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Uniklinikum erforscht neue Methode bei ADHS

Statt Medikamenten gibt es für die jungen Patienten PC-Spiele. Die beeinflussen die Hirnströme und damit die Konzentration.

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© Steffen Füssel

Von Juliane Richter

Kinder mit ADHS sind meist hibbelig und unkonzentriert. Vor allem in der Schule bereitet ihnen die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung Probleme. Dem Unterricht zu folgen und sich Dinge zu merken, fällt ihnen schwer. Während viele Mediziner diese Störungen bisher mit starken Medikamenten behandeln und somit das nervöse Verhalten unterdrücken, beschreitet das Dresdner Uniklinikum jetzt einen neuen Weg.

Professor Christian Beste behandelt die Kinder und Jugendlichen mit dem Neurofeedback. Dabei werden die entscheidenden Hirnströme positiv beeinflusst. Am Uniklinikum geschieht das mit speziellen Computerspielen und Videos. Dabei zeichnen fünf Elektroden, verteilt am Kopf, die Hirnströme auf und senden sie an das Gerät. Nun muss der Patient Konzentrationsaufgaben lösen, wie zum Beispiel auf dem Bildschirm allein ein Auto zu bewegen. Verändern sich die Hirnströme, fährt das Auto Runden. Professor Beste empfiehlt, dabei ganz gezielt an das Lenkrad oder den Fuß auf dem Gaspedal zu denken. Die Teilnehmer können aber auch Rechenaufgaben lösen und dabei sich derart auf die Aufgabe fokussieren, dass das Auto ebenfalls bewegt wird. Schaffen sie das, sollen sie diese Technik wiederum im Alltag anwenden können und somit ruhiger werden. „Erste Studien aus den USA haben deutliche Verbesserungen gezeigt“, sagt Christian Beste. Die Behandlung am Uniklinikum soll nun ebenfalls im Rahmen einer Studie durchgeführt werden. Nur so können die Patienten kostenlos behandelt werden, denn bisher kommen die Krankenkassen nicht für diese Behandlung auf.

Die Psychologen empfehlen, zweimal wöchentlich eine Stunde an dem Computer zu trainieren. Richtige Erfolge sollen je nach Ausprägung der ADHS nach etwa acht Wochen zu sehen sein. Da etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen unter ADHS leiden, geht das Uniklinikum von einem regen Zuspruch aus. Inwieweit durch das Neurofeedback Medikamente komplett weggelassen werden können, ist bisher noch nicht klar. „Bei schweren Fällen wird man wohl auch zukünftig Medikamente einsetzen müssen“, sagt Beste. Zudem kämen diese wohl nicht immer für die neue Behandlung infrage, weil sie sich gar nicht eine Stunde lang auf die Aufgaben am Rechner konzentrieren können.