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Ungelöstes Rätsel um Keramikplatte

Eine Coswigerin soll betrogen haben. Ihr Ex-Freund entlastet sie mit seiner Aussage und einer schlüssigen Begründung.

Von Jürgen Müller

Gut Ding will Weile haben, auch bei der Justiz. Und so dauern manche Verhandlungen etwas länger. Oder müssen noch einmal angesetzt werden, wie in diesem Fall. Gründlichkeit geht eben vor Schnelligkeit. Schon Mitte Dezember war am Amtsgericht Meißen eine 38-jährige Coswigerin wegen Betrugs angeklagt. Ihr wurde vorgeworfen, bei Ebay eine Grafikkarte für einen Computer im Wert von 650 Euro verkauft zu haben. Doch als das Paket beim Verkäufer ankam, sei nur eine völlig wertlose Keramikplatte dringewesen. In einem anderen Fall soll die Frau eine Autobatterie für 21,50 Euro angeboten und verkauft haben. Auch die wurde bezahlt, aber nie geliefert. Der Verkäufer hatte sich bei den Portokosten vertan und dann statt 20 Euro 40 verlangt. Der Käufer verhandelte gar nicht erst, sondern erstattete gleich Anzeige wegen Betrugs.

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Die Coswigerin, die schon zweimal wegen Betrugs verurteilt wurde, stritt ab, mit den vorgeworfenen Betrügereien irgendetwas zu tun zu haben. Vielmehr sei es ihr Ex-Freund, der das gemacht und dabei ihren Ebay-Zugang genutzt habe. Der jedoch konnte damals nicht angehört werden, weil er gar nicht geladen war. Ein Fortsetzungstermin scheiterte. Denn der Mann befindet sich wegen einer anderen Tat in Untersuchungshaft. Die Haftanstalt war nicht in der Lage, ihn zum Termin ins Gericht nach Meißen zu bringen.

Diesmal ist er da, gefesselt und bewacht von drei Justizangehörigen. Seine Aussage entlastet die Frau völlig. „Sie hat mit den Verkäufen nichts zu tun, das habe alles ich gemacht“, sagt er. Der 33-Jährige kritisiert die Ermittlungsbehörde. Weder er noch seine Ex-Freundin seien in dem Ermittlungsverfahren angehört worden. „Dann hätten wir das aufklären und uns das hier alles sparen können“, sagt er.

Wie die Keramikplatte in das Paket gekommen sei, könne er sich nicht erklären. Durchaus möglich ist, dass auf dem Postweg am Paket manipuliert wurde. Und es ist auch nicht auszuschließen, dass der Käufer selbst betrügen wollte, die Grafikkarte austauschte, Fotos machte und bei der Polizei Anzeige erstattete. Der Zeuge erklärt auch schlüssig, warum es keinen Sinn mache, über den Bezahlsystem Pay-Pal zu betrügen. Das Geld sei nur kurze Zeit auf dem Konto und würde sofort zurückgebucht, wenn die Ware nicht geliefert wird.

Nach dieser Aussage steht für die Staatsanwältin fest: „Die Angeklagte hat die Verkäufe nicht getätigt.“ Der Freispruch ist folgerichtig. „Es ist in diesem Verfahren nicht zu klären, wer die Keramikplatte in das Paket gelegt hat. Die Angeklagte war es jedenfalls nicht“, begründet Richter Michael Falk sein Urteil. Für ihn ist außerdem fraglich, ob die Sache mit der Batterie überhaupt Betrug war. Denn nachdem man sich nicht wegen der Portokosten einigen konnte, wurde das Geld an den Käufer zurücküberwiesen.

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