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Unerwarteter Angriff in der Linie 13

Die 61-jährige Fahrerin einer Straßenbahn reagierte recht unwirsch auf einen Einsatz der Polizei. Das hatte nun Folgen vor Gericht.

Am Amtsgericht Dresden musste sich nun eine Straßenbahnfahrerin verantworten, die eine Polizeibeamtin in einem laufenden Einsatz abblitzen ließ.
Am Amtsgericht Dresden musste sich nun eine Straßenbahnfahrerin verantworten, die eine Polizeibeamtin in einem laufenden Einsatz abblitzen ließ. ©  Archiv/René Meinig

Für ihre eigenwillige Reaktion auf einen Polizeieinsatz am Elbepark stand eine 61-jährige Straßenbahnfahrerin am Freitag vor dem Amtsgericht Dresden. Wegen der Eskapaden, die sich die Frau mit einer Polizistin leistete, warf die Staatsanwaltschaft ihr „tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte“ vor.

Laut Anklage habe die Polizei dort eine Straftat aufklären wollen und die Bahnfahrerin zum Warten aufgefordert. Doch die Fahrerin der Bahn habe eine 30-jährige Beamtin durch mindestens zehnmaliges Betätigen des Schließmechanismus‘ attackiert. Die Polizistin sei in der Tür eingeklemmt und leicht verletzt worden.

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Die Angeklagte berichtete, sie habe an jenem Sonnabend, 12. Oktober 2019, die die Linie 13 gefahren und kurz nach 23 Uhr überraschend am Elbepark halten müssen. Ein Linienbus habe vor ihr in der Haltestelle gestanden, sei aber nicht losgefahren. „Plötzlich sah ich, wie 20, 25 Polizeibeamte an dem Bus vorbeigerannt sind“, so die 61-Jährige. Eine Beamtin sei „straffen Schrittes“ an ihre Bahn herangetreten, und so nahm das Unheil seinen Lauf.

„Das ist ungünstig gelaufen“

Die Angeklagte sagte, als die Beamtin an die Scheibe geklopft habe, habe sie erst einmal die Bahn ausschalten und sichern müssen. Da habe die Frau schon „verstärkt geklopft“. Sie habe der Polizistin daher mit einer Handgeste „Moment“ bedeutet. Erst dann habe sie den Knopf zum Öffnen der Tür gedrückt. Die Beamtin habe von einem laufenden Einsatz gesprochen und sie zum Warten aufgefordert, so die Angeklagte: „Ich habe geantwortet: Ich glaube nicht, dass das meinen Fahrgästen gefallen wird. Die haben für ihre Leistung bezahlt.“

Sie habe nun die Tür für eine Durchsage an die Fahrgäste geschlossen. Wieder habe die Polizistin geklopft, energischer. Sie habe gesagt, dass sie noch nicht fertig sei und habe der Ansage ein militärisches „Verstanden!“ angefügt. „Mein Eindruck war: Die ist aber gereizt, bissl forsch“, so die Angeklagte. Sie habe die Tür nun erneut geschlossen, „um meine Arbeit zu machen“, also Fahrgäste und die DVB-Leitstelle informieren.

Das war ein Fehler, abermals klopfte die Staatsmacht. Sie habe geöffnet, aber in der Aufregung gleich zweimal gedrückt, sodass die Polizistin in der sich wieder schließenden Tür stand. „Das ist ungünstig gelaufen“, gab die Fahrerin zu.

Nun habe ihr die Beamtin eine Reihe von Straftaten aufgezählt, derer sie sich schuldig gemacht habe, und sich den Ausweis geben lassen. Dann übernahm der Einsatzleiter die Arbeit mit der widerspenstigen Bahnfahrerin, nahm die Personalien auf, „das könne lange dauern“, habe der Mann gesagt, er habe viel zeit, berichtete die Angeklagte. So lange, auch das gab die 61-Jährige zu, habe das alles nicht gedauert. Insgesamt habe sie gerade sechs Minuten in der Haltestelle gestanden.

Die beiden Polizeibeamten berichteten als Zeugen wenig Kritikwürdiges. Sie hatten an der Haltestelle und in der Bahn nach Zeugen und Verdächtigen gesucht, weil es dort eine Auseinandersetzung gegeben hatte. Das in die Bahn der Angeklagten noch niemand eingestiegen war, hätten sie nicht wissen können.

"Sie haben Spielchen gespielt"

Angriff und Körperverletzung ließen sich nicht nachweisen, wohl aber die Ignoranz der Frau gegenüber dem laufenden Polizeieinsatz. Sie wurde daher wegen „Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte“ zu einer Geldstrafe von 2.400 Euro verurteilt.

"Sie haben Spielchen gespielt", sagte Richterin Annegret Lissel zur Angeklagten. In der Situation hätte die Angeklagte den Anweisungen der Polizei Folge leisten müssen: "Sie hätten die Beamtin ja auch fragen können, ob Sie ihre Fahrgäste informieren können."  

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