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Großenhain

Ungenutzte Röderquerung gekappt

Züge fuhren auf dem ehemaligen Betriebsgleis in Großenhain schon lange nicht mehr. Kurz war ein Radweg im Gespräch.

Am Donnerstag wurde das Brückenteil aus Stahl nahe des Bergkellers abgebaut.
Am Donnerstag wurde das Brückenteil aus Stahl nahe des Bergkellers abgebaut. © Thomas Riemer

Von Thomas Riemer

Großenhain. Züge fahren an dieser Stelle nahe des Großenhainer „Bergkellers“ schon lange nicht mehr. Zuletzt, insbesondere nach den Bauarbeiten an der ICE-Strecke, diente das Stahlgerüst lediglich Bauleuten und Neugierigen als Röderüberquerung. Aber auch Kinder, die am Fluss spielten, wurden gesichtet.

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Seit Donnerstag gibt es die Querung nicht mehr. Eine Abrissfirma hat das große Stahlteil mittels riesigem Kran am Vormittag aus der bisherigen Verankerung gehoben und neben dem Fluss abgelegt. Wer den Auftrag dazu gegeben hat, konnten die Arbeiter vor Ort nicht sagen. 

Auch im Großenhainer Rathaus war man am Donnerstag etwas überrascht. Die Vermutung, dass der Abbau mit dem Hochwasserschutz in diesem Bereich in Verbindung zu bringen ist, bestätigte sich nicht. „Es ist keine Maßnahme der Landestalsperrenverwaltung“, so LTV-Pressesprecherin Britta Andreas. Die Deutsche Bahn ließ eine SZ-Anfrage bis zum Nachmittag unbeantwortet.

Alteingesessenen Großenhainern ist die Brücke ganz sicher als Bestandteil eines früheren Betriebsgleises bekannt. Das führte auf einer Länge von rund anderthalb Kilometern vom Cottbuser Bahnhof zur Schmiede mit Halt am früheren Agrotechnischen Zentrum an der heutigen Mülbitzer Straße. 

Nach der Wende wurde das Gleis 1995 von der Gesenk- und Freiformschmiede samt Lok für eine D-Mark an den Agroservice verkauft. Das Unternehmen sollte überregionaler Umschlagplatz werden. Noch 2002 war Hochsaison auf dem Gleis, bis zu zwei Güterzüge pro Tag wurden abgefertigt, Getreide und Kaolin transportiert. Zusammengestellt wurden die Züge auf dem Cottbuser Bahnhof, die Waggons dann mit einer Werk-Lok vom Agroservice zu dessen Betriebsgelände gebracht. Untergebracht war die Lok in einem modernen Lokschuppen, der in einer Getreide-Lagerhalle installiert war.

Doch letztlich war der Unterhalt für die Gleise inklusive der drei Brücken über den Mühlgraben, den Hopfenbach und eben die Röder zu hoch. 2008 wurde das Gleis endgültig stillgelegt, 2016 abgebaut. Die Werk-Lok wurde ebenfalls 2008 verkauft, diente danach als Ersatzteilspender in Großkoschen. 

Mit dem Gleis verschwanden auch die unbeschrankten Bahnübergänge – unter anderem auf der B 101 in Richtung Meißen, auf der Riesaer Straße (vor dem heutigen Bauwerk der ICE-Strecke) sowie nahe der Jahnkampfbahn. An die „aktiven“ Zeiten der Gleisnutzung erinnern heut lediglich noch einige Privatvideos, die im Internet veröffentlicht wurden.

Kurzzeitig hatte auch die Stadt Großenhain im Zusammenhang mit dem Bahn-Umbau große Pläne für das alte Gleisbett. Die Idee: Ein Radweg könnte die kürzeste Verbindung zwischen den Ortsteilen Zschieschen und Mülbitz sein. Doch die Pläne wurden 2016 verworfen. Am Bergkeller werde die Strecke für einen Radweg zu schmal, habe die Prüfung ergeben, so seinerzeit Bürgermeister Tilo Hönicke.

Nun ist die Querung also verschwunden. Was aus den steinernen Blöcken wird, die die Brücke stützten, ist momentan nicht bekannt.

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