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Ungewöhnliche Zeiten in Reim-Form

Ein Zehnjähriger aus Bergen hat ein Gedicht seinem Leben mit der Pandemie gewidmet.

Bodi Jo Volkmer ist gern an der Schwarzen Elster unterwegs – derzeit nur allein. Er schreibt darüber auch in seinem Gedicht.
Bodi Jo Volkmer ist gern an der Schwarzen Elster unterwegs – derzeit nur allein. Er schreibt darüber auch in seinem Gedicht. © Foto: Mirko Kolodziej / Montage: Susann Metasch

Bergen/Hoyerswerda. Mit seinem besten Freund Denny kann Bodi Jo Volkmer aktuell nur telefonieren. Die vom Land Sachsen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie erlassenen Regeln sehen eben nicht nur Schulschließungen vor – in Bodis Fall jene der Hoyerswerdaer Grundschule „Handrij Zejler“. Sondern die Ausgeh- und Kontaktbeschränkungen gelten auch für Kinder. Wenn der Zehnjährige aus Bergen von der Gegenwart spricht, nennt er sie „Corona-Zeit“. Er erlebt sie wie unzählige Kinder auf der Welt mit Heim-Beschulung; so gut das eben geht. Bodi spielt zudem hinterm elterlichen Haus Fußball oder drinnen am Computer, sieht ein wenig fern, liest in einem von Jochen Tills „Luzifer-junior“-Büchern – oder unternimmt einsame Ausflüge an die Schwarze Elster. Der Bergener mag den Fluss und ist dort normalerweise oft mit seinen Freunden zu finden – wenn er nicht gerade dienstags und donnerstags mit der E-Jugend-Mannschaft des heimischen LSV auf dem Fußballplatz trainiert.

Der Frühling des Jahres 2020 wird ihm sicherlich lange in Erinnerung bleiben. Seinen aktuellen Alltag hat Bodi in Form eines vierstrophigen Gedichts zu Papier gebracht. „Wir sollten ein Frühlingsgedicht schreiben“, schildert der aufgeweckte Junge eine Schul-Aufgabe, die die Mädchen und Jungen der Klasse 4a der Adler-Schule aus der Ferne erreichte. Und so fing auch Bodi mit dem Dichten an. Für Reim und Metrik bat er seinen Opa um Hilfe.

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Das fertige Werk bekam noch Illustrationen verpasst, dann wurde es mit dem Mobiltelefon fotografiert und an Lehrerin Silvia Wenke geschickt. Die Pädagogin war ein wenig überrascht und auch beeindruckt, als sie das Ergebnis sah: „Es sind tiefgründige Gedanken für diese aufwühlende Zeit.“ Die Lehrerin sagt, sie sei momentan besonders stolz auf all ihre Schülerinnen und Schüler, die zu Hause trotz der Schulschließung sehr fleißig allein oder mit ihren Eltern lernen würden: „Besonders schwer ist es, sich ohne die Hilfe der Mitschüler und die Begleitung eines Lehrers selbst zu motivieren.“

Sie versucht, ihren Schützlingen dennoch so gut wie möglich beizustehen. Bodi zeigt zum Beispiel einen Brief, den die Pädagogin an die Kinder geschickt hat – versehen unter anderem mit der Aufgabe, ein Osterei mit typisch sorbischen Motiven zu verzieren. Bodi wächst zweisprachig auf, besucht eine der Witaj-Klassen in der Adler-Grundschule. Und als Viertklässler steht der Junge aktuell vor einem Schulwechsel. Wenn die Anmeldezahlen es hergeben, würde er künftig gern in Hoyerswerdas Léon-Foucault-Gymnasium lernen. Wie freilich Ende August die Schule organisiert sein wird, das kann – wie Vieles – im Moment niemand so genau sagen.

Bodis Mutter berichtet jedenfalls, dass die Betreuung eines Heim-Schülers nicht immer ganz spannungsfrei ist. Lehrer studieren schließlich nicht umsonst neben den jeweiligen Fächern auch die Kunst des Unterrichtens. Allerdings sind mittlerweile dem häuslichen Frieden zuträgliche Maßnahmen ergriffen worden – unter anderem eine räumliche Trennung. Aber abends, da ist man wieder beisammen. Dann radeln Bodi und seine Eltern gemeinsam los. Struktur, weiß man, ist wichtig.

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