merken
PLUS Bischofswerda

Darum wird auf der B 6 jetzt wieder geblitzt

Zu schnell, zu laut, zu viel Verkehr: Bewohner eines Dorfes bei Bischofswerda schreiben an den Landtag. Das bringt einiges in Bewegung.

Die Kreuzung auf der B 6 am "Dürren Fuchs" bei Schmiedefeld: Für die Nachbarn ist die Verkehrs- und Lärmbelastung unerträglich geworden.
Die Kreuzung auf der B 6 am "Dürren Fuchs" bei Schmiedefeld: Für die Nachbarn ist die Verkehrs- und Lärmbelastung unerträglich geworden. © SZ/Uwe Soeder

Großharthau. An der B 6 im Großharthauer Ortsteil Schmiedefeld wohnt es sich nicht mehr schön. Anwohner wussten sich wegen der hohen Verkehrsbelastung und dem damit verbundenen Lärm keinen anderen Rat mehr und schrieben an den Petitionsausschuss des Sächsischen Landtages

Um sich ein Bild zu machen und mögliche Lösungsvorschläge zu finden, lud dessen Mitglied Frank Richter, parteiloses Mitglied der SPD-Fraktion, vor ein paar Tagen Vertreter von Behörden zu einem Ortstermin ein. Das Ergebnis sind erste Maßnahmen - und einige Ideen, wie das Problem durch bauliche Veränderungen in den kommenden Jahren gelöst werden könnte. 

Anzeige
Schlossherr gesucht!
Schlossherr gesucht!

Herbst-Auktionen mit außergewöhnlichen Immobilien aus Ostsachsen

Mehrere schwere Unfälle auf der Kreuzung

Auf der B 6 nahe des geschlossenen Gasthauses "Dürrer Fuchs" treffen mehrere Probleme zusammen.  Hier münden die Straßen aus Schmiedefeld und Seeligstadt an unübersichtlicher Stelle in die Bundesstraße. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der B 6 ist auf 70 km/h begrenzt. Doch viele fahren deutlich schneller. 

Auf der Kreuzung kam es in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Unfällen. Im Jahr 2018 waren es drei, wobei zwei Menschen leicht verletzt wurden. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei zwei Unfälle mit zwei Schwerverletzten. In diesem Jahr gab es noch keinen Unfall, was auch daran liegen mag, dass die Ortsdurchfahrt Seeligstadt wegen Straßenbauarbeiten gesperrt ist.

Bei allen sechs Unfällen kamen Autofahrer aus einer der beiden Nebenstraßen und wollten nach links abbiegen, sagt Anja Leuschner, Pressesprecherin der Polizeidirektion Görlitz. Dabei kollidierten sie jeweils mit einem Fahrzeug, das auf der B 6  von rechts kam und Vorfahrt hatte.  

Zur Verkehrssicherheit kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Laut Anwohnern sind es vor allem Motorradfahrer, die Gas geben und laut aufdrehen. Einige Wohnhäuser befinden sich unmittelbar neben der Straße. Fenster wurden bereits mit Lärmschutzglas nachgerüstet. Doch im Garten Ruhe zu finden, ist bei dieser Verkehrsbelastung nicht möglich, sagt Frank Richter.

Für stationären Blitzer fehlen Voraussetzungen

Ab Juli wollen Landratsamt und Polizei wieder regelmäßig am "Dürren Fuchs" die Geschwindigkeit kontrollieren. Geplant sind zwei bis vier Messungen im Monat, sagt Sabine Rötschke, Sprecherin des Landratsamtes. Im vergangenen Jahr führte die Kreisbehörde an dieser Stelle zehn, in diesem Jahr bisher zwei Kontrollen durch. Bedingt durch die Corona-Pandemie erfolgten von März bis Mai keine mobilen Messungen durch das Landratsamt. 

Für den Vorschlag, einen stationären Blitzer an der Kreuzung bei Schmiedefeld aufzustellen, sieht man im Landratsamt keine Möglichkeit. Laut Kreisbehörde fehlen dafür die baulichen Voraussetzungen. So lassen sich die eichrechtlichen Vorschriften aufgrund von Ein- und Ausfahrten in diesem Bereich nicht einhalten. Das Messgerät weiter entfernt von der Wohnbebauung aufzubauen, hätte nicht den gewünschten Effekt. Zudem ist dann die Gefahr groß, dass die Anlage zerstört werden könnte.  

80.000 bis 100.000 Euro kostet es, ein stationäres Messgerät zu errichten. "In der langfristigen Haushaltsplanung des Kreises sind diese finanziellen Mittel nicht vorhanden", sagt Sabine Rötschke. 

Bürgermeister schlägt Bau eines Kreisverkehrs vor

Von Großharthaus Bürgermeister Jens Krauße (SPD) kommt der Vorschlag, langfristig über einen Ausbau der Kreuzung zu einem Kreisverkehr nachzudenken. Damit könnte die Unfallkreuzung nicht nur baulich entschärft werden. Ein Kreisverkehr dient auch der Verkehrsberuhigung, da Kraftfahrer, egal aus welcher Richtung sie kommen, bremsen müssen.  

Aus Sicht von Jens Krauße ist die Zeit günstig, jetzt über diesen Vorschlag zu diskutieren. Zum einen sind seit Jahren Pläne im Gespräch, den Radweg entlang der B 6 vom Bischofswerdaer Ortsteil Goldbach bis zum Fischbacher Kreuz zu verlängern. Außerdem soll die Bergkuppe auf der Bundesstraße zwischen Großharthau und der Schmiedefelder Kreuzung irgendwann einmal abgetragen werden, um die Straße sicherer zu machen. "In diesem Zusammenhang hat es Sinn, auch über einen Kreisverkehr nachzudenken", sagt Jens Krauße. 

Im zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr hält man sich zurück. "Wir bitten um Verständnis, dass wir dem Votum des Petitionsausschusses des Sächsischen Landtages nicht vorgreifen wollen", sagt Pressesprecher Franz Großmann.  

Frank Richter sieht Handlungsbedarf. Die Petition der Bürger sei völlig berechtigt, sagt er.  Er gibt aber auch zu bedenken, dass der Staat nicht alle Probleme lösen könne, wo in der Gesellschaft keine Rücksicht genommen wird. 

Weiterführende Artikel

So geht es in diesem Jahr beim Ausbau der Ortsdurchfahrt weiter

So geht es in diesem Jahr beim Ausbau der Ortsdurchfahrt weiter

Die Hauptstraße in Seeligstadt ist eine der größten Baustellen des Landkreises. Gebaut wird in zwei Bereichen.

Neuer Radweg an der B 6

Neuer Radweg an der B 6

Eine neue Trasse soll zwischen Goldbach und Fischbach entstehen. Nur in Großharthau müssen die Radler auf die Straße.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bischofswerda