merken
PLUS Kamenz

Erinnerung an eine friedliche Eroberung

Vor 30 Jahren zogen die Oberlichtenauer auf den bis dahin gesperrten Keulenberggipfel. Anlass für ein Fest am Sonntag.

An den Marsch von 1989 erinnert auch dieser Gedenkstein auf dem Gipfel. Hier kommen am kommenden Sonntag wieder viele Menschen hoch. Der Heimatverein hat zum Berg-frei!-Fest eingeladen.
An den Marsch von 1989 erinnert auch dieser Gedenkstein auf dem Gipfel. Hier kommen am kommenden Sonntag wieder viele Menschen hoch. Der Heimatverein hat zum Berg-frei!-Fest eingeladen. © Rick Hanisch

Oberlichtenau. Berg frei! – so lautet der „Schlachtruf“ des Vereins der Heimatfreunde des Keulenberges. Der kommt bekanntlich nicht von ungefähr. Vor genau 30 Jahren, am 12. November 1989, wurde der „Berg der Heimat“ durch die Menschen an seinen Füßen und Flanken gewissermaßen zurückerobert. Drei Tage, nachdem die Mauer gefallen war, brachen auch auf dem Gipfel die massiven Zäune ein und gingen Schlagbäume hoch. Viele in Oberlichtenau, Großnaundorf oder Reichenau erinnern sich noch gut an diesen Sonntag. Sie hatten darauf verzichtet, sich gleich am ersten Wochenende ohne Grenzwall in Westberlin die 100 Mark Begrüßungsgeld abzuholen. Offenbar gab es Wichtigeres.

27 Jahre lang war der Gipfel tabu

Ab 1962, also 27 Jahre lang, war es Anliegern verboten gewesen, den Keulenberggipfel zu betreten. Für Verstöße wurden drastische Strafen angedroht. Der Berg der Heimat war den kalten Kriegern geopfert worden. Seine „exponierte geografische Lage“ könne für einen „optimalen Einsatz von funk- und funktechnischer Anlagen“ genutzt werden, hieß es. Außerdem lag der Truppenübungsplatz Königsbrück in Sichtweite. Offiziell wurde auf dem Gipfel ein Schulungsobjekt der Volkspolizei betrieben, aber eigentlich gab es viel weitergehende sicherheitspolitische und militärische Aktivitäten. Es gab Übungen der NVA auf dem Gipfel, und auch die Sowjetarmee bezog hier oft für längere Zeit Quartier. Und es versteht sich, dass auch die Stasi nicht weit weg war. 

Anzeige
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage

In Hainichen kann ab sofort sicher, sorglos und sozial wertvoll Geld angelegt werden.

Am 12. November 1989 zogen Tausende aus den umliegenden Dörfern auf den Keulenberggipfel. Die Rückeroberung des Berges der Heimat wurde ein friedliches Fest.
Am 12. November 1989 zogen Tausende aus den umliegenden Dörfern auf den Keulenberggipfel. Die Rückeroberung des Berges der Heimat wurde ein friedliches Fest. © Keulenbergverein

Der angestaute Frust der Menschen entlud sich vor drei Jahrzehnten in einer bemerkenswert friedlichen Bergbesteigung. Tausende waren unter dem Motto „Ein freies Volk für einen freien Berg“ hochgezogen und hatten die Hoheit über den Gipfel für die Menschen zurückerobert. Und selbst, wenn später bei weitem nicht alle Träume in Erfüllung gegangen sind, soll das historische Geschehen nun am Sonntag, dem 10. November, in ein besonderes Keulenbergfest münden. Der Verein der Heimatfreunde des Keulenberges lädt dazu ein, „30 Jahre Berg frei“ zu feiern.

Dazu gibt es einen gemeinsamen „symbolischen Aufstiegs“ zum Gipfel, Treff dazu ist um 10.30 Uhr am Lindengasthof in Oberlichtenau. „Vor dort aus wird auch ein regelmäßiger Bus-Shuttleverkehr eingerichtet, den vor allem Ältere und Gehandicapte nutzen können“, wie Rick Hanisch vom Vereinsvorstand mitteilt.

Kremsermugge spielt im Pavillon

Das Gleiche gilt natürlich auch für den gemeinsamen Abstieg, der 16 Uhr beginnen soll. Auf den mal geplanten Lampionumzug wird dabei verzichtet. Auf dem Gipfel spielt ab etwa 12.30 Uhr im Pavillon die Kremsermugge auf, Bürgermeisterin Barbara Lüke und Zeitzeugen werden an das Geschehen von damals würdigen. „Auch für das leibliche Wohl wird bestens gesorgt sein – mit Glühwein, Keulenberger Brat- und Bockwurst sowie Kaffee und Kuchen“, so Rick Hanisch. Die Wurzel wird also in Betrieb sein. Nun denn: Berg frei!

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Kamenz