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Unglaubwürdige Zeugen

Das Amtsgericht Weißwasser hatte jetzt darüber zu befinden, ob ein 24-Jähriger tatsächlich ohne Fahrerlaubnis am Steuer eines Autos saß.

Von Jost Schmidtchen

Marcel Peto* (24) aus Weißwasser soll am 28. Juli 2014, um 18.55 Uhr, mit einem Pkw Mazda auf der Friedensstraße in Boxberg gefahren sein, obwohl er keine Fahrerlaubnis besitzt. Wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis musste er sich nun vor dem Amtsgericht Weißwasser verantworten. Eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung lag in der Luft, sollte sich der Sachverhalt bestätigen. Darauf machte Amtsrichter Ralph Rehm auch diejenigen Zeugen aufmerksam, die die Geschichte in Gang gebracht hatten. Zur Wahrheitspflicht ist zwar jeder Zeuge verpflichtet, aber hier waren dem Gericht auch persönliche Hintergrunddifferenzen bekannt. Schließlich waren der Angeklagte und die Anzeigeerstatterin einmal ein Pärchen. Die Beziehung endete im Juli 2013 unschön.

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Der Angeklagte bestritt von Anbeginn den Vorwurf. Er sei an diesem Tag und zu dieser Zeit überhaupt nicht in Boxberg gewesen. Vielmehr mit seinem Kumpel, dem der Mazda gehört, bei seiner Mutter in Weißwasser. Diese bestätigte die Angabe. Auch der Besitzer des Mazdas betonte, dass er es grundsätzlich nicht gestatte, dass ein anderer mit seinem Auto fährt. Außerdem war ihm auch sehr wohl bekannt, dass Marcel Peto keine Fahrerlaubnis besitzt. Die Exfreundin Nina Fohry* feierte zu besagter Stunde vor dem Wohnblock in der Boxberger Friedensstraße eine kleine Party. Da soll Marcel Peto im Mazda vorbeigefahren sein: „Skrupellos, mit auffälligem Fahrstil, komisch im Auto sitzend und geradeaus schauend.“ Alle Partygäste hätten daraufhin ganz aufgeregt gesagt: „Nina, du musst jetzt sofort die Polizei informieren.“ Ninas Bruder, auch Partygast, tischte dem Gericht die gleiche angebliche Wahrnehmung auf. Die Polizei kam 20 Minuten später und hielt sich in der Friedensstraße nicht lange auf. Den Mazda sichteten die Beamten später am „Schweren Berg“ in Weißwasser. Da saß der Angeklagte aber auf dem Beifahrersitz.

Für Marcel Peto stand die Freiheit auf dem Spiel. Immerhin ist er einschlägig mehrfach vorbestraft und stand wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zum angeblichen Tatzeitpunkt unter Bewährung. Der Staatsanwalt meinte, den Geschwistern glauben zu dürfen und forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten. Da wären die drei Monate aus dem letzten Urteil noch dazugekommen. In seinem letzten Wort bezeichnete Marcel Peto die beiden Zeugen als Lügner und versicherte, aus seinem Vorleben gelernt zu haben.

Amtsrichter Ralph Rehm erkannte in seinem Urteil auf Freispruch. „Die Zeugenaussagen“, so der Amtsrichter, „waren allesamt nicht glaubhaft belegt. Da gilt: Im Zweifel für den Angeklagten.“

* Namen geändert

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