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Großenhain

Unkrautweg statt Unkraut weg

Ein alter Gehweg ist in einem desolaten Zustand und verärgert die Anwohner. Denn sie haben seit Jahren nur Arbeit damit.

An dieser Stelle des Gehwegs in Oelsnitz wächst sogar ein kleiner Kirschbaum aus den Fugen zwischen den Betonplatten.
An dieser Stelle des Gehwegs in Oelsnitz wächst sogar ein kleiner Kirschbaum aus den Fugen zwischen den Betonplatten. ©  Anne Hübschmann

Lampertswalde. Es ist der einzige Gehweg in Oelsnitz. Und der ist auch noch schlecht gebaut. Die Mangelwirtschaft der DDR zeigt hier auch noch 29 Jahre nach ihrem Untergang ihre Blüten. Unkraut wächst regelmäßig durch die Fugen der Betonplatten. Sie wurden, wie sich ein Oelsnitzer erinnert, etwa 1980 verlegt. Aber ohne ordentlichen Unterbau, so wie er heute gang und gäbe ist.

Wenn sich nicht die Anwohner kümmern würden, wäre der Gehweg entlang der Straße Am Bach schon längst zugewachsen. Doch nun reicht es ihnen. „Wenn Sie jedes Jahr vier- bis fünfmal den Gehweg vom Unkraut befreien sollen, verfluchen sie Gott und die ganze Welt“, schimpft eine Anwohnerin. Mehr als 50 Meter lang ist der marode Plattenweg vor ihrem Grundstück. Sie erzählt, wie sie im vergangenen Sommer einmal früh um 5.45 Uhr angefangen hat, ihn sauber zu machen, damit sie sich nicht in der Hitze des Tages schinden müsse. „Aber ich war bis Mittag noch nicht fertig. So viel Unkraut war das.“, sagt sie.

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Wenn diese Pflegemaßnahme, zu der jeder laut Straßenanliegersatzung der Gemeinde Lampertswalde verpflichtet ist, nur einmal im Jahr anstehen würde, wäre das alles kein Problem. „Doch dieser Gehweg ist nur noch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“, sagt ein anderer Anwohner. Er habe das Problem bereits vor anderthalb Jahren Bürgermeister Wolfgang Hoffmann vorgetragen. Doch geschehen ist nichts.

Jetzt brachte der Oelsnitzer das Dilemma im Gemeinderat erneut ins Gespräch. „Diesen Gehweg braucht keiner“, sagt er. Im oberen Teil der Straße Am Bach seien Platten mittlerweile so uneben, dass die wenigen Leute, die dort wohnen, lieber auf der Straße gehen als auf dem Fußweg.

Bürgermeister Hoffmann will sich den Schuh nicht anziehen. „Hier ist in den letzten Jahrzehnten nichts gemacht worden“, sagt er. „Nun holt uns der Investitionsstau ein.“ Und den habe seiner Meinung nach die Vorgängergemeinde Weißig am Raschütz zu verantworten. Bis zur Gemeindefusion mit Lampertswalde hätte der Gehweg längst erneuert werden müssen, zumal auch die darunterliegende Abwasserleitung dringend sanierungsbedürftig ist.

Hoffmann würde gern helfen. „Doch die Pflichtaufgaben unserer Gemeinde liegen im Moment woanders“, sagt er und verweist auf die derzeitige Haushaltssperre. Die hat sich die Gemeinde Lampertswalde selbst auferlegt, nachdem sie Anfang des Jahres darüber informiert wurde, dass Gewerbesteuer-Rückzahlungen fällig sind. Laut Auskunft des Bürgermeisters muss Lampertswalde 250 000 Euro Gewerbesteuern des Steinbruchs Brößnitz und sogar eine halbe Million Euro von Kronospan zurücküberweisen. Das hat im Gemeindehaushalt ein riesiges Loch geschlagen. „Wir haben zurzeit so viel Steuerrückzahlungen, dass wir kein Geld in der Kasse haben“, wirbt Gemeinderat Dierk Bade um Verständnis.

Wie Bauamtsleiterin Catrin Niemz mitteilt, seien im Haushalt rund 90 000 Euro für Straßensanierung und ähnliche Baumaßnahmen vorgesehen. Aber dieses Geld reicht bei Weitem nicht für die Erneuerung des mehr als 350 Meter langen Gehwegs in Oelsnitz. „Nur pflastern allein macht keinen Sinn“, sagt die Bauamtsleiterin mit Verweis auf den schlechten Zustand des Straßenentwässerungssystems.

„Ich kann nachvollziehen, dass momentan kein Geld da ist, um den Gehweg in Ordnung zu bringen“, sagt der Anwohner. Doch dass die Gemeindeverwaltung Mahnschreiben verschickt, weil der Gehweg nicht vom Unkraut gesäubert ist, finden nicht nur er, sondern auch andere Oelsnitzer für unangebracht. Denn für den schlechten Zustand des Gehweges können sie schließlich nichts.

Die Anwohner hoffen, dass ihr rund 40 Jahre alter Fußweg bei der Haushaltsplanung berücksichtigt wird, wenn es der Gemeinde Lampertswalde finanziell wieder besser geht.

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