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Und täglich grüßt der Kommissar

Der 7. Tukur-„Tatort“ war weder genial, noch Wahnsinn. Er war der Abklatsch eines Klassikers.

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Lka-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur, r.) und Stefan Gieseking (Christian Ehrich) begegnen sich wieder und wieder. Murot wird erschossen – mehr als einmal.
Lka-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur, r.) und Stefan Gieseking (Christian Ehrich) begegnen sich wieder und wieder. Murot wird erschossen – mehr als einmal. © HR/Bettina Müller

Von Thomas Schade

Nach über 1.000 „Tatorten“ muss man Mitleid haben mit den Autoren. Es wird immer schwerer, bisher nicht da gewesene Stoffe zu kreieren. Dietrich Brüggemann ist das in seinem ersten „Stau“ (2016) bestens gelungen. Da mussten die Stuttgarter Ermittler in einer ellenlangen Autokolonne den Tod eines Mädchens aufklären.

Nun hatte es der vielgelobte Regisseur und Autor in Wiesbaden mit Kommissar Felix Murot zu tun – bekannt für extravagante Fälle. Er lädt schon mal zum großen Geballer („In Schmerzen geboren“, 2014) oder begeht Selbstmord („Es lebe der Tod“, 2016). Dann war es zwei Jahre still.

Nun schickt Brückemann den von Ulrich Tukur stets brillant gespielten Murot in die Zeitschleife. Kein sehr origineller Einfall, denn die Idee ist über 30 Jahre alt.

1986 ließ der US-Autor Ken Grimwood seinen Helden Jeff Winston im Roman „Replay“ (Das zweite Spiel) einen Herzinfarkt nach dem anderen erleiden – dazwischen immer wiederkehrende Episoden aus dem Leben des Helden. 1993, im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, geriet der TV-Wetterfrosch Phil Connors in einem US-Provinznest in die Zeitschleife: Ausgerechnet nach dem Murmeltier-Tag, den der Ort feiert, wacht Wetterfrosch Connors wieder und wieder im Hotel auf. Seither ist das Murmeltier ein Synonym der Zeitschleife.

LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur, li.) und Nadjas Nachbar (Jens Wawrczeck).
LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur, li.) und Nadjas Nachbar (Jens Wawrczeck). © HR/Bettina Müller

Nun der Krimi „Murot und das Murmeltier“. Wer den Kinoklassiker kannte, wusste beim Titel, was kommen würde. Wer ihn nicht kannte, dürfte danach den Kopf geschüttelt haben. Fast ein Dutzend mal die gleiche Leier: Zwölf mal Murot im Bad, Murot und die Joggerin, Murot und das Kind, das zum Vater will, die Scheibenwäscherin, der verschüttete Kaffee, der Papierflieger ... Man musste schon durchhalten. Zumal die Botschaft vom immer wiederkehrenden Alltag, den man durchbrechen sollte, zwar anklang, aber nie rüberkam.

So war es Ulrich Tukur, der zwischen Bett und Tatort zeigen konnte, wie wandlungsfähig er ist. Doch bei aller Klasse fiel es auch Tukur schwer, seine Ermittlungsfortschritte darzustellen, sie spielten so gut wie keine Rolle. Entsprechend grotesk das Ende dieses Banküberfalls mit Geiselnahme.

Aber das ist sekundäre Kritik, denn „Murot und das Murmeltier“ hatte bereits im September 2018 Premiere und erhielt den Filmkunstpreis. Brüggemann nennt seinen zweiten „Tatort“ einen „riesengroßen Klamauk“. Aber wie viel davon verträgt ein Krimi? Es ist fraglich, ob Klamauk der Weg ist, auf dem Deutschlands dienstälteste TV-Reihe aus der Zeitschleife findet.