamkeit am Sonntag den Hausbrand in Freital-Döhlen aus? Die Polizei ermittelt.

Von Jane Jannke

Von dem terrakottafarben verputzten Einfamilienhaus am Döhlener Mittelweg steht nur noch eine tote Hülle. Verkohlte Balken ragen in den Himmel, wo noch am Sonntag ein Dachstuhl war. Wenn der Wind auffrischt, weht beißender Brandgeruch über die idyllischen Grundstücke der Umgebung. Während auch gestern noch Feuerwehrkräfte die Brandruine auf Glutnester kontrollieren, erholen sich die Anwohner langsam von dem Schock am späten Sonntagnachmittag, das Geschehen hatte sie die ganze Nacht lang in Atem gehalten.

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Das Haus brannte völlig aus. Es besteht Einsturzgefahr. Foto: R. Halkasch
Das Haus brannte völlig aus. Es besteht Einsturzgefahr. Foto: R. Halkasch © Roland Halkasch

Von einem Moment auf den nächsten war das Elternhaus von Werner P., das der 77-Jährige gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin bewohnt hatte, in Flammen aufgegangen. „Es roch auf einmal stark nach Rauch, und ich wollte die Fenster schließen gehen. Und da brannte nebenan das Haus lichterloh“, berichtet Cäcilia Fiebich, deren Großmutter Ruth im Nachbarhaus wohnt. Auch ihnen steht der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben. Eigentlich hatte sie sich am Sonntag nur um die kranke Oma kümmern wollen, als sich die Ereignisse nebenan überschlugen. „Bevor ich reagieren konnte, kam schon die Feuerwehr, und wir mussten alle aus dem Haus“, erzählt die 27-Jährige.

Mit sieben Löschzügen und 63 Kameraden rückt die Freiwillige Feuerwehr Freital an, erst nach Stunden ist der Brand gelöscht. Doch bevor sie zum Löschen kommen, müssen die Feuerleute zunächst ein paar Dutzend Schaulustige zur Seite schieben, wie Cäcilia Fiebich berichtet. „Das waren Leute, die ich hier noch nie gesehen hatte, einfach nur schlimm.“

Wie Familie Fiebich, werden mehrere Bewohner umliegender Häuser sicherheitshalber evakuiert. Die 82-jährige Ruth Fiebich, die mit einem Halswirbelbruch ans Bett gefesselt ist, muss über Nacht in einem Pflegeheim untergebracht werden. „Aber das ist ja alles zu verkraften im Gegensatz zu dem, was die älteren Herrschaften von nebenan jetzt durchmachen müssen.“ Schon seit jeher, weiß Cäcilia Fiebich, habe Werner P. hier gewohnt. Nun ist von dem Haus seiner Kindheit nichts mehr geblieben. Noch gestern stehen P. und dessen Lebensgefährtin unter Schock, können nicht begreifen, was geschehen ist. Nur ihr nacktes Leben konnten sie retten, das Haus selbst ist völlig zerstört. Es herrscht Einsturzgefahr.

Doch wie konnte es überhaupt zu dem Unglück kommen? Nach wie vor ermittelt die Polizei zur Brandursache. Angaben der Polizeidirektion Dresden zufolge haben Nachbarn Werner P. am Sonntagnachmittag auf dem Dach seines Hauses mit einer Art Brenner hantieren sehen, kurz darauf war das Feuer ausgebrochen und hatte binnen Minuten den gesamten Dachstuhl erfasst. Auch Cäcilia Fiebich sah den Rentner in luftiger Höhe werkeln. „Dann brannte es auch schon, und Herr P. konnte sich gerade noch vom Dach retten.“

Der Senior flüchtet mit seiner Partnerin zu Fiebichs nebenan, bricht im Vorgarten zusammen und muss notfallmedizinisch behandelt werden, seine Lebensgefährtin erleidet eine Rauchgasvergiftung und muss ins Krankenhaus.

Inwieweit eine kleine Unachtsamkeit zu dem Inferno führen konnte, muss nun die Polizei klären. Noch am nächsten Tag ist das Paar so mitgenommen von den Ereignissen, dass Beamte es nach kurzer Zeit fortschicken, als es erschüttert vor den Trümmern seines Zuhauses steht. Derweil bot die Stadt ihre Hilfe bei der Vermittlung von Wohnraum an für den Fall, dass keine Möglichkeit besteht, vorübergehend bei Verwandten unterzukommen. „In Zusammenarbeit mit unserer Wohnungsgesellschaft gäbe es da sicher einen Weg“, sagt Stadtsprecherin Inge Nestler.