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Obergurig: Drohnenärger überm Wohngebiet

Einwohner fühlen sich von den kleinen Fluggeräten verunsichert. Ihr Einsatz ist auch nicht überall erlaubt - und kann für den Piloten richtig teuer werden.

Drohnen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, sorgen mitunter aber auch für Ärger, wie kürzlich in Obergurig, wo sich Anwohner gestört fühlten. Was ist eigentlich erlaubt?
Drohnen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, sorgen mitunter aber auch für Ärger, wie kürzlich in Obergurig, wo sich Anwohner gestört fühlten. Was ist eigentlich erlaubt? © Symbolfoto: dpa

Obergurig. So etwas kann einem schnell den lauen Sommerabend auf Balkon oder Terrasse verleiden: Ein surrendes Geräusch dringt durch den dämmerigen Himmel, ein kleines Licht taucht in geringer Flughöhe auf, verharrt einen Moment auf derselben Stelle, verschwindet dann in der Nacht. Verursacher der Ruhestörung sind in diesen Fällen oft Drohnen – also unbemannte Luftfahrzeuge oder Flugmodelle.

Die Unsicherheit, die solch ein ungebetener Besuch auslöst, kennen die Menschen in den Oberguriger Ortsteilen Lehn, Kleindöbschütz und Mönchswalde gut. Gemeinderat Toni Kletsch (Unabhängige Bürgerbewegung) berichtet, dass  Drohnenflüge die Bewohner dieser Ortschaften in den Monaten Mai und Juni immer wieder verunsicherten. Er erzählt: "Meist an den Wochenenden flog während dieser rund anderthalb Monate eine Drohne über das Gemeindegebiet. Die war schon bisschen größer, also definitiv kein Spielzeug, sondern ein Profigerät."

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Grenzenlose Flüge in der Nacht

Auch über ihm selbst, erzählt Kletsch weiter, sei die Drohne schon gekreist. Dabei habe sie auch vor Grundstücksgrenzen nicht halt gemacht, sei sogar meist zweimal pro Nacht über bewohntes Gebiet geflogen.

Erlaubt ist das nicht unbedingt. Laut Drohnen-Verordnung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ist der Betrieb von Drohnen über Grundstücken genauso verboten wie in der Nähe von Flugplätzen, Behörden, Naturschutzgebieten oder Menschenansammlungen. Die Sächsische Landesdirektion konkretisiert die Vorgaben bezüglich privaten Grundstücken wie folgt: "Der Betrieb des unbemannten Fluggeräts ist verboten über Grundstücken, wenn die Startmasse des Geräts mehr als 0,25 Kilogramm beträgt oder das Gerät oder seine Ausrüstung in der Lage sind, optische, akustische oder Funksignale zu empfangen, zu übertragen oder aufzuzeichnen." 

Begründet wird das mit datenschutzrechtlichen Vorgaben, es bedeutet konkret: Wer mit professionellem Gerät und ohne Genehmigung des Grundstückseigentümers bewohntes Gebiet überfliegt, begeht mindestens eine Ordnungswidrigkeit, gegebenenfalls sogar eine Straftat.

Bußgelder im fünfstelligen Bereich

Für Drohnenpiloten kann das richtig teuer werden. Es drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro. Strafrechtlich relevant werden die Verstöße dann, wenn beim Einsatz der Drohne tatsächlich die öffentliche Sicherheit gefährdet wird oder wenn Foto- oder Videoaufnahmen von Personen gemacht werden, die dem nicht zugestimmt haben. Zudem brauchen Drohnenflieger mit einem Gerät ab zwei Kilogramm Gewicht einen Kenntnisnachweis, ab fünf Kilo wird außerdem eine spezielle Erlaubnis der Luftfahrtbehörde benötigt. Generell dürfen Drohnen nur auf Sichtweite geflogen werden, und selbst das ist ab einer Flughöhe ab 100 Metern erlaubnispflichtig.

Alles das ist auch Toni Kletsch bewusst. Er sagt aber auch: "In Obergurig ist niemand mit solch einem Gerät registriert. Und was soll man tun, wenn man die Drohne sieht? Man kann da ja nicht hinterherlaufen. Und auch die Polizei zu rufen, bringt nix."

Anzeige bei Ordnungsamt oder Polizei empfohlen

Anja Leuschner, Pressesprecherin der Polizeidirektion Görlitz, sieht das anders: "Wer sich durch Drohnenflüge über dem Grundstück gestört fühlt, sollte sich mit dem zuständigen Ordnungsamt oder der Polizei in Verbindung setzen", rät sie.

Toni Kletsch wählte einen anderen Weg: Er brachte das Problem auf einer Gemeinderatssitzung zur Sprache. Das Protokoll der Sitzung veröffentlichte Obergurig im Gemeindeblatt. "Das scheint irgendjemand gelesen und Angst bekommen zu haben", sagt Kletsch rückblickend. Denn: "Seit Veröffentlichung des Textes sind Drohnenflüge über Lehn, Kleindöbschütz oder Mönchswalde nicht mehr vorgekommen."

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