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Ungepflegte Bäume sorgen für Kritik

Meißner aus Korbitz und Winkwitz ärgert, dass sich niemand um das Stadtgrün kümmert. Der städtische Bauhof ist überlastet.

Vertrocknete Bäume in Korbitz. Seit zwei Jahren macht ein Anwohner die Stadt darauf aufmerksam. Bisher sei aber noch nichts passiert.
Vertrocknete Bäume in Korbitz. Seit zwei Jahren macht ein Anwohner die Stadt darauf aufmerksam. Bisher sei aber noch nichts passiert. © Claudia Hübschmann

Meißen. Einige vertrocknete, abgerissene Äste, vorbeigehende Menschen, die Kirschen von den Bäumen pflücken, fehlende oder verrottete Stützpfeiler für die Jungpflanzen: Das sind für den Laien kaum ersichtliche Schäden an verschiedenen Bäumen, die die Stadt in Korbitz und Winkwitz vor mehreren Jahren gepflanzt hat. Anwohner bemängeln jedoch, dass keiner die Bäume pflegt. In ihren Augen führt das zu nachhaltigen Schäden und letztlich zum Absterben der Bäume.

So erklärt ein Korbitzer, dass er seit zwei Jahren schon versuche, die Stadtverwaltung zum Handeln zu bewegen. Er möchte unerkannt bleiben, um die Aufmerksamkeit nicht auf sich zu lenken, sondern auf die Sache. 2016 errichtete die Stadt in Korbitz einen etwa 300 Meter langen Schutzwall, der das angrenzende Wohngebiet vor Wasserfluten schützen soll – bei Starkregen. Dafür wurden mehrere Bäume, Sträucher und Kleingewächse gepflanzt. Eine Streuobstwiese und ein Zaun vollenden den Schutzwall.

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Den Korbitzer stört, dass viele Stützpfeiler verrottet und eingestürzt sind. Zum Teil haben sie die kleinen Bäume mitgerissen. Manche davon haben Anwohner befreit und die Holzpfeiler zur Seite geräumt. „Bei vielen Bäumen sind die Schnüre um den Stamm über die Jahre eingewachsen beziehungsweise so fest, dass die Bäume zusehends Schaden erleiden“, erklärt der Mann am Telefon. Zudem seien einige Bäume abgestorben und könnten ersetzt oder entsorgt werden.

Fehlender Haushalt 2020 verhindert Pflege

Auf Anfrage erklärt die Stadt, dass es keine zwingende Notwendigkeit gebe, die Stützpfeiler zu erneuern. Denn die Bäume seien 2016 gepflanzt wurden. „In der Regel gilt ein Baum nach drei bis vier Jahren Standzeit nach der Pflanzung als angewachsen, sodass dann eine Baumverankerung nicht mehr zwingend erforderlich ist“, sagt Stadtsprecher Michael Eckardt. Nach Angaben der Stadt sei nur ein Baum vertrocknet. Dieser müsse allerdings nicht ersetzt werden. Nur solche, die nach drei Jahren eingehen. Die Schnüre sind nach Michael Eckardt ebenso kein Problem: Denn diese seien noch nicht so weit eingewachsen, dass ein Schaden drohe.

Die Baumschule Tamme aus Meißen hat bis 2019 den Gehölzstreifen in Korbitz gepflegt. Deshalb ist nun der städtische Bauhof in der Verantwortung. Dieser kümmert sich in Meißen unter anderem um die Pflege von Park- und Grünanlagen sowie Spielplätzen. Derzeit erarbeitet der Bauhof einen neuen Vertrag, damit die Pflege des Schutzwalls für die nächsten Jahre abgesichert ist. Bevor jedoch Geld fließt, muss zunächst der städtische Haushalt für 2020 freigegeben werden, erklärt der Stadtsprecher.

Doch nicht nur in Korbitz gibt es Probleme. Auch in Winkwitz ärgert Anwohner, dass sich kein Mitarbeiter aus der Stadt um die Obstbäume am Eichberg und auf der Elbtalstraße kümmert. So erklärt ein ansässiger Eigentümer, dass die Bäume nicht regelmäßig gepflegt werden. „Vorbeigehende Wanderer, die unachtsam an den Ästen ziehen, um die Früchte zu pflücken, geben den Bäumen dann den Rest.“ Der Meißner besitzt in der Nähe ein eigenes Grundstück.

Trockene Obstbäume am Straßenrand bei Winkwitz.
Trockene Obstbäume am Straßenrand bei Winkwitz. © Claudia Hübschmann

Der Bauhof erhält zusätzliche Finanzmittel

Die Stadt bestätigt, dass diese Bäume keinen hohen Stellenwert haben. So sagt Stadtsprecher Michael Eckardt: „Aus Gründen der Verkehrskontrolle waren diese Straßen bisher noch nicht in die höhere Priorität eingeordnet.“ Zudem liegen der Stadt dazu keine Bürgeranfragen vor. Zumindest nicht aus diesem Jahr. Denn seit Ende 2017 weiß sie schon, dass die Obstbäume in einem schlechten Zustand sind. Damals versprach man, falls notwendig, entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Bisher sei jedoch nur wenig passiert, kritisiert der Anwohner.

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Ein Grund ist: Der städtische Bauhof sei momentan an seine Kapazitätsgrenze gelangt, so Michael Eckardt. Das liege vor allem an dem verstärkten Pflanzenwachstum der zu mähenden städtischen Flächen. Insgesamt sind das knapp 140.000 Quadratmeter oder eine Fläche von etwa 20 Fußballfeldern. Mit dem Haushalt 2021 sollen deshalb zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen, um diese Arbeiten von Dritten ausführen zu lassen. Ob dann die Obstbäume an der Elbtalstraße und auf dem Eichberg einen höheren Stellenwert in der Pflege erlangen? Das bleibt in Zeiten von Corona fraglich. Denn momentan gehen Schulen, Kitas und Spielplätze vor – wegen der höheren Sicherheitserwartung, erklärt die Stadt.

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