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Freital

„Unsere Kandidaten wissen, was läuft“

Klaus Wolframm, Spitzenkandidat der SPD für die Stadtratswahl in Freital, freut sich über junge Mitstreiter und hat ein großes Ziel.

Der bisherige Fraktions-Chef Klaus Wolframm ist wieder Spitzenkandidat der SPD zur Kommunalwahl. 16 weitere Männer und Frauen bewerben sich für die SPD um einen Sitz im Stadtrat.
Der bisherige Fraktions-Chef Klaus Wolframm ist wieder Spitzenkandidat der SPD zur Kommunalwahl. 16 weitere Männer und Frauen bewerben sich für die SPD um einen Sitz im Stadtrat. © Andreas Weihs

Herr Wolframm, die SPD hat in den vergangenen Jahren stark an Beliebtheit eingebüßt. Warum sollten die Freitaler dennoch ihr Kreuz bei den SPD-Kandidaten machen?

Kommunalpolitik ist etwas anderes als Bundespolitik. Die Personen, die im Stadtrat Politik machen, die leben hier vor Ort und können direkt in Prozesse eingreifen. Wir wohnen alle mit unseren Familien in Freital und stehen mit beiden Beinen fest im Leben. Viele Probleme, die die Menschen in Freital haben, sind auch unsere Probleme. Und diese wollen wir gerne anpacken und lösen. Dafür haben wir Kandidaten gewonnen, die beruflich breit aufgestellt sind und wissen, was Sache ist.

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Schaut man sich die Kandidatenliste der SPD an, findet man viele neue, jüngere Gesichter darunter.

Ja, die jungen Eltern fehlten bei uns in der Freitaler SPD in den vergangenen Jahren etwas. Überhaupt ist dieses mittlere Alter im aktuellen Stadtrat kaum vertreten. Dabei ist das die Generation, die zum einen mit dem Internet aufgewachsen ist. Zum anderen sind diese Leute mit am meisten bei Themen wie Kindergartenplätze, Schulen, Freizeitangebote für Familien oder bezahlbarer Wohnraum betroffen.

Was hat die SPD-Fraktion in den vergangenen fünf Jahren erreicht?

Der Ausbau von Schulen und Kindergärten ist vorangekommen, das war eines unserer großen Anliegen. Erreicht haben wir gegen den Willen des damaligen Oberbürgermeisters Klaus Mättig, dass die Stadt den Bahnhof Potschappel zu einem Bürgerbüro umbaut hat. Ganz wichtig ist aus unserer Sicht die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Stadt mit dem Ausbau des Technologieparks, wo mittlerweile 300 Arbeitsplätze angesiedelt wurden. Und nun ist endlich auch das Online-Kitaplatz-Vergabesystem eingeführt. Lange genug hat es gedauert. Und was ist passiert? Plötzlich wird klar, dass Kitaplätze fehlen. Der Mangel war immer da, er war nur nie so offensichtlich. Jetzt kommt er zum Tragen. Da hat die Stadtverwaltung gründlich geschlafen.

Was hat die SPD nicht geschafft, was müssen Sie sich vorwerfen?

Es ist uns leider nicht gelungen, die Lederfabrik zu erhalten, daraus eine Kreativfabrik zu entwickeln und dort Arbeitsplätze anzusiedeln. Dabei werden dringend Büro- und Arbeitsräume für junge Unternehmen und Start-ups in Freital gebraucht, weil das Technologie- und Gründerzentrum fast voll vermietet ist. 


Die Freitaler Sozialdemokraten

Die SPD ist seit 1990 wieder im Freitaler Stadtrat vertreten. In der Gründungszeit der Stadt Freital war die Region eine SPD-Hochburg. In den 1920er-Jahren stellte die Partei den Oberbürgermeister – damals einzigartig für Sachsen. Ab 1994 war der SPD-Mann Klaus Pollack sieben Jahre lang Oberbürgermeister in Freital.

Bei der Kommunalwahl 2014 kam die SPD auf 10,9 Prozent. Sie konnte vier Abgeordnete in den Stadtrat schicken. Gemeinsam mit der Grünen-Stadträtin Ines Kummer bildete die SPD eine gemeinsame Fraktion.

 17 Kandidaten treten am 26. Mai für die SPD an. Neben den erfahrenen Abgeordneten Klaus Wolframm, Harry Retz, Günter Specht und Thomas Käsemodel zeigt sich die SPD stark verjüngt.

