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Görlitz

Uneinigkeit in der See-Frage

Das Netzwerk Motor Görlitz unterstützt OB-Kandidatin Franziska Schubert. Bedingungslose Gefolgschaft ist es aber nicht.

Wenn es um den Berzdorfer See geht, sind sich OB-Kandidatin Franziska Schubert und ihre Unterstützer uneinig.
Wenn es um den Berzdorfer See geht, sind sich OB-Kandidatin Franziska Schubert und ihre Unterstützer uneinig. © Foto: Nikolai Schmidt

Es ist wie in einer Ehe: Man muss nicht immer einer Meinung sein. Eine gute Streitkultur gehört dazu. Oder nicht?

Das Thema, bei dem sich OB-Kandidatin Franziska Schubert (Bündnisgrüne) und ihre Anhänger von Motor Görlitz gerade überhaupt nicht einig sind, hat Brisanz. Es geht um die Naturschutzzonen und das Revier der Segler am Berzdorfer See. Streng genommen prallen hier sogar Welten aufeinander. Axel Krüger von Motor Görlitz, der sich aktuell sehr für die Segler an der Blauen Lagune einsetzt, sogar ein Unterstützervideo gedreht und ins Netz gestellt hat – und auf der anderen Seite eben Franziska Schubert, die hier klar aufseiten der Naturschützer steht. Eine aktuelle Debatte auf der Internetplattform Facebook vermittelt den Eindruck, dass die Fronten verhärtet sein könnten. Entzweit sich hier gar das Team Motor Görlitz/Franziska Schubert? Immerhin ist die Landtagsabgeordnete die gemeinsame Kandidatin der Bürger für Görlitz, der Bündnisgrünen und des Netzwerkes Motor Görlitz.

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Doch bei Facebook gab sie jüngst genau all jenen Kommentaren ihre Zustimmung, die für ausgedehnte Vogelschutzgebiete sprachen und auf wissenschaftlich fundierten Untersuchungen basieren. Motor Görlitz spricht sich hingegen klar für die Segler und die touristische und sportliche Entwicklung des Sees aus. Gab es deswegen Krach hinter den Kulissen?

Beide Seite reagieren mit Schmunzeln. Und antworten klar mit Nein. „So einen Meinungsstreit muss man aushalten“, sagt Mike Altmann von Motor Görlitz. Wichtig sei, sich insgesamt auf eine gemeinsame Linie zu stellen. „Und da sind wir Franziska Schubert am nächsten.“ Selbst innerhalb von Motor Görlitz gebe es sehr unterschiedliche Ansichten zum See. Das Netzwerk sei schließlich keine Partei mit einem Parteienprogramm. „Ein buntes Meinungsbild ist hilfreich.“ Natürlich sei ihm nicht entgangen, dass Franziska Schubert in jener Debatte genau alle Kontra-Meinungen geteilt habe. „Wir haben uns daraufhin auch geschrieben und jeder hatte gute Gründe und Argumente. Wichtig ist, zu diesen Dingen im Austausch zu bleiben.“

Und so sieht auch die OB-Kandidatin keine Konflikte. Die Unterstützung von Motor Görlitz sei ungebrochen und wachsend. „Görlitz ist in Bewegung und Motor Görlitz trägt seinen Teil dazu bei. Das ist gut für Görlitz, denn ganz verschiedene Menschen machen mit.“ Und, dass sie mit Herzblut an die Sache herangehen, gefällt Frau Schubert. „Politik, die mit Herzblut gemacht ist, ist eine ehrliche Politik.“

Beim Berzdorfer See sei man sich im Grunde auch einig: Den Wunsch nach vielfältiger Nutzung, Transparenz, Mitsprache für alle am See Engagierten und Rückmeldung vom Landratsamt hätten beide. Wenn es Interessenkonflikte gibt, führe das natürlich zu Unzufriedenheit oder Stagnation. „Die Grundfrage ist: Wollen die Menschen den See als Naherholungsgebiet oder wollen sie eine touristische Entwicklung und wenn ja, in welchem Stil, für welche Zielgruppen und zu wessen Lasten?“ Wenn sie Oberbürgermeisterin wird, möchte sie hier Kompromisse finden und diejenigen einbeziehen, die sich seit Jahren am See engagieren. Das Verharren in Extrempositionen bringe hingegen nichts.

Auch bei der Stadthalle driften Motor Görlitz und Franziska Schubert ein wenig auseinander. Während Axel Krüger von Motor Görlitz für den bedachten Weg plädiert und eine neue Diskussion zu grundsätzlichen Fragen als sinnvoll erachtet, sähe Franziska Schubert gern die Neueröffnung der sanierten Stadthalle im Jahr 2024. Das allerdings erfordert schnelles Handeln, um die von Bund und Land zugesagten 36 Millionen Euro Fördermittel nicht zu gefährden. Mit Blick auf Motor Görlitz sagt sie aber: „Uns eint der Wille, eine Lösung zu finden, die sowohl den Bedürfnissen der älteren als auch der jüngeren Generation Rechnung trägt. Die Stadthalle wird nicht infrage gestellt.“