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Und wieder verschwindet eine Neißebrücke

Seit dieser Woche wird die Himmelsbrücke bei Hartau abgerissen. Nicht alle Zittauer sind darüber froh.

Von Jan Lange

Zittau. Langsam bahnt sich der orangefarbener Laster seinen Weg. Da es auf dem Hartauer Dammweg sehr eng ist, geht es nur rückwärts voran. Der Laster bringt kleine Steine, mit denen die Fläche neben der Neißebrücke aufgeschüttet wird. Seit Montag sind die Bauarbeiter zugange. Noch in diesem Jahr soll der Abriss der Himmelsbrücke abgeschlossen sein. Von der baufälligen Grenzquerung steht derzeit nur noch der Brückenbogen samt Fundamenten. Die Brückengeländer sind schon seit gut zwei Jahren weg, damals hatten sie Diebe mit einem gestohlenen Radlader abrasiert.

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Die Himmelsbrücke wurde bereits in früheren Zeiten oft zum illegalen Grenzübertritt genutzt, wie der Zittauer Martin Siwek weiß. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zum Beispiel zahlreiche Flüchtlinge hier herüber. Wenn es einer von Polen auf die deutsche Seite geschafft hatte, wurden anschließend gleich die Stacheldrahtzäune erhöht, erinnert sich Siwek. Gebaut wurde die Himmelsbrücke im Jahr 1927. Selbst erlebt hat es der Rentner nicht, er wurde erst 1932 geboren. In seiner Jugend ist er aber oft über die Brücke gegangen oder gefahren. Denn seine Eltern besaßen auf beiden Seiten der Neiße Land. „Mit vier Jahren bin ich auf Vaters Fahrrad über die Brücke gefahren, später dann selber mit Ochsengespannen und Lkws“, erzählt der 81-Jährige. Die Himmelsbrücke war der einzige Grenzübergang zwischen der Ratsapotheke und Hartau. In den letzten Kriegstagen wäre die Brücke fast vernichtet worden. Ein russischer Flieger hatte zwei Bomben abgeworfen. Eine streifte zwar das Bauwerk, zerstörte es aber nicht. Die zweite Bombe landete im benachbarten Graben.

Was der russische Bomber nicht geschafft hatte, wird nun nachgeholt. Schon seit Längerem soll die Himmelsbrücke abgerissen werden – ebenso wie andere Neißebrücken. Verschwunden sind bereits die Brücke in Drausendorf sowie die Brücke „An der Reißigmühle“. Für die Himmelsbrücke dauerte es lange, bis die Abrissgenehmigung vorlag. Doch dann stellte sich die Untere Denkmalbehörde quer und lehnte einen Abbruch ab. Die Landesdirektion entschied aber für die Landestalsperrenverwaltung und genehmigte den Abriss, der jetzt begonnen hat. Auch Siwek gehört zu den Zittauern, die darüber nicht froh sind. „Ich kann es nicht verstehen, dass sie abgerissen wird“, sagt der 81-Jährige. Kaputtmachen sei seiner Meinung nach leicht, aufbauen und erhalten hänge dagegen immer von der finanziellen Lage ab.