Bekannte Kandidaten sind der Bildhauer Steffen Petrenz und Margit Pollack, die Witwe des einstigen Freitaler Oberbürgermeisters Klaus Pollack.

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Statt eines Kreativzentrums, was man mit einer einfachen Sanierung für acht bis zehn Millionen Euro bekommen hätte, zahlen wir nun sechs Millionen Euro für eine grüne Wiese mit einem Stückchen Mühlgraben. Und die kann man noch nicht mal in den kommenden zehn Jahren veräußern, weil für die Rekultivierung Fördermittel eingesetzt werden, wofür eine Bindefrist gilt. Nun will der Oberbürgermeister dort ein Behördenzentrum bauen. Ich frage mich, woher die dafür notwendigen 20 bis 30 Millionen Euro kommen sollen. Etwa aus der Stadtkasse?

Was ist aus Sicht der SPD wichtig für Freital, was will man im neuen Stadtrat bewegen?

Wir setzen uns für eine starke Wirtschaftspolitik ein. Wir haben dafür kompetente Kandidaten, die selbst in der Wirtschaft tätig sind und wissen, was läuft. Das Problem ist doch: Freital ist eine Schlafstadt. Hier wohnt man, arbeitet aber in Dresden. Deshalb ist es wichtig, in Freital Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen. Das gelingt nur, wenn neue Gewerbeflächen angeboten werden, um weitere Firmen anzusiedeln. Ich denke dabei vor allem an viele kleine Betriebe, die am Ende Gewerbesteuern abwerfen. Das ist für Freital eine wichtige Einnahmequelle.

Und was soll mit den Steuergeldern konkret gemacht werden?

Was fehlt, ist eine neue Feuerwache. Außerdem braucht die Stadt eine neue Mehrzweckhalle mit Tribünen für Sport und Veranstaltungen. Ich stelle mir so etwas wie die Saubachtalhalle in Wilsdruff vor. Wir haben zwar zwei neue große Hallen am Gymnasium und am Berufsschulzentrum, aber die gehören dem Landkreis und sind zudem ausgelastet. Dann muss der Internetausbau weitergehen, und zwar über die heute schon üblichen 50 Megabit pro Sekunde hinaus. Wir dürfen da nicht stehenbleiben. Und wir setzen uns für bezahlbaren Wohnraum ein. Bezahlbare Wohnungen sollen erhalten und neue gebaut werden.

Das wird schwierig. Denn Neubauwohnungen sind teuer, sogar dann, wenn Genossenschaften bauen.

Das liegt an der Baugesetzgebung. Das können wir in Freital nicht alleine lösen, da muss man an die Landesregierung herantreten. Auf der Ebene werden wir uns als SPD einsetzen. In Freital können wir mit der städtischen Wohnungsgesellschaft aber schon Einfluss auf das Wohnungsangebot und die Mietpreise nehmen.

Auf der Internetseite des SPD-Ortsvereins werben Sie damit, den Verkehrsfluss durch Freital zu verbessern. Wie?

Ich denke da vor allem an bessere Ampelschaltungen. Auch ist es unser Ziel, Bus- und Bahnlinien auszubauen und Taktzeiten sinnvoll zu planen. Dazu gehört für mich, erst einmal die Fahrgäste anzuhören, bevor neue Fahrpläne gemacht oder Strecken neu gelegt werden. Um den Straßenverkehr zu entlasten, muss unbedingt mehr für die Radfahrer gemacht werden. Das betrifft nicht nur das Radwegenetz, sondern beispielsweise auch die Mitnahme von Rädern in Bus und Bahn oder das Angebot an sicheren Abstellplätzen für Räder.

Wo wird Freitals SPD nach der Kommunalwahl stehen?

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Wofür die Parteien und Wählervereinigungen stehen und was sie geleistet haben. Und wie schlagkräftig sind die Kandidatenteams eigentlich.

Unser Ziel ist es, im Stadtrat wieder eine starke Fraktion zu bilden, um unsere Ideen und Vorschläge umzusetzen. Dafür brauchen wir viele Stimmen. Wir hoffen, mit unseren Kandidaten und Kandidatinnen dem Wähler ein gutes Angebot zu machen.

Es fragte Annett Heyse.