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Unnötige Aufregung um Ortsumfahrung

Per Brief an Minister Dulig fordern 455 Wiednitzer und Unterstützer den Stopp einer Planung, die es noch gar nicht gibt.

Das ist eine unverbindliche Darstellung des Korridors, auf dem die Umgehungsstraße von Bernsdorf in Richtung Wiednitz und weiter nach Brandeburg verlaufen könnte – so zu finden im beschlossenen Landesverkehrsplan Sachsen 2030. Die Betonung liegt auf unver
Das ist eine unverbindliche Darstellung des Korridors, auf dem die Umgehungsstraße von Bernsdorf in Richtung Wiednitz und weiter nach Brandeburg verlaufen könnte – so zu finden im beschlossenen Landesverkehrsplan Sachsen 2030. Die Betonung liegt auf unver © Repro: Ralf Grunert

Wiednitz. Einwohner aus dem Bernsdorfer Ortsteil Wiednitz haben am vergangenen Donnerstag einen offenen Brief an Sachsens Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr gesendet. Innerhalb sehr kurzer Zeit war dieser Brief an Martin Dulig von 455 Einwohner und Unterstützer von außerhalb unterzeichnet worden. Das ist mehr als die Hälfte der Einwohnerzahl von Wiednitz. Anlass für das Schreiben ist die geplante Umgehungsstraße um Bernsdorf, wie Thomas Mansfeld im Namen der Unterzeichner des offenen Briefes informiert.

„Im gerade erst beschlossenen Landesverkehrsplan 2030 wird die Verlegung der Staatsstraße S 92 als wichtiges Projekt aufgeführt. Die Straße sollte als Umgehungsstraße die Orte Bernsdorf und Wiednitz entlasten und Unfallschwerpunkte entschärfen. Mit Erschrecken mussten wir feststellen, dass die geplante Strecke unseren Ort Wiednitz teilt. Das heißt, dass der Ortsteil Heide samt unserem einzigen Kindergarten vom Hauptort getrennt wird. Das ist für uns nicht tragbar“, heißt es im offenen Brief, in dem auch klargestellt wird: „Eine Umgehungsstraße sollte um den Ort herumführen und nicht mitten durch! Bürger sollten durch Neubaustrecken entlastet werden und nicht belastet!“

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Naturschutz und Schwerlastverkehr

Die Unterzeichner des Briefes befürchten, dass durch den geplanten Streckenverlauf ein großer Teil der Natur im ortsnahen Bereich zerstört wird. „Das Quellgebiet des geschützten Ruhlander Schwarzwassers sowie Feuchtgebiete entlang des Ufers wären direkt von diesem Bau betroffen.“ Außerdem macht den Wiednitzern Sorgen, dass die S 92 als Verlängerung der S 94 von der Autobahn A 4 bei Burkau kommend ein Teil der Straßenverbindung zur Autobahn A 13 bei Ruhland darstellen soll. „Für den Schwerlast-Fernverkehr wird diese Strecke eine willkommene Abkürzung werden, da die Staatsstraße nicht mautpflichtig ist und auch noch eine Abkürzung in Richtung Berlin darstellt, das Autobahndreieck Dresden wird damit umfahren.“

Abschließend heißt es im offenen Brief an den Minister: „Wir fordern Sie dringend auf, die Planung dieser Strecke durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) stoppen zu lassen, um dann eine alternative Streckenführung ausarbeiten zu lassen, die alle Bürger entlastet.“

Erläuterungen bei Vor-Ort-Termin

Im Ministerium waren die Bedenken der Wiednitzer auch schon vor dem offenen Brief bekannt. „Im Rahmen der Erstellung des Landesverkehrsplanes 2030 wurden von Wiednitzer Bürgern Einwendungen gegen das Vorhaben, insbesondere gegen die dargestellte Trassenführung erhoben und auch direkt an Herrn Staatsminister herangetragen. In persönlichen Gesprächen und anlässlich eines Vororttermins mit dem Landkreis und dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr wurde den Bürgern bereits die Bedeutung des Landesverkehrsplanes und die konkret notwendigen Planungsschritte sowie die Öffentlichkeitsbeteiligung für das Vorhaben erläutert“, war gestern auf Nachfrage aus Dresden zu erfahren. Und es wurde klargestellt: „Für die Verlegung der S 92 gibt es bisher keine Planungen. Dies ist auch im Landesverkehrsplan so dargestellt – OP= ohne Planung. Die im Landesverkehrsplan dargestellte Linienführung ist deshalb eine generelle aber unverbindliche Möglichkeit der Umgehung. Die dargestellte Trasse“, so wird betont, „basiert nicht auf konkreten fachplanerischen Untersuchungen. Sie dient nur der grundsätzlichen Ermittlung der Wirtschaftlichkeit und des Bedarfs für eine Verlegung der Straße, analog zum Bewertungsverfahren des Bundesverkehrswegeplanes.“ Im Übrigen sei im Landesverkehrsplan ein Hinweis auf die Unverbindlichkeit der Darstellung enthalten.

Auftrag zu einer Voruntersuchung

Mit der Aufnahme in den Landesverkehrsplan bestehe für die Verlegung der S 92 das Planungsrecht. „Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr ist inzwischen beauftragt, die sogenannte Voruntersuchung zu erstellen. Dabei werden alle sich aufdrängenden Varianten nach raumordnerischen, verkehrlichen, umweltseitigen und wirtschaftlichen Aspekten geprüft und eine Vorzugsvariante für die weitere Planung ermittelt.“ Frühestens Ende 2020 werde eine solche Vorzugsvariante vorliegen. Für diese, so der Ablaufplan, wird im Anschluss ein technischer Entwurf erstellt. „Auf der Grundlage des genehmigten Entwurfs werden die grundstücksgenauen Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren erarbeitet. Dort werden auch alle betroffenen Bürger beteiligt. Erst mit Vorliegen eines bestandskräftigen Planfeststellungsbeschlusses kann in Abhängigkeit von der Haushaltssituation mit dem Bau begonnen werden.“ Die TAGEBLATT-Frage, ob die Wiednitzer Sorge haben müssen, eine Straße durch ihren Ort gebaut zu bekommen, die sie mehrheitlich ablehnen, beantwortet das Ministerium mit einem klaren: „Nein!“

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