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Und wieder Indonesien

Sänger aus dem Großenhainer Land kehrten kurz vor dem Corona-Lockdown aus Südostasien zurück. Jetzt berichten sie darüber.

Kommunikation mit Händen und Füßen, Google-Übersetzer oder auch
Dolmetscherin: Die Verständigung der Sänger aus Deutschland mit den Einheimischen funktionierte.
Kommunikation mit Händen und Füßen, Google-Übersetzer oder auch Dolmetscherin: Die Verständigung der Sänger aus Deutschland mit den Einheimischen funktionierte. © Foto: St. Jänke

Kurz bevor der Flugverkehr in Südostasien corona-bedingt eingestellt wurde, kehrte sie noch planmäßig heim: die Gruppe aus 26 reiselustigen SängerInnen aus dem Wantewitzer Kirchenchor, dem Jugendchor Großenhain-Reinersdorf-Ebersbach und dem Eltern-Lehrer-Ehemaligen-Chor des Netzwerks Kinderchöre und der Kantorei Mühlberg, die nach 2019 zum zweiten Mal ein kleines Dorf im Norden der indonesischen Insel Halmahera besuchten.  Am 11., 12. und 13. September berichten die Reiseteilnehmer nun mit einer multimedialen Veranstaltung von dieser Reise, die neben intensiven Begegnungen mit den Bewohnern des Dorfes Bori nahe dem Äquator bei vielen gemeinsamen Aktivitäten auch eine Expedition in den dort noch unberührten Dschungel beinhaltete. Mit einer eindrucksvollen Präsentation aus Fotos und Videos erzählen die Reisenden von ihren authentischen Erlebnissen, dazu wird eine Tasse indonesischen Kaffees gereicht. Am Souvenirtisch kann man außerdem noch den einen oder anderen indonesischen Snack verkosten. Und: die Veranstaltung soll auch einen guten Zweck haben: Die sehr schlicht ausgestattete Grundschule von Bori wird mit Hilfe von Spendengeldern ausgebaut. Die Spenden, die von den Besuchern der Veranstaltung erbeten werden, fließen zu 100 Prozent in die Infrastruktur. (mit St. Jänke)

Der Chor- und Reiseleiter hat zur Reise und den bevorstehenden Veranstaltungen der SZ Rede und Antwort gestanden.

Herr Jänke, wie kommt man zu so einem exotischen Reiseziel?

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Durch Zufall. Bei meinem ersten Aufenthalt auf Halmahera 2016 sprach mich auf einer mehrstündigen Fährpassage ein junger Mann auf Englisch an (das passiert Ausländern dort eigentlich ständig), und daraus hat sich eine echte Freundschaft und Partnerschaft mit Leuten in Bori entwickelt, die in den beiden Gruppenreisen gipfelte.

Wie kann man sich den Aufenthalt in einem Dorf fernab jeglicher touristischer Infrastruktur vorstellen?

Es bedeutet vor allem Komfortverzicht. Die Einheimischen haben uns in ihren Häusern beherbergt und uns auch komplett verpflegt, denn Hotels und Restaurants gibt es im weiten Umkreis nicht. Sich mit dem dort üblichen Standard eines Eigenheims zu bescheiden - angefangen von den Schlafräumen bis hin zu den sanitären Einrichtungen - war eine Herausforderung, die aber alle Reisenden gemeistert haben. Wir haben also selbst erlebt, wie krass die Unterschiede auf diesem Planeten sind.

Was sollte man über Bori wissen?

Es ist ein Straßendorf direkt an einem wunderschönen Strand. Dort leben etwa 1.000 Leute, es gibt fünf Kirchen dreier Konfessionen – alle Leute gehören zu irgendeiner Gemeinde. Die Leute leben von der Landwirtschaft, haben ihre Felder und Gärten im
Hinterland. Sie bauen Cassava, Gemüse, Früchte und Gewürze an, überall stehen Kokospalmen. Sie halten manchmal Schweine und Hühner, aber alle gehen fischen. Fast alle sind Selbstversorger.

Ist Corona dort auch ein Thema?

Ja, es gibt auch dort fernab der Metropolen den Lockdown mit allen Maßnahmen, aber es scheint akut niemand betroffen zu sein. Da das Dorf wirklich abseits liegt, scheint das Virus es noch nicht dorthin geschafft zu haben.

Konnten Sie sich im Dorf verständigen?

Das war eine weitere Herausforderung: Englisch war nicht immer eine Option - beidseitig … Aber es gibt ja den Google-Übersetzer, der für Indonesisch-Deutsch hervorragende Dienste tut. Außerdem hatten wir eine Dolmetscherin angeheuert.

Warum haben Sie dieses kleine Dorf ein zweites Mal besucht, hat man da nicht in einer Woche alles gesehen?

Das Dorf selbst ist tatsächlich klein und unscheinbar, aber es gibt einen herrlichen Strand, man kann in der Nähe schnorcheln, Ausflüge zu Inseln und Vulkanen in der Nähe sind möglich – insofern wird es dort auch bei einer dritten oder vierten Reise sicher nicht langweilig. Außerdem haben wir quasi eine Schulpatenschaft aufgebaut, die wir auch jetzt nach der zweiten Reise weiterpflegen.

Wie wollen Sie diese Beziehung weiter gestalten, gerade auch jetzt, wo das Reisen auf längere Sicht schwierig sein wird?

Es gibt bereits konkrete Ideen: Wir sammeln mit den Reiseberichts-Veranstaltungen Spenden, um den Ausbau der Grundschule abschließen zu können. Dieses Projekt ist mittlerweile auch Teil des Klimaprojekts, das vom Jugendchor und dem Wantewitzer Kirchenchor ausgeht und das als eigentliches Ziel hat, CO2-Kompensation durch Aufforstung zu erreichen. Indonesien ist dafür hervorragend geeignet, und die Leute in Bori sind voll dabei. Allerdings ist das nur zu realisieren, wenn zur Aufforstung eine soziale bzw. wirtschaftliche Komponente tritt. Sprich, wir planen, Land teilweise aufzuforsten und teilweise landwirtschaftlich zu nutzen. So kann im Dorf einerseits Einkommen erzielt werden, während sich gleichzeitig der Wald erholt. Gewinne des Projekts sollen in die Bildung der Kinder – also die Grundschule – investiert werden.

Die neuste Idee ist außerdem, ein Kochbuch mit typisch indonesischen Gerichten zusammenzustellen. Das ist ein Projekt, das man sehr gut auf Distanz betreiben kann. Familien aus Bori werden sich und ihren Alltag mittels eines Rezeptes vorstellen …

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Termine: 11. September, 19.30 Uhr, Kirche Oberebersbach; 12. September, 19 Uhr, Rathaussaal Mühlberg; 13. September, 17 Uhr, Kirche Wantewitz. Eintritt frei, Spenden erbeten.

Achtung, begrenzte Platzzahl! Es wird um Anmeldung unter [email protected] oder 0177 8186775 gebeten. 

Eine Begegnung mit Tarsius – der kleinste Primat der Welt - gehörte zu den außergewöhnlichen Begegnungen der Sänger.
Eine Begegnung mit Tarsius – der kleinste Primat der Welt - gehörte zu den außergewöhnlichen Begegnungen der Sänger. © Foto: Andreas Gruhl

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