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Und wie waren Ihre Kopfnoten?

Die SZ fragte Prominente aus dem Landkreis Bautzen nach ihrer Meinung über Kopfnoten und nach Erinnerungen an die eigenen in der Schule.

© Bildmontage: SZ

Seit dem Schuljahr 2000/20001 erhalten Sachsens Schüler Zensuren für Betragen, Mitarbeit, Fleiß und Ordnung. Das Entstehen dieser Kopfnoten findet das Verwaltungsgericht Dresden verfassungswidrig. Sie könnten das Recht des Schülers auf freie Berufswahl verletzen, argumentiert das Gericht. Ein Urteil, das Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) so nicht stehen lassen will. Die SZ fragte Prominente aus dem Landkreis Bautzen nach ihrer Meinung und nach Erinnerungen an die eigenen Kopfnoten in der Schule.

Torsten Gütschow, Trainer des Fußball-Regionalligisten Budissa Bautzen.
Torsten Gütschow, Trainer des Fußball-Regionalligisten Budissa Bautzen. © Archiv: Ronald Bonß

"Ich halte viel von Kopfnoten und verstehe die Diskussion nicht. Es geht doch bei Fleiß und Ordnung um Werte, die wir Erwachsenen unseren Kindern mit auf den Weg geben. Bitte und Danke sagen zum Beispiel. Ich habe solche Werte selbst für mein Leben mitbekommen und versuche, sie jetzt meinen beiden Zwölfjährigen zu vermitteln. Ich selbst war in Mitarbeit und Ordnung gut. Im Betragen kam manchmal halt der Junge durch."

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Prof. Barbara Wuttke, Direktorin der Staatl. Studienakademie Bautzen
Prof. Barbara Wuttke, Direktorin der Staatl. Studienakademie Bautzen © Archiv: : SZ/Uwe Soeder

"Ob ich mich an meine Kopfnoten erinnern kann? Damals fand ich den Begriff seltsam und habe mich oft über die nicht so toll bewertete Mitarbeit geärgert. Mit dem ,Rest' waren auch meine Eltern sehr zufrieden. Ich finde, heute sind Kopfnoten wichtiger, als zu meiner Schulzeit. Sie drücken für das Berufsleben so wichtige soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit aus.“

Michael Harig, Landrat des Landkreises Bautzen
Michael Harig, Landrat des Landkreises Bautzen © Archiv: SZ/Uwe Soeder

"Ich war natürlich ein Junge, da gab es schon mal im Betragen oder in der Ordnung Abstriche. Auch deshalb sind Kopfnoten unverzichtbar, da doch sonst gar kein Spiegel mehr vorgehalten wird. Die Verrechtlichung unseres Alltages ist geradezu grotesk. Gesunder Menschenverstand und politischer Wille scheinen zum Spielball einer Judikative geworden zu sein, die Gewaltenteilung auf ihre eigene Weise interpretiert.“

Gerhard Lemm, Oberbürgermeister der Stadt Radeberg
Gerhard Lemm, Oberbürgermeister der Stadt Radeberg © Archiv: Thorsten Eckert

"Das Gericht hat sich ja nicht gegen Kopfnoten ausgesprochen, sondern die Art und Weise ihres Zustandekommens bemängelt. Ich sehe da Für und Wider. Für Eltern können die Noten Hinweise geben, was der Junior so in der Schule treibt. Wir schauen bei Einstellungen in der Stadtverwaltung auch auf die Kopfnoten. Aber wenn Kinder für eine Eins in Betragen dem Lehrer nach dem Munde reden, erziehen wir so keine mündigen Bürger.“

Angelika Heinrich, Buchhändlerin aus Bischofswerda
Angelika Heinrich, Buchhändlerin aus Bischofswerda © Archiv: Steffen Unger

"In meinen Augen sind Kopfnoten unverzichtbar. Sie messen den Umgang mit Werten wie Ordnung, Disziplin und Pünktlichkeit, wofür die Schulzeit doch entscheidende Weichen für den weiteren Lebensweg stellt. Und sie helfen bei der Einschätzung von Bewerbern bei der Berufswahl. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke – mir haben die Kopfnoten nicht geschadet. In Betragen und Ordnung hatte ich immer eine Eins."

Marko Schiemann, Landtagsabgeordneter der CDU aus Bautzen
Marko Schiemann, Landtagsabgeordneter der CDU aus Bautzen © Archiv: Christoph Reichelt

"Dank dieser Zensuren wissen die Eltern, wo es bei den Kindern klemmt und wo nicht. Kopfnoten können Ehrgeiz anstacheln. Und sie sagen einiges aus: Wenn einer in Mathe eine Drei hat, in Fleiß aber eine Eins, dann beweist das doch, dass der Schüler Willen zeigt. Wenn ich mal eine Drei hatte, wollte ich auf dem nächsten Zeugnis dort unbedingt eine Zwei haben. Diese Motivation hat mir viel für mein ganzes Leben mitgegeben.“

Roland Dantz, Oberbürgermeister der Stadt Kamenz
Roland Dantz, Oberbürgermeister der Stadt Kamenz © Archiv: Matthias Schumann

"Kopfnoten sind sinnvoll, auch, wenn sie mich meist geärgert haben. Ich hatte nie eine 1 oder 2 in Betragen. Natürlich stehen eher subjektive Einschätzungen dahinter. Was für den einen Lehrer Munterkeit bedeutet, heißt beim anderen schon Renitenz. Und wie schnell kann aus Phantasie bloße Spinnerei werden? Aussagen über Grundtugenden müssen halt hinterfragt werden. Auch bei Einstellungsgesprächen. Was ist schlimm dabei?“

Heinrich Schleppers, Druckerei-Unternehmer aus Bautzen
Heinrich Schleppers, Druckerei-Unternehmer aus Bautzen © Archiv/Robert Michael

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"Wenn ich da zurückdenke, waren nicht nur Kopfnoten entscheidend, sondern auch der Text der Beurteilung. Fleiß war immer ziemlich gut, was ich bei den Hausaufgaben zu faul war, habe ich durch außerschulische Arbeit wieder rausgeholt. Im Großen und Ganzen haben mir die Kopfnoten nicht geschadet. So hatten doch meine Eltern einen Überblick, was der Kerl macht. Kopfnoten sind ein Wegweiser für das Allgemeinverhalten."