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Todesfahrer muss ins Gefängnis

Nico P. verursacht bei Lohmen einen schweren Unfall. Eine 20-Jährige stirbt dabei. Deren Familie sieht er nun vor Gericht.

Diesen Unfall überlebte eine 20-Jährige nicht.
Diesen Unfall überlebte eine 20-Jährige nicht. © Archiv/Marko Förster

Sie hatte noch das ganze Leben vor sich. Ihre Ausbildung hatte die 20-jährige Pirnaerin gerade beendet. Die erste gemeinsame Wohnung mit dem Freund war geplant, sogar von Hochzeit war die Rede. Doch ein einziger Abend zerstörte alle Pläne.

Am 26. Oktober letzten Jahres kam die junge Frau bei einem Verkehrsunfall zwischen Lohmen und Rathewalde ums Leben. Sie war gerade auf dem Weg zu einer Freundin. Angekommen ist sie dort nicht. Denn ihr Wagen stieß gegen 21.20 Uhr frontal mit einem Renault zusammen. Hinter dessen Steuer saß damals Nico P. Er setzte kurz nach dem Ortsausgang Lohmen zum Überholen an – trotz Überholverbot und uneinsehbarer Straße. Er übersah dabei den entgegenkommenden Wagen der 20-Jährigen. Die angehende Kranken- und Gesundheitspflegerin erlag noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen.

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Nico P. musste sich am Mittwoch wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht in Pirna verantworten. Laut Gutachter der Dekra war er mit rund 108 Stundenkilometern unterwegs, als der Unfall passierte. P. erlitt dabei mehrere Rippenbrüche. Im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass er getrunken hatte. Ein Alkoholwert von 1,21 Promille wurde in seinem Blut festgestellt. Warum er angetrunken Auto fuhr, wollte Richter Andreas Beeskow wissen.

Der 44-Jährige gab an, an dem Unglückstag eigentlich Zeit mit seinem damals 18-jährigen Sohn verbringen zu wollen. Der Koch wollte deshalb bereits nachmittags Feierabend machen. In der Gaststätte seiner Eltern in Dürrröhrsdorf-Dittersbach blieben die Gäste jedoch bis abends. Aus dem frühen Feierabend wurde deshalb nichts. P. sei frustriert gewesen, sagte er vor dem Schöffengericht. Er hätte sich daraufhin am Zapfhahn bedient. Über den Nachmittag und Abend verteilt soll er vier bis fünf Bier getrunken und schließlich gegen 21 Uhr in seinen Wagen gestiegen sein. „Ich war so ausgebrannt, ich wollte einfach nur noch nach Hause zu meinem Sohn“, sagte er, merkbar angespannt.

Mit den Folgen seines Überholvorganges auf dem Weg nach Hohnstein habe er nicht gerechnet. „Es war der schlimmste Fehler meines Lebens. Es tut mir aus tiefstem Herzen leid“, sagte er. Die Mutter des Angeklagten hatte im Zuge der Ermittlungen gegenüber einer Polizeibeamtin angegeben, sie hätte jedes mal Angst gehabt, mit ihrem Sohn im Auto mitzufahren, da er stets ziemlich schnell unterwegs gewesen wäre. P. gesteht, vor dem Unfall regelmäßig zu viel Alkohol konsumiert zu haben. Seit dem tödlichen Unfall aber habe er keinen Tropfen Alkohol mehr zu sich genommen, was das Gericht ihm glaubte. Der 44-Jährige suchte zudem den Kontakt zur Familie der 20-Jährigen, um sich zu entschuldigen. Auch das wurde vor Gericht als positiv gewertet.

Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs muss Nico P. für zwei Jahre und drei Monate in Haft – ohne Bewährung. Den Führerschein bekommt er erst nach drei Jahren und sechs Monaten zurück.

Für die Eltern von Nico P. bedeutet das, dass sie ihr Gasthaus vermutlich schließen müssen, da der Sohn als Koch ausfallen wird. Für die Angehörigen des Unfallopfers ist das Urteil kein Trost. Sie leiden bis heute unter den Folgen des Unfalls und dem Verlust der Tochter. Richter Beeskow bewertet die Strafe als gerecht. Der Angeklagte Nico P. zerstörte mit seiner Entscheidung, unter Alkoholeinfluss Auto zu fahren, gleich zwei Familien: die, der Getöteten und seine eigene, sagte Beeskow. (Maria Schiekel)

